Die Auto 1-Gründer. Christian Bertermann (l.) und Hakan Koct. Das Unternehmen bewertet und verkauft Gebrauchtwagen. Foto: Dominik Butzmann
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Berliner Pkw-Onlinegroßhändler Japans Softbank investiert 460 Millionen in Auto1

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Schub für die Berliner Gründerszene. Die Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 aus Kreuzberg mit Marken wie wirkaufendeinauto.de bekommt fast eine halbe Milliarde Euro.

In der Kreuzberger Bergmannstraße wächst weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ein Milliarden-Unternehmen heran. Der 2012 gegründete Online-Autogroßhändler Auto1Group hat bei einer neuen Finanzierungsrunde 460 Millionen Euro eingeworben. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt. Das Geld stammt vom „Vision“-Investitionsfonds des japanischen Technologiekonzerns Softbank. Auto1 werde bei dem Deal insgesamt mit 2,9 Milliarden Euro bewertet, erklärten beide Firmen. Die Berliner sind damit hinter dem Musik-Streamingdienst Spotify das am höchsten bewertete Start-up in Europa, das nicht an der Börse notiert ist.

Auto1 ist mit seinen Töchtern Wirkaufendeinauto.de und Autohero.de bei Verbrauchern bekannt, das Kerngeschäft läuft aber im Hintergrund mit Geschäftskunden über die Auto1-Plattform ab. Der Großhändler für Gebrauchtwagen arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 35000 Autohandelspartnern zusammen, die gut 800000 Kunden haben. Auto-Verkäufern wird über eine spezielle Software binnen Minuten online ein Angebotspreis erstellt, nach der technischen Überprüfung in einem Kfz-Partnerbetrieb wird daraus ein verbindlicher Ankaufpreis. Bei Auto1.com kommen nach Angaben des Unternehmens täglich mehr als 3000 Fahrzeuge hinzu. Im Angebot seien 30000 Fahrzeuge in 30 Ländern. Auto1 arbeitet mit Logistikzentren zusammen, die Fahrzeuge zwischenlagern können und zu den Händlern transportieren. Diese werden nicht nur bei der Beschaffung unterstützt, sondern auch über einen Bank-Partner bei der Finanzierung oder beim Abmelden der Autos.

Zahlen für 2017 hat die Berliner Firma noch nicht veröffentlicht. Man freue sich aber über ein „weiterhin gesundes Wachstum“, sagte eine Sprecherin am Montag. Bis Ende Oktober 2017 hatte die Auto1 Gruppe mit weltweit mehr als 2500 Mitarbeitern mehr als 330000 Autos umgeschlagen. Der Umsatz war im Jahr 2016 auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen – eine Verdoppelung zum Vorjahr. Bereits 2017 hatten die Berliner 360 Millionen Euro von verschiedenen Venture-Capital- Fonds und Banken erhalten, bis dato die höchste Summe, die ein deutsches Start- up auf einen Schlag eingesammelt hatte.

Kapital fließt in die internationale Expansion

Die Gründer und Geschäftsführer Christian Bertermann und Hakan Koc wollen das frisch eingeworbene Kapital von Softbank für die internationale Expansion einsetzen. „Wir befinden uns bei Auto1 erst am Anfang der Möglichkeiten, die unser Geschäftsmodell bietet“, sagte Koc am Montag. „Wir haben in jederlei Hinsicht noch eine Menge Optionen um uns in der Breite und in der Tiefe noch besser aufzustellen.“ Zu den Schwerpunkten der „Vision“-Investitionen gehören Robotik und Mobilitätsdienste wie zuletzt Uber. Auto1 passe in diese Strategie, sagte Koc. Die deutsche Firma habe eine effiziente datengestützte Plattform für den stark fragmentierten Gebrauchtwagenmarkt entwickelt, betonte Softbank-Manager Akshay Naheta. Er wird in den Aufsichtsrat der Auto1 Group einziehen.

Das Berliner Unternehmen strebt einen Marktanteil von zehn Prozent an. Der globale Markt wird auf ein jährliches Volumen von mehr als 300 Milliarden Dollar geschätzt. Auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt sind einige so genannte Intermediäre aktiv, die ihre Geschäftsmodelle im Segment zwischen Profis und Verbrauchern angesiedelt haben. So investierte der Berliner Start-up- Inkubator Rocket Internet 2016 in das Unternehmen Dealerdirect mit der Plattform Ichwillmeinautoloswerden.de. Ein ähnliches Geschäftsmodell hat Carsale24.de. Auch die etablierten Gebrauchtwagen-Plattformen Mobile.de und Auto-Scout 24 haben mit Motorverkauf.de und Easyautosale.com eigene Angebote. Auto1 arbeitet in Kernmärkten, etwa in Deutschland, nach eigenen Angaben profitabel. Angaben über die Gruppe insgesamt gibt es nicht.

Softbank-Fonds dürfte 20 Prozent bekommen

Ein Börsengang ist vorerst nicht geplant. Koc und Bertermann hielten zuletzt zusammen etwas mehr als ein Drittel der Firmenanteile. Jetzt werden für etwa die Hälfte des Softbank-Investments neue Aktie ausgegeben, der Deal soll dem „Vision“-Fonds am Ende einen Anteil von rund 20 Prozent bringen.

Die Softbank Group kündigte am Montag zudem an, sie wolle 30 Prozent ihrer Mobilfunktochter an die Börse bringen und könne damit etwa 18 Milliarden Dollar erlösen. Es wäre der größte Börsengang in Japan seit 20 Jahren. Dies sei eine Option, erklärte das Unternehmen. Noch sei aber keine Entscheidung gefallen. Der Antrag für die Emission soll der Tageszeitung „Nikkei“ zufolge bereits im Frühjahr gestellt werden. Henrik Mortsiefer

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