Teppiche erzählen Geschichten. Auch von den Berliner Bombennächten 1945. Das Brandfragment eines persischen Teppichs aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Anna Beselin
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Anna Beselin

Teppiche im Museum für Islamische Kunst Das Paradies mit Füßen getreten

Ingolf Patz

"Traum und Trauma": Das Museum für Islamische Kunst hat seine Teppichsäle neu eröffnet.

„Es waren die bittersten Stunden meines Lebens, als ich, bis zu den Knien im Löschwasser stehend, mit einer Stange nach den Resten unserer Teppiche fischte ... Die weltberühmte Teppichsammlung, eines der großen Werke Wilhelm von Bodes, war vernichtet“, erinnert sich Kurator Kurt Erdmann an die Berliner Bombennächte von 1945. Wilhelm von Bode hatte mit der Schenkung seiner Teppiche 1904 zur Gründung eines der weltweit ersten Museen für Islamische Kunst in Berlin beigetragen.

Ein rührendes Häuflein Stoff (Foto) und eine Geruchsprobe verbrannten Teppichs befördern heute die Besucher der Teppichsäle im Museum für Islamische Kunst in jene Zeit. Es ist die Stärke der Neupräsentation „Traum und Trauma“, dass sie es nicht nur didaktisch versteht, durch die textilen Rankenirrgärten, durch die Abkürzungen der islamischen Symbole zu führen und von der Geschichte der weltberühmten Teppichsammlung zu erzählen, sondern den Leidenschaften nachzuspüren, die sich mit den sinnlichen Exponaten aus Wolle und Seide verbinden.

Das Publikum geht den unbequemen Weg mit

Von Schah Jahan wird erzählt, der mit dem Tadsch Mahal, aber auch einem imposanten Teppich seiner Gattin „50 Kilo ewige Liebe“ verehrte, oder von Mizi Donner, die mit Hingabe in der Nachkriegszeit jahrelang den zerstörten Bode-Tierteppich „restaurierte“, Nummer eins des Museumsinventars. Aus den Fetzen rekonstruierte sie ein komplettes Viertel als Flickenteppich.

Heute wäre so eine sentimentale Rettung restauratorisch undenkbar. Und das Publikum geht den unbequemen Weg mit. Der Weg des Orientteppichs vom Sammlerstück zum gutbürgerlichen Prestigeobjekt, vom ausrangierten Erbstück zum Shabby- Chic-Accessoire hat erstaunlicherweise den Blick frei gemacht für den Wert von Spuren der Zeit und die Schönheit des Fragments; so wie David Chipperfields kritische Restaurierung des Neuen Museums und Jan Kaths populäre Teppichdesigns seiner „Erased Heritage“-Kollektion, die traditionelle Teppichmuster durch kunstvolle Fehlstellen in die Moderne holt.

Respekt für diese neuen Ausstellungsansätze – aber kein Verständnis für die Entscheidung, fürs Pergamonmuseum nur Kombi-Tickets ab 18 Euro anzubieten. Bitte auf dem Teppich bleiben!

Pergamonmuseum, Museumsinsel, täglich 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr

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