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Burak Yilmaz ist ein Stoßstürmer alter Schule. Foto: Bektas/Reuters
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Türkischer Hoffnungsträger für das Eröffnungsspiel Stürmer Burak Yilmaz weiß, wie man Titel gewinnt

Luca Füllgraf

Burak Yilmaz ist mit Lille Französischer Meister geworden. Als Kapitän soll er nun die türkische Nationalmannschaft bei der EM anführen.

Burak Yilmaz ruft: „Keine Sorge“. Und klopft sich auf die Brust. „Nächste Woche werden wir Meister.“ Dabei droht seine Mannschaft gerade, die Meisterschaft zu verspielen. Mit erhobenem Zeigefinger läuft er durch die Katakomben Richtung Kabine: „Egal gegen wen, ihr werdet sehen.“

Ansonsten klappern nur die Eisenstollen auf dem roten Boden des Spielertunnels. Yilmaz' Mitspieler lassen die Köpfe hängen. Seit dem Sieg im direkten Duell gegen Paris St.-Germain am 31. Spieltag steht Lille ununterbrochen an der Spitze der Ligue 1. Weil Lille am vorletzten Spieltag aber nicht gewinnt, könnte die Millionentruppe aus Paris am Ende doch wieder der lachende Sieger sein.

Sieben Tage später bejubelt Yilmaz in eine türkische Flagge gehüllt die französische Meisterschaft. Der Stürmer hält sein Wort. Der Meister in Frankreich heißt zum ersten Mal seit 2017 nicht PSG, sondern LOSC. Nicht Neymar oder Mbappe schießt seine Mannschaft zur Meisterschaft, sondern Burak Yilmaz, der auch im entscheidenden letzten Spiel gegen Angers vom Punkt kalt bleibt.

Ein Stoßstürmer alter Schule, mit kahlem Kopf und breiter Brust. Mit 35 Jahren ist es seine erste Saison in einer der großen Ligen und prompt führt er seine Mannschaft mit 16 Toren zur Meisterschaft. Nicht schlecht für jemanden, der ablösefrei kam und gar nicht unbedingt als Stammspieler eingeplant war.

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In seiner Heimat hatte Yilmaz zuvor alles gesehen und erreicht, wurde Meister, Pokalsieger und Torschützenkönig. Er spielte für alle drei großen Istanbuler Klubs Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray, sowie für Trabzonspor. Eigentlich ein Unding. Im Februar 2016 dann der Wechsel ins Ausland, allerdings nicht in eine der Ligen Europas, sondern nach China. Mit 30 Jahren wechselt Yilmaz dorthin, wo viele Karrieren enden, kehrt aber nach nur einem Jahr wieder in die türkische Heimat zurück, weil ihm dort drohte, das Sorgerecht für sein Kind zu verlieren.

Erst 2020 folgt dann der Wechsel nach Frankreich und Yilmaz erfolgreichste Zeit. Auch in der Nationalmannschaft läuft es inzwischen gut. Im März traf er gegen die Niederlande gleich dreifach. Bei der EM führt der 35-Jährige die jüngste Mannschaft des Turniers am Freitag im Auftaktspiel gegen Italien als unangefochtener Kapitän aufs Feld.

Gleich drei Spieler kommen aus Lille - so viele wie von keinem anderen Klub

„Burak lernt immer noch täglich dazu. Er ist ein Vorbild für jeden jungen Spieler“, sagt Nationaltrainer Senol Günes, unter dem Yilmaz vor gut zehn Jahren bei Trabzonspor der Durchbruch gelang. „Für uns hängt sehr viel vom Eröffnungsspiel gegen Italien ab“, sagt Günes. Die Italiener seien für ihn nicht nur Favorit auf den Sieg in Gruppe A, sondern auch Kandidat für den großen Wurf.

In Günes erster Amtszeit wurde die Türkei bei der WM 2002 überraschend Dritter, der größte fußballerische Erfolg des Landes. Yilmaz wartet hingegen noch auf Erfolge im Nationaltrikot – aber bis vor einem Monat war er auch noch nie französischer Meister.

Außerdem ist er nicht der einzige Spieler, der mit Selbstvertrauen aus Lille ins Trainingslager im ostwestfälischen Marienfelde reiste. Auch Yusuf Yazici und Zeki Celik waren Stammspieler bei LOSC, kein anderer Klub stellt mehr Spieler im EM-Kader der Türkei.

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