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Der Weg sei schwieriger und anspruchsvoller als gedacht, sagt Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Foto: Boris Roessler/dpa
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Gegenwind beim Umbau Schwache Konjunktur und Niedrigzinsen setzen Deutscher Bank zu

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zieht eine Zwischenbilanz seiner neuen Strategie und sieht erste Erfolge - Börsianer bleiben skeptisch.

Fünf Stunden lang stehen Vorstandschef Christian Sewing und Finanzchef James von Moltke Analysten und Investoren am Dienstagnachmittag in der Zentrale der Bank Rede und Antwort. Beim „Deep Dive“ geben sie tiefe Einblicke in den Stand bei der Umsetzung ihrer im Sommer ausgerufenen Strategie, die die Deutsche Bank bis 2022 endlich wieder in solide und wettbewerbsfähige Bahnen lenken soll. Der Weg wird schwieriger und anspruchsvolle als gedacht, muss Sewing einräumen. Die schwächere Konjunktur, noch niedrige Zinsen und strengere Auflagen der Aufseher sorgen für empfindlichen Gegenwind. „Das geht nicht spurlos an uns vorbei“. Das Ziel, 2022 wieder ein Eigenkapitalrendite von acht Prozent zu erwirtschaften „ist nun ein ehrgeizigeres Ziel“. Trotzdem sieht sich Sewing beim größten Umbau des größten deutschen Geldhauses seit zwei Jahrzehnten voll im Plan, in manchen Bereichen sogar schneller unterwegs als gedacht. Analysten, Investoren hören zu. Börsianer bleiben vorsichtig. An der Börse liegt der Kurs am Nachmittag mit 0,5 Prozent im Minus bei 6,50 Euro.

Schon vor Beginn der Konferenz stimmt Sewing die noch knapp 90.000 Beschäftigten der Bank auf das Treffen ein. „Wir haben es selbst in der Hand“, schreibt er in einer Nachricht. Verweist, wie später auch gegenüber Investoren und Analysten, auf den seit Sommer guten Start in den Umbau der Bank. Der Ausstieg aus dem Aktienhandel sei weit fortgeschritten, die Kosten habe man im siebten Quartal in Folge gesenkt. Verglichen zu Anfang 2018 sollen sie bis 2023 um sechs Milliarden auf 17 Milliarden Euro sinken. Aktuell liegen sie noch bei 21,5 Milliarden Euro.

Ehemalige Kunden sollen wiedergewonnen werden, neue hinzukommen

Ein wichtiger Beitrag: Der Abbau von 18.000 Stellen weltweit auf dann nur noch 74.000. In den Kundenbereichen werde es keine Einschnitte geben, versichert Sewing. Schließlich sollen neue Kunden gewonnen und ehemalige wiedergewonnen und die Erträge gesteigert werden. Das zeige Wirkung. „Nur ein Beispiel: Mehr als drei Dutzend Konzerne und große institutionelle Kunden haben sich in den vergangenen Monaten dazu entschieden, zu uns zurückzukommen“, freut sich der Bankchef. Im Vermögensmanagement habe man die Zahl der Berater seit Jahresbeginn sogar um 13 Prozent gesteigert.

Über die Vergabe von Krediten soll mehr Geld eingenommen werden

In der IT werde der vom Softwarekonzern SAP geholte neue Vorstand Bernd Leukert für mehr Effizienz sorgen. Besonders stolz sei er auf die Investmentbank. „Wir haben uns sehr schnell neu aufgestellt und inzwischen läuft das Geschäft besser als erwartet.“ Drei Viertel der Erträge kommen laut Sewing aus Bereichen, in der die Deutsche Bank zu den fünf weltweit führenden Anbietern gehöre.

„Wir bauen eine Bank, die im Wettbewerb und für unsere Kunden relevant ist“. Die freilich müssen sich auch auf höhere Kosten einstellen. Firmenkunden und vermögende Privatkunden werden mit Negativzinsen bedacht. Der normale Kunde allerdings nicht. Die Bank will über die Vergabe von mehr Krediten mehr Geld einnehmen. „Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die Ertragsausfälle durch die Niedrigzinsen zu kompensieren“, sagt Sewing. Trotzdem muss die Bank Abstriche machen. Bis 2022 sollen die Erträge auf rund 24,5 Milliarden Euro steigen. Das ist eine halbe Milliarde weniger als noch im Sommer verkündet.

Analysten erwarten für das gesamte Jahr ein Minus von 4,3 Milliarden Euro

Immerhin: Die Deutsche Bank kommt beim Umbau mit dem vorhandenen Kapital aus. Mehr noch: Sie kann ihre Kapitalquote auf 13 Prozent gemessen an Krediten und riskanten Vermögenswerten stabilisieren. Die Anstrengungen erkennt auch die Europäische Zentralbank (EZB) als Aufsichtsbehörde an. Sie senkt die Mindestkapitalanforderung für die Deutsche Bank um 0,25 Prozentpunkte. Das zeige, dass auch die Aufseher die Anstrengungen der Bank für glaubwürdig hielten, sagt Sewing. Auch die Aktionäre sollen profitieren. Ab 2022 sollen sie nach und nach Kapital zurückerhalten. 

Die Deutsche Bank sei schon heute eine sicherere, besser kapitalisierte und besser finanzierte Bank, ist Sewing überzeugt, und das bei einer konservativen Steuerung. „Wir liefern und setzen um, Monat für Monat, Woche für Woche, Tag für Tag. Nach 30 Jahren in der Bank kann ich sagen: Diese Zeit ist anders“, ist der seit April 2018 amtierende Vorstandschef überzeugt. Noch aber ist sie nicht profitabel: In den ersten neun Monaten lag der Verlust - bedingt allerdings auch durch die Umbaukosten - bei rund 3,8 Milliarden Euro. Für das gesamte Jahr erwarten Analysten ein Minus von 4,3 Milliarden Euro. Es wäre das fünfte Verlust-Jahr in Folge.

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