Was soll das? Unions Keeper Rafal Gikiewicz im Dialog mit seinen Vorderleuten, die nach einer Stunde zu schwammen begannen. Foto:

Viertelfinale im DFB-Pokal Der 1. FC Union unterliegt 1:3 bei Bayer Leverkusen

Der 1. FC Union verliert im Pokalviertelfinale in Leverkusen erst einen Spieler und dann das Spiel 1:3. Damit verpassen die Köpenicker eine historische Chance.

Wenn ein komplettes Stadion in eisernes Schweigen verfällt, ist das selten ein gutes Zeichen. So war das auch am Mittwochabend gegen 18.45 Uhr, als Leverkusener und Berliner Fans ihre Gesänge einstellten. Während des DFB-Pokal-Viertelfinales, das Bayer 04 3:1 (0:1) gegen den 1. FC Union gewann, musste eine Person auf der Tribüne notärztlich versorgt werden. Die Trommeln schwiegen, Fahnen wehten nicht mehr. Stille.

Eine bleierne Schwere lag über dem Stadion, nur die eindringlichen Rufe der Trainer und Spieler hallten noch über den Platz, ungewohnt klar und laut. 27 Minuten ging das so, von vereinzeltem Szenenapplaus abgesehen. Dann, kurz vor der Pause, kam die Entwarnung. Rettungssanitäter und Notarzt hatten ihren Job erledigt und den betroffenen Fan nach Vereinsangaben von Bayer 04 in stabilem Zustand ins Krankenhaus transportiert.

Das Spiel passte lange zur Stille im Stadion. Nach dem ersten frühen Abschluss durch Anthony Ujah, der Leverkusens Torwart Lukas Hradecky den Ball flach in die Arme schoss, fehlten insbesondere der Bayer-Elf die Ideen. Gegen eine Berliner Mannschaft, die Unions Trainer Urs Fischer auf fünf Positionen verändert hatte, kreierte die Heimelf im ersten Abschnitt nicht eine zwingende Torchance.

Fischer veränderte seine Startelf auf fünf Positionen

Bei den Unionern waren Julian Ryerson, Michael Parensen, Grischa Prömel, Marcus Ingvartsen und Anthony Ujah in die Startelf gerückt. Unter anderem Kapitän Christopher Trimmel, der in der Liga bereits acht Tore vorbereitete, und Stürmer Sebastian Andersson (zehn Saisontore) setzte Fischer nur auf die Bank.

Doch auch ohne die beiden Spitzenkräfte gingen die Gäste vor 18.453 Zuschauern in Führung. Bülter nutzte seinen Freiraum auf der rechten Seite und flankte präzise auf Ingvartsen, der in die Stille hinein das 1:0 per Kopf besorgte. Ein kurzer, intensiver Torschrei hallte nach 39 Minuten durchs Stadion, die Union-Fans applaudierten noch knapp – bevor auch sie wieder in Schweigen verfielen. Es war gespenstisch – allerdings nur noch wenige Minuten lang.

Warmer Applaus schallte für die Rettungskräfte durch die zunehmend kalte Luft im Stadion, als diese ohne Patient wieder abzogen. Die Union-Fans entrollten ihre rot-weißen Fahnen und zogen schnell wieder ein – Pause. Zeit zum Durchatmen. „Diese ersten 45 Minuten haben wieder gezeigt, dass es Wichtigeres gibt als Fußball“, sagte der Leverkusener Stadionsprecher und dankte auch den Berliner Fans für ihr Schweigen.

Mit einem stimmgewaltigen „Scheiß DFB“ stimmten sich beide Fanlager auf den zweiten Durchgang ein, das gehört in dieser Pokalwoche bekanntlich zum guten Fankurven-Ton. Plakate gegen Kollektivstrafen und den DFB („schützt lieber seine Investoren“) folgten, was einer gewissen Ironie nicht entbehrte, immerhin steht hinter den Leverkusenern zu 100 Prozent die Bayer AG. Die Union-Fans zogen später nach.

Der Platzverweis gegen Lenz veränderte alles

Auf dem Platz erwischten die Leverkusener den besseren Auftakt in die zweiten 45 Minuten. Sven Bender aber schoss den Ball genau in die fangbereiten Arme von Unions Torwart Rafal Gikiewicz, den eingewechselten Moussa Diaby kochte Parensen in höchster Not erstaunlich souverän ab. Die Berliner bauten unterdessen weiter an ihrer stabilen Fünferkette, vor der Robert Andrich und Prömel die Lücken im zentralen Mittelfeld stopften. Fischers Plan, mit frischen, einsatzfreudigen Kräften die Leverkusener nahm Formen an – bis Christopher Lenz binnen zehn Minuten für je eine Grätschen an Diaby und Charles Aranguiz zweimal Gelb sah. 70 Minuten waren gespielt, und kaum als Lenz mit hängenden Schultern vom Platz geschlichen war, fiel über seine linke Seite auch schon der Ausgleich. Der kurz zuvor eingewechselte Karim Bellarabi traf flach ins Eck zum 1:1.

Seine dezimierte Elf wollte Fischer stabilisieren, indem er Kapitän Trimmel für Bülter auf den Rasen schickte, doch den Leverkusener Druck minderte dies nicht, im Gegenteil. Bayer drehte mächtig auf, vergab durch Kerem Demirbay, Bellarabi, Bender, Weiser und Diaby aber teils hochklassige Möglichkeiten.

Union schwamm – und ging schließlich unter. Ausgerechnet nach einer Ecke, getreten von Demirbay, köpfte Aranguiz in der 86. Minute zum 2:1 ein. Havertz lupfte in der Nachspielzeit den Ball noch über statt ins Tor, ehe Diaby nach einem Konter den 3:1-Endstand besorgte. Es war das Ende eines Spiels, in dem glücklicherweise dann doch noch der Sport in den Vordergrund rückte.

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