Pal Dardai und Ante Covic (Archivbild 2016) Foto: imago images/Matthias Koch
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Wer wird neuer Trainer bei Hertha BSC? Für alle Fälle Ante Covic

Und noch ein Name: Jetzt soll Ante Covic Nachfolger von Pal Dardai bei Hertha BSC werden. Der Coach der U 23 ist zumindest eine realistische Notfalloption.

Ante Covic hat gegenüber Pal Dardai einen klaren Vorzug: Bei Twitter ist er deutlich aktiver. Dardai hat am 16. März zuletzt getwittert, es war sein dritter Tweet in diesem Jahr. Covic, der U-23-Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, kommt immerhin schon auf 13 Beiträge. Für einen Verein, dem die Digitalisierung so wichtig ist wie Hertha BSC, ist das ein nicht unwichtiges Kriterium – wenn auch ganz sicher nicht das entscheidende, wenn es um die Besetzung des Cheftrainerpostens und die Nachfolge von Pal Dardai geht. Dass Ante Covic, 43, jetzt von der „BZ“ auf ihrer Titelseite als erster Anwärter für den Job genannt wird, liegt daher sicher nicht an seinem Twitteraccount.

Seitdem Hertha vor etwas mehr als drei Wochen verkündet hat, dass die Zusammenarbeit mit Dardai nach der Saison nach viereinhalb Jahren enden wird, sprießen die Gerüchte. Etliche Namen wurden bereits genannt, vermutlich werden noch etliche folgen, bis Michael Preetz seine Entscheidung verkündet. Herthas Manager hat sich bei der öffentlichen Kommentierung der Suche merklich zurückgehalten, weder Fristen genannt, noch ein detailliertes Anforderungsprofil entworfen. Nur so viel: Der neue Trainer müsse zu Herthas DNA passen – also Spaß daran haben, mit jungen Spielern zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln. Auf Ante Covic trifft das ganz sicher zu.

Der U-23-Trainer ist daher zumindest mehr als nur ein weiterer Name, der in die öffentliche Diskussion geworfen wird. Covic wird im Verein als durchaus ernst gemeinte Rückfalloption gesehen, wenn alle anderen Optionen scheitern. Er ist gewissermaßen das Sprungtuch für Preetz. An erster Stelle der Kandidatenliste steht Covic aber wohl nicht. Preetz hat derzeit noch andere Trainer im Blick – doch wer weiß schon, ob sich seine Vorstellungen verwirklichen lassen? Die Konkurrenz auf dem Trainermarkt ist groß: Auch Schalke, Stuttgart und der Aufsteiger Köln suchen neue Trainer. Und alle suchen den gleichen Typus. Dass Preetz auf den Worst Case vorbereitet ist, ist eigentlich selbstverständlich.

Sollte es tatsächlich Covic werden, müsste er erst einmal mit dem Makel leben, nur eine Notlösung zu sein. Aber dem stünde entgegen, dass er das erfüllt, was Preetz von dem neuen Trainer erwartet: In der U 23 hat Covic nachgewiesen, dass er junge Leuten voranbringen und auch eine Mannschaft entwickeln kann. Mit Dardai hat er eng zusammengearbeitet, gerade was die Entwicklung junger Spieler anging. Covic hat die Rolle des Karrierecoaches ausgeübt, der Spieler aus dem Nachwuchs an die Profis heranführen soll. Und das zu allgemeiner Zufriedenheit.

Das gilt auch für seine Arbeit mit der U 23. Als Covic die Mannschaft im November 2013 übernahm, lag sie in der Regionalliga Nordost auf dem letzten Tabellenplatz, trotzdem schaffte er den Klassenerhalt. In den vergangenen Spielzeiten ging es leicht, aber stetig nach oben. Nach den Plätzen zehn, neun und acht ist die Mannschaft aktuell nicht nur Vierter, sie überzeugt auch mit offensivem Fußball.

Covic war Co-Trainer unter Otto Rehhagel

Wie Dardai hat auch der ein halbes Jahr jüngere Covic seine Trainerkarriere in Herthas U 15 begonnen. 2012 wechselte er schon einmal zu den Profis, als er das Bundesligateam zusammen mit seinem früheren Teamkollegen René Tretschok interimistisch für ein Spiel betreuen durfte. Für mehr fehlte ihm die nötige Lizenz, und als Assistent unter dem dominanten Chef Otto Rehhagel konnte Covic anschließend nur wenig Einfluss auf die Arbeit mit der Mannschaft nehmen. Der Abstieg ist ihm (und Tretschok) daher am wenigsten anzulasten.

Auf den ersten Blick käme Ante Covic wie eine kleine Lösung daher, die viele auf Anhieb nur schwer verstehen könnten: Dardai entlassen, um am Ende den U-23-Trainer zu nehmen? Aber zum einen genießt Covic unter Herthas Fans noch aus seiner Zeit als Spieler – immerhin elf Jahre für die Profis und die U 23 – einen guten Ruf, zum anderen ist der gebürtige Berliner ein offener Typ, der Menschen für sich einnehmen kann. Nach einem Menschenfänger wie Pal Dardai ist das mit Sicherheit nicht die schlechteste Voraussetzung.

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