Neue Chance. Alexander Esswein blüht unter Trainer Ante Covic bei Hertha BSC auf. Foto: Soeren Stache/dpa
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Zurück bei Hertha BSC Warum Alexander Esswein plötzlich eine Rolle spielt

Alexander Esswein schien bei Hertha BSC nach seiner Rückkehr aus Stuttgart eher geduldet als erwünscht. Doch jetzt ist er die erste Einwechseloption.

Neulich, im Trainingslager in Stegersbach, hat ein Fan von Hertha BSC per Telefon von seinen Eindrücken in die Heimat berichtet. Das sehe alles wirklich gut aus, erzählte er, in den Einheiten sei ordentlich Zug drin, „und sogar der Esswein läuft“. Das war natürlich ein bisschen gemein gegenüber Alexander Esswein, dem Offensivspieler des Berliner Fußball-Bundesligisten. Aber der kleine Scherz auf seine Kosten sagt einiges über die Erwartungen, die in der Vorbereitung mit ihm verbunden waren. Es gab keine. Die nicht vorhandenen Erwartungen aber hat Esswein schon jetzt deutlich übertroffen.

Zwei Pflichtspiele hat Hertha BSC in dieser Saison bestritten. In beiden stand Esswein auf dem Platz, nachdem er jeweils als erster Spieler von Trainer Ante Covic eingewechselt worden war. Im Pokal gegen Eichstätt kam er zur zweiten Halbzeit für den rotgefährdeten Jordan Torunarigha. Er bereitete ein Tor vor und traf selbst zum 5:1-Endstand. Und beim Ligaauftakt gegen Bayern München war es Esswein, der nach etwas mehr als einer Stunde Kapitän Vedad Ibisevic ersetzte – und nicht Davie Selke. „Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, gleich als erster Spieler eingewechselt zu werden“, sagt er. „Umso mehr habe ich mich gefreut. So wie es bis jetzt läuft, bin ich sehr zufrieden.“

Dass Alexander Esswein bei Hertha überhaupt noch mal eine Rolle spielen würde, war vor ein paar Wochen eher nicht zu erwarten. Im vergangenen halben Jahr war Esswein an den VfB Stuttgart ausgeliehen, wo er in einer düsteren Rückrunde noch zu den positiven Erscheinungen gehört hatte. Lange sah es sogar so aus, als würde aus dem Leihgeschäft eine feste Anstellung bei den Schwaben werden und Hertha zwei Millionen Euro Ablöse für Esswein kassieren.

Doch mit dem Abstieg des VfB aus der Bundesliga wurde dieser Plan hinfällig. Esswein kehrte nach Berlin zurück, schien bei Hertha aber eher erduldet als wirklich erwünscht zu sein. Als nach den ersten Wochen der Vorbereitung spekuliert wurde, wer wohl vor dem Trainingslager in Österreich noch aus dem Kader gestrichen werden würde, wurde auch sein Name immer wieder genannt.

Im Sommer 2016 ist Esswein vom FC Augsburg nach Berlin gekommen. 45 Bundesligaspiele hat er in zweieinhalb Jahren bis zu seinem Wechsel nach Stuttgart für Hertha bestritten, dabei vier Tore geschossen. Eine feste Größe, Stammspieler ohne Wenn und Aber, ist er nie gewesen. Essweins Glück war, dass Pal Dardai in diesem Sommer von Ante Covic als Trainer abgelöst wurde. Unter Dardai hatte er in der Hinrunde der Vorsaison kein einziges Mal spielen dürfen, nur einmal stand er im Kader.

Wechsel zu Dynamo Dresden schließt Esswein aus

Für Ante Covic hat all das keine Rolle gespielt. Das ist das Schöne an einem Trainerwechsel. Auch Spieler, die lange außen vor waren, wittern plötzlich wieder ihre Chance. „Er hat viele Einzelgespräche geführt und jedem ein gutes Gefühl gegeben“, sagt Esswein über Herthas neuen Cheftrainer. Covic hat nicht das bewertet, was war. Er hat nur das bewertet, was er selbst im Training gesehen hat: Und das war bei Esswein vor allem, dass er willig und fleißig ist und um seine Chance kämpft. „Er ist total unvoreingenommen und hat nicht geguckt, was in der Vergangenheit war“, sagt Esswein über Covic. „Bei ihm haben alle bei null angefangen, jeder hat seine Chance bekommen.“

Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass Alexander Esswein mit inzwischen 29 und nach fast zwölf Jahren als Profi noch einmal richtig durchstartet. Die Konkurrenz für die Außenpositionen ist nicht ohne, zumal im Raum steht, dass Hertha noch eine weitere Verpflichtung für die Offensive plant. Aber die beiden Einwechslungen haben auch gezeigt, dass Esswein bei Covic keineswegs abgeschrieben ist. Dank seiner Schnelligkeit ist er prädestiniert für Kontersituationen und damit ein Mann für bestimmte Momente. „Ich habe gewusst, wenn ich mein Top-Niveau erreiche und mich im Training anbiete, werde ich auch irgendwann meine Chance kriegen“, sagt Esswein. „Ich hätte aber auch nicht den Kopf hängen lassen, wenn ich in den ersten beiden Spielen nicht im Kader gewesen wäre.“

Anderthalb Wochen sind es noch, bis in Deutschland die Transferperiode endet. Bis dahin wird es womöglich auch noch Spekulationen rund um Alexander Esswein geben. Zuletzt hieß es, Dynamo Dresden sei an seiner Verpflichtung interessiert, der Klub, mit dem er 2011 in die Zweite Liga aufgestiegen ist. Alexander Esswein schmunzelt, als er auf das Gerücht angesprochen wird. „Von dem Interesse weiß ich nichts“, sagt er. „Für mich ist ganz klar, dass ich hier bleibe.“

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