Eiskaltes Ende. Die Saison in der DEL ist mehr oder weniger umsonst gespielt worden. Foto: dpa
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Wegen Coronavirus kein Meister Deutsche Eishockey-Liga sagt Play-offs ab

In der DEL werden in dieser Saison wegen des Coronavirus keine Play-offs gespielt. Es gibt keinen Meister, was bitter ist – auch für die Eisbären Berlin.

Am Sonntag bestritt RB München sein letztes Saisonspiel. Der Tabellenführer beendete es mit einem 4:1-Auswärtssieg in Krefeld. Der Jubel hielt sich in Grenzen beim Sieger, denn eigentlich sollten wie seit 1981 immer im deutschen Eishockey anschließend die Play-offs folgen – und möglicherweise der vierte Titel für Trainer Don Jackson mit den Bayern in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) feiern konnte. Doch die Endrunde wird es im Jahr 2020 nicht geben, am Dienstagnachmittag entschied die DEL, die Play-offs in dieser Saison auszusetzen – wegen der Coronakrise.

Als Meister darf sich München allerdings nicht feiern lassen – die DEL entschied, nicht etwa die Hauptrundentabelle als Ergebnis zugrunde zu legen, sondern lieber gar keinen Meister zu küren.

Die Eisbären Berlin hätten sich als Vierter der Hauptrunde gute Chancen auf den Titel ausgerechnet

Es hatte sich schon seit ein paar Tagen angedeutet und dann am Dienstag manifestiert, dass Großveranstaltungen auch im Eishockey vorerst nicht möglich sind: Der bayrische Landtag hatte beschlossen, Ereignisse mit über 1000 Zuschauern zunächst bis Karfreitag auszusetzen. Am Mittwoch sollte in der DEL die Qualifikationsrunde, sollten die sogenannten Pre-Play-offs beginnen – aus Bayern waren mit Augsburg, Ingolstadt und Nürnberg gleich drei Teams beteiligt. Auch in Nordrhein-Westfalen kam ein entsprechender Erlass am Dienstagnachmittag, der „rechtlich bindend“ sei, wie es hieß.

„Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Klubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid“, sagte Geschäftsführer Gernot Tripcke und ergänzte: „Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus.“

Die Absage ist hart für den Eishockeyfan, seit September hat alles auf den Saisonhöhepunkt hingefiebert, die Endrunde ist Jahr für Jahr die Hochzeit der DEL. Die Spielzeit 2019/20 wird nun eine Saison ohne richtigen Abschluss und das wird sie auf ewig bleiben. Nachholen lässt sich die ausgefallene Endrunde nicht, dazu ist der Terminplan zu eng.

Im März und April geht es sonst immer zur Sache, nun aber können die zehn qualifizierten Mannschaften ihre Spieler in den Urlaub schicken. Das betrifft neben München auch Meister Mannheim und natürlich die Eisbären aus Berlin, die sich als Tabellenvierter in diesem Jahr schon vor ihrer Viertelfinalserie gegen die Düsseldorfer EG gute Chancen auf den Titel ausgerechnet hatten. Am 17. März hätten sie in der Arena am Ostbahnhof ihr erstes Play-offs-Spiel gegen die DEG gehabt.

„Wenn die Behörden das sagen, müssen wir das akzeptieren. Dafür sind sie Experten. Wir hätten nicht akzeptiert, wenn sie uns gesagt hätten, wie wir Überzahl spielen müssen“, sagte Berlins Geschäftsführer Peter John Lee dem Tagesspiegel und sprach von einer „gesamtgesellschaftlichen Verantwortung“.

Wirtschaftlich trifft der Ausfall die Klubs allerdings weniger als andere Ligen, die nun wohl ohne Zuschauer auskommen müssen wie der Handball oder die dritte Fußballliga. Die Einnahmen aus den Play-offs sind in den Budgets nicht einkalkuliert, vielmehr hätte es sehr viel gekostet angesichts der Hallenmieten und Reisekosten, die Saison ohne Zuschauer zu Ende zu spielen – ein Szenario, das ja nun im deutschen Profifußball droht. Für die Großarenen, wie zum Beispiel die am Berliner Ostbahnhof ist das natürlich ein Problem, wobei es auch da Versicherungen gibt.

Auch die Eishockey-WM im Mai in der Schweiz wird wohl nicht stattfinden

Da es in der DEL aktuell keinen Auf- und Abstieg gibt, spielen Bedenken zum Thema Planungssicherheit anders als im Fußball keine Rolle. Zudem hatten nach der Hauptrunde alle Teams 52 Spiele absolviert und dabei jeweils viermal gegeneinander gespielt. Von einer verzerrten Tabelle kann deshalb auch nicht die Rede sein.

Die Frage ist nun, wie es mit dem internationalen Eishockey weitergeht. In der Schweiz und seit Dienstag auch in Tschechien ruht der Spielbetrieb bereits, es ist davon auszugehen, dass auch die für Mai in der Schweiz geplante Weltmeisterschaft wegen des Coronavirus abgesagt wird.

Der einzige Trost für München: Irgendwann wird der Hauptrundensieg vielleicht mit Fußnote einfach mitgezählt in den Analen. Die Eisbären sind nun als Tabellenvierter automatisch für die Champions League qualifiziert. Doch darüber dürfte sich die Freude in Berlin in engen Grenzen halten.

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