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Zurück in Berlin. In der vergangenen Saison feierten Jayson Granger (links) und Simone Fontecchio den Sieg gegen Baskonia noch gemeinsam im Alba-Trikot. Foto: imago images/Contrast
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Wiedersehen mit alten Bekannten Alba freut sich auf Baskonia Berlin

Alba Berlin trifft am Donnerstag in der Euroleague gleich auf vier alte Bekannte und einen Gegner, der durchaus als Vorbild taugt.

Luke Sikma schaute plötzlich ganz ernst und zog eine Augenbraue nach oben. „Die haben ein paar ehemalige Alba-Spieler?“, fragte der Kapitän von Alba Berlin, musste dann aber selbst über seinen Scherz lachen. Der 32 Jahre alte Power Forward hatte gute Laune nach dem ersten Euroleague-Sieg der Saison am Dienstagabend gegen Fenerbahce Istanbul, freute sich aber bereits auf das nächste Spiel. Denn an diesem Donnerstag (20 Uhr, Magentasport) steht in der Arena am Ostbahnhof eine Art Klassentreffen an.

Bei Gegner Baskonia aus der 250 000-Einwohner-Stadt Vitoria (so der Name auf Spanisch) beziehungsweise Gasteiz (auf Baskisch) spielen mit dem Litauer Rokas Giedraitis, dem Kameruner Landry Nnoko, Simone Fontecchio aus Italien und dem uruguayischen Point Guard Jayson Granger gleich vier frühere Berliner. Am Dienstag standen sie beim Sieg gegen Panathinaikos Athen sogar alle in der Starting Five. Allein in der Euroleague haben sie 110 Spiele für Alba absolviert und damit mehr als die Berliner Startformation beim Sieg gegen Fenerbahce (102).

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In der Halle machte am Dienstag bereits der Witz die Runde, am Donnerstag spiele Alba 1 gegen Alba 2. „Wir kennen sie sehr gut, aber sie kennen auch uns und unser System“, sagte Albas Guard Jonas Mattisseck. „Es wird interessant zu sehen, für wen das der größere Vorteil ist.“

Ein Freundschaftsspiel wird es jedenfalls nicht, auch wenn man sich kennt und schätzt. Dafür sind alle Beteiligten zu ambitioniert. Sikma wünscht seinen Ex-Mitspielern aber zumindest im Vorfeld der Begegnung eine herzliche Begrüßung. „Ich hoffe, sie werden den Applaus bekommen, den sie verdienen“, sagte Sikma. „Sie hatten großen Anteil an allem, was wir hier in den letzten Jahren erreicht haben.“

Rokas Giedraitis (links) überzeugte bei Alba zwei Jahre lang mit seiner Wurfstärke und Zug zum Korb. Auch bei Baskonia wurde er schnell zum Topscorer. Foto: Imago Vergrößern
Rokas Giedraitis (links) überzeugte bei Alba zwei Jahre lang mit seiner Wurfstärke und Zug zum Korb. Auch bei Baskonia wurde er schnell zum Topscorer. © Imago

Giedraitis hat zwischen 2018 und 2020 zwei Jahre bei Alba verbracht, Nnoko nur einige Monate weniger. Fontecchio und Granger standen nur in der vergangenen Spielzeit in Berlin unter Vertrag. Alle gewannen mit Alba die Meisterschaft, Nnoko und Giedraitis in einem der letzten Spiele vor vollem Haus vor dem Beginn der Pandemie zusätzlich den Pokal. So etwas schweißt zusammen und viele der Spieler stehen virtuell noch regelmäßig in Kontakt.

Für ein ausgedehntes analoges Wiedersehen wird aufgrund des engen Programms allerdings keine Zeit sein. Baskonia reiste erst am Mittwochmittag nach Berlin, da stehen Regeneration, Besprechungen und Training natürlich im Vordergrund. „Es ist eine Woche mit Spielen am Dienstag und Donnerstag, da hatten wir noch keine Zeit, um miteinander zu sprechen“, sagte Sikma. „Ich freue mich aber sehr, die Jungs zu sehen.“

Angesichts der baskischen Transferstrategie der letzten zwei Sommer könnte man meinen, Marco Baldi wäre nicht so gut auf den kommenden Gegner zu sprechen, doch bei Albas Manager ist vor allem großer Respekt herauszuhören. „Das ist kein Klub, bei dem Geld egal ist“, sagte Baldi. „Die müssen sich alles zusammenbasteln und sind Jahr für Jahr ein Kandidat für die Play-offs.“

Landry Nnoko wechselte 2020 von Alba nach Belgrad und im vergangenen Sommer weiter ins Baskenland. Foto: Imago Vergrößern
Landry Nnoko wechselte 2020 von Alba nach Belgrad und im vergangenen Sommer weiter ins Baskenland. © Imago

Damit verortet er die Basken irgendwo zwischen Neuling Alba, der erst seine dritte Euroleague-Saison spielt und noch keine dauerhafte Teilnahmelizenz hat, und den durch Mäzene, den Staat oder Fußballabteilungen finanzierten Topteams aus Barcelona, Madrid, Moskau oder Istanbul. „Baskonia ist in der Lage, die Spieler zu holen, die wir nicht halten können“, sagte Baldi. Wie eben Granger, Fontecchio, Giedraitis und Nnoko.

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Das schlägt sich auch in der eigenen Zielsetzung nieder. Während die Play-offs der Euroleague für Alba auf absehbare Zeit unerreichbar sein werden, gab sich Baskonia nach dem Sieg gegen Panathinaikos sehr ambitioniert. „Wir hatten Probleme in den ersten Spielen, aber dieser Sieg ist ein Statement, dass Baskonia oben dabei sein will“, sagte Granger. Sein Trainer Dusko Ivanovic beseitigte mögliche Zweifel, was sein Team unter „oben“ versteht: „Das ist der erste Sieg auf unserem Weg Richtung Play-offs und Final Four.“ Dieses findet in der aktuellen Saison passenderweise in Berlin statt.

Dass Baskonia verbal deutlich offensiver auftritt, hat nicht nur mit dem größeren Budget, sondern auch mit der Historie zu tun. Die Basken sind einer von nur vier Vereinen – die anderen sind der FC Barcelona, Zalgiris Kaunas und Olympiakos Piräus – die seit der Abspaltung vom Weltverband Fiba im Jahr 2000 in allen 22 Spielzeiten in der Euroleague angetreten sind. In der vergangenen Saison verpassten sie die Play-offs sehr knapp. Daran hatte Alba einen durchaus wesentlichen Anteil. Denn zwei ihrer zwölf Euroleague-Siege holten die Berliner gegen Baskonia.

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