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Was führt Elon Musk im Schilde? Das dürfte viele Twitter-Aktionäre interessieren. REUTERS/Mike Blake
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Ein Tweet nach dem anderen Wie Elon Musk die Welt live an seinen Twitter-Plänen teilhaben lässt

„Ist Twitter tot?“, fragt der Großaktionär des sozialen Netzwerks. Seine Sprunghaftigkeit dürfte nicht jedem in der Twitter-Zentrale gefallen.

Wie Parag Agrawal reagiert hat, als er davon erfuhr, dass Elon Musk 9,2 Prozent von Twitter kaufen will, ist nicht bekannt. Dass der Chef des Kurznachrichtendienstes aber durchaus ambivalente Gefühle dem Engagement des Tesla-Chefs gegenüber hat, zeigt seine Reaktion auf dessen Entscheidung, nun doch nicht Teil des Verwaltungsrates von Twitter zu werden.

„Ich glaube, dass dies das Beste ist“, sagte Agrawal, nachdem Musk mitgeteilt hatte, dem Gremium nicht beitreten zu wollen. Nur wenige Tage zuvor hatte er noch verkündet, genau das zu tun und nicht nur ein passiver Investor zu bleiben.

Dass das Wort „passiv“ nicht zu Musk passt, dürfte ohnehin bekannt sein. Verwaltungsrat hin oder her. Dass dies auch mit Blick auf seine Twitter-Beteiligung gilt, lässt sich seit einigen Tagen auf seinem Twitter-Account beobachten. Denn dort lässt er die Weltöffentlichkeit an seinen Gedanken zur Geschäftsstrategie teilhaben. Nicht jedem in der Twitter-Zentrale dürfte das gefallen.

Obdachlosen-Unterkunft in Twitter-Zentrale?

„Ist Twitter tot?“ postete er am Sonntag und kommentierte damit eine Liste der Accounts mit den meisten Followern, darunter Barack Obama, Justin Bieber – und er selbst mit 81 Millionen Followern auf Platz acht. „Die meisten dieser „Top“-Accounts twittern kaum“, begründete er seine Eingangsfrage.

In einem weiteren Post fragte Musk Twitter-Nutzer in einer Umfrage, ob die Zentrale des Kurznachrichtendienstes in eine Obdachlosen-Unterkunft umgewandelt werden solle, da eh niemand dort zur Arbeit auftauche. Twitter versicherte seinen Beschäftigten, dass sie auch nach der Pandemie, soweit es in ihren Jobs möglich ist, von überall arbeiten dürfen.

In der Innenstadt von San Francisco, wo Twitter sein Hauptquartier hat, leben viele Obdachlose. Der Tweet zog unter anderem die Aufmerksamkeit von Amazon-Gründer Jeff Bezos an, der darauf verwies, dass der Online-Konzern 2020 eine achtstöckige Obdachlosen-Unterkunft an seiner Zentrale in Seattle eingerichtet habe.

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Auch schlug Musk vor, dass alle Kunden des neuen Abo-Angebots von Twitter verifizierte Accounts bekommen und von Werbung in ihren Timelines verschont werden sollen. Konzerne hätten mehr Macht, die Geschäftspolitik zu diktieren, wenn Twitter zum Überleben auf Werbeeinnahmen angewiesen sei, argumentierte er. Der Tweet wurde inzwischen gelöscht. Die Antworten sind jedoch noch nachlesbar. Etwa dass Musk forderte, die Twitter-Abo-Gebühr je nach Durchschnittseinkommen pro Land in unterschiedlicher Höhe zu erheben.

Wie sehr ihn die öffentliche Meinungsbildung und Medienlandschaft interessiert, teilt er auch mit, indem er Umfrageergebnisse kommentierte, die zeigen, welchen Medien Demokraten und Republikaner in den USA am ehesten vertrauen.

Mit einem Platz im Verwaltungsrat – das Gremium ist in den USA mit dem Aufsichtsrat in Deutschland vergleichbar – hätte sich Musk dazu verpflichtet, nicht mehr als 14,9 Prozent der Twitter-Anteile zu kaufen. Durch seinen Rückzug gilt das nun nicht mehr. Der reichste Mensch der Welt hält sich damit also weitere Türen offen. Ein großer Teil der Twitter-Anteile liegt bei Großaktionären aus der Finanzbranche, darunter der Bank Morgan Stanley.

Musk im Dauerstreit mit der Börsenaufsicht

Die Twitter-Aktie, die nach Bekanntwerden von Musks Einstieg bei der Firma um mehr als ein Viertel hochgesprungen war, gab im vorbörslichen US-Handel am Montag um rund fünf Prozent nach. Denn auch wenn Musk für Innovation und Disruption steht, so steht er doch auch für Ärger. Speziell an der Börse, wie ein Blick auf Teslas Aktienkurs zeigt.

Mit der US-Börsenaufsicht SEC liegt er im Dauerclinch. Immer wieder kanzelte die Aufsicht ihn ab, weil er kursrelevante Details veröffentlichte oder den Aktienwert mit eigenen Einschätzungen instabil machte – auch und gerade auf Twitter. 2018 ließ die Börsenaufsicht ihm gerichtlich vorschreiben, dass er seine Tweets vor der Veröffentlichung von Teslas Anwälten checken lassen muss. Daran hielt er sich nicht immer. Auch bei seinem Twitter-Einstieg provozierte er die SEC: Musk gab das Überschreiten des Anteils von fünf Prozent später als vorgeschrieben bekannt und machte auch nicht gleich die Verwaltungsrats-Pläne öffentlich.

Solche Kapriolen werden wohl auch in der Twitter-Zentrale nicht gern gesehen. Der „Washington Post“ zufolge hatten sich zudem Twitter-Beschäftigte besorgt gezeigt, dass Musk einen negativen Einfluss auf die Atmosphäre haben könne.

Zumindest im Verwaltungsrat ist man nun vor ihm sicher. Dabei hatte er auf Twitter schon ein Meme geteilt, das ihn bei einem legendären Radio-Interview mit einem qualmenden Joint in der Hand zeigt. „Das nächste Twitter-Board-Meeting wird heiß“, stand darüber.

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