Alles andere als Folklore-Kitsch: Das Freilich am (Scharmützel-)See bietet ein zeitgemäß-modernes und doch gemütliches Ambiente - plus Veranstaltungssaal, großer Terrasse und herrlicher Liegewiese. Foto: Freilich am See / promo
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Von TISCH zu TISCH - Die Restaurantkritik Freilich am See

Für eine Landpartie mit Aussicht sollte auch im Herbst Zeit sein. In Bad Saarow gibt es das passende Gasthaus dazu.

Ach, noch mal aufs Land. Ich gebe zu, dass die vielen Kartoffeläcker und Spargelfelder Brandenburgs im Herbst und Winter eine ziemlich mickrige Figur machen, da ist wenig fürs Auge zu finden, und jeder, der lieber daheim bleibt, hat mein volles Verständnis. Allerdings gibt es da draußen ja auch Seen und Wälder – und da und dort sogar so etwas wie eine touristische Ganzjahres-Infrastruktur, in Bad Saarow, in ... Herrgott, setzen Sie selbst was ein.

Wir bleiben jedenfalls in Bad Saarow, das sich nun auch nicht grad rasant entwickelt. Immer noch ist es ein großes Rätsel, warum mitten im bekannten Kurort und in bester Lage große Grundstücke einfach so vor sich hingammeln, und warum zum Beispiel selbst am Rand des Kurparks unterhalb der populären Therme hinter einem Drahtzaun Massen von Baugerätschaften gelagert werden müssen. Kann da nicht wenigstens mal jemand aufräumen?

Direkt am See

Immerhin sind nun die Kolonnaden fertig und finden hoffentlich auch ein paar Mieter, die nicht nur Immobilien verkaufen wollen. Die Firma Artprojekt, die hier gebaut hat und am Westufer des Scharmützelsees bis 2022 ein Doppelhotel mit Marina fertigstellen will, hat gegenüber ganz nebenbei und ohne viel Getöse das „Freilich am See“ eröffnet, ein bayerisches Gasthaus, das, anders als andere Restaurants mit diesem Beinamen, tatsächlich direkt am See liegt, es gehört sogar eine Badewiese mit fabelhafter Aussicht dazu und ein kleiner Biergarten sowieso. Drinnen ist es hübsch ländlich-modern eingerichtet ohne jeden Almhüttenkitsch, insgesamt lautet mein Rat also: hingehen!

Bodenständige Klassiker

Ach so, Moment, das hier ist ja eine Restaurantkritik. Erwarten Sie nicht mehr als das Mögliche. Schon die Speisekarte macht klar, dass hier die bodenständigen Klassiker im Zentrum stehen, denn leider ist schon die Auswahl von Vorspeisen auf das Nötigste beschränkt. Immerhin war das (leider maschinell zu fein pürierte) Kalbstatar gut abgeschmeckt und von einer sanften Senfsauce gestützt, ein knusprig gebackenes, hart gekochtes Ei steuerte eine gewisse Raffinesse bei (12,50 Euro). Die Forelle, als fertiges Filet geräuchert, kam mit eingelegten Rübchen und handwerklich sauberem Wildkräutersalat, das sieht und isst man gern, ohne dass es in höhere Gourmet-Regionen abdriften würde. Beim zarten Zwiebelrostbraten, einem rosa angekündigten und medium rare gelieferten Rumpsteak, war es eine gewichtige Kleinigkeit, die uns störte: Da gehören in Butter geschmorte und nicht hässlich furztrocken frittierte Zwiebeln drauf, basta! Als Trost gab es dazu aber prima hausgemachte Spätzle (22 Euro).

Weit über Gasthausniveau

Handwerklich einwandfrei gelang auch das prächtige, große Stück Zanderfilet, das allerdings mit seiner Unterlage irgendwie fremdelte: Quittenkompott, Cocktailtomaten, Speckbohnen und Kräuter-Kartoffelplätzchen schmeckten einzeln gut, ergaben aber zusammen keinen Sinn, da hätte auch ein Schnitzel draufliegen können oder eine Weißwurst (21,50 Euro). Aber da alles gut gemacht war, wollen wir es dennoch verhalten loben, das kann hier was werden, wenn sich der Küchenmannschaft die geschäftige Routine nicht allzu schnell bemächtigt. Sehr guter, nicht zu schroff traktierter Kaiserschmarrn mit Pflaumen (8), feines Nougatparfait mit Kirschkompott und Mandeln (7).

Flinker, freundlicher Service

Zu den erfreulichsten Aspekten des Hauses gehören der flinke, freundliche Service und die Getränkeversorgung, die mit Traunsteiner Bier beginnt und mit feinen Weinen nicht geizt: Silvaner von Horst Sauer oder den roten „Gaudenz“ von Knipser gibt es günstig sogar offen, und auch sonst geht das weit über Gasthausniveau hinaus. Bilanz: Hier sollte jeder seins finden, der mit angemessenen Erwartungen kommt.

- Freilich am See, Karl-Marx-Damm 47a, Bad Saarow, Tel. (033631) 59 84 36, täglich von 12 bis 22 Uhr

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