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Da ist das Ding. Alexandra Popp (links) und Sandra Starke feiern den Titelgewinn mit dem VfL Wolfsburg. Foto: Christian Modla/dpa
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Siebter Titel für den VfL Wolfsburg Die Meisterinnen des Neuanfangs

Charlotte Bruch

Seit 2018 haben zahlreiche Topspielerinnen den Verein verlassen. Dass es trotz des Umbruchs zum Titel reicht, überrascht selbst die Wolfsburgerinnen.

Es war eine Machtdemonstration im Spiel gegen den Absteiger aus Jena. Ein einfacher Sieg hätte dem VfL Wolfsburg gereicht, um bereits am vorletzten Spieltag der Bundesliga die siebte Meisterschaft nach einjähriger Abstinenz klarzumachen. Doch das Team von Tommy Stroot wollte wohl auf Nummer sicher gehen und dem Meister der letzten Saison, FC Bayern München, keinen Anlass für Hoffnungen mehr geben.

Mit einem beeindruckenden 10:1-Auswärtssieg beim FC Carl Zeiss Jena sicherten sich die Wolfsburgerinnen den siebten Titel in neun Jahren. Am Sonntag durften zur Feier des Tages dann so gut wie alle mal ran, neun Spielerinnen trafen. Es war sinnbildlich für diese Saison: Im Kader des Rekordmeisters herrscht eine unglaubliche Ausgeglichenheit und Qualität, die man im Sommer noch nicht unbedingt erwartet hatte angesichts des personellen Umbruchs.

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Mehr als die Hälfte der Mannschaft hat noch nicht diesen deutschen Meistertitel errungen“, sagte der Sportliche Leiter Ralf Kellermann, unterbrochen von einer Bierdusche. „Von daher ist es was ganz Besonderes. Ein komplett neues Trainerteam, keiner hat uns so wirklich auf dem Zettel gehabt vor der Saison und wenn man dann diese Entwicklung sieht, wie das Woche für Woche immer stabiler wurde, ist es ein wirklich ganz besonderer Titel.“

Interviews am Sonntag waren gar nicht so einfach, da so ziemlich jede Person am Mikrofon umgehend mit einer Sekt- oder Bierdusche bedacht wurde. Es wurde ausgiebig gefeiert in Jena und auch Trainer Stroot bescheinigte seinem Team eine außergewöhnliche Leistung in dieser Saison: „Sensationell. Wir haben hart dafür gearbeitet und auch die Art und Weise heute gefällt mir dann nochmal richtig“, sagte er. Der 33 Jahre alte Niederländer wurde im Sommer vom FC Twente Enschede als smarter und akribischer Vordenker nach Niedersachsen geholt, als Nachfolger von Stephan Lerch. Stroot hatte sicherlich auch bei anderen europäischen Spitzenteams Begehrungen geweckt, entschied sich am Ende aber doch für die spannende Aufgabe in Wolfsburg und schaffte mit einer Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen einen schnellen Neuaufbau, der seinesgleichen sucht.

Seit 2018 gingen zahlreiche Leistungsträgerinnen

Dieser große Umbruch fing allerdings nicht erst im Sommer an, sondern bereits drei Jahre davor. Seit 2018 verließen nach und nach Stammspielerinnen den Verein oder beendeten ihre Karriere: Tessa Wullaert, Nilla Fischer, Babett Peter, Sara Björk Gunnarsdóttir, Pernille Harder, um nur ein paar prominente VfL-Abgänge seit 2018 zu nennen, bevor nach dem Ende der vergangenen Serie Ingrid Syrstad Engen und Fridolina Rolfö in Barcelona eine neue Herausforderung suchten. Zudem beendeten die langjährigen und verdienten Spielerinnen Lena Goeßling, Zsanett Jakabfi sowie Lara Dickenmann ihre Karrieren.

Sieben Abgängen und zwei weiteren in der Winterpause standen acht Zugänge im Sommer gegenüber, der Umbruch fand seinen Höhepunkt. Deshalb verzichteten die VfL-Verantwortlichen vor der Saison darauf, eine offizielle Zielsetzung zu formulieren, um keinen Druck, vor allem auf die neuen Spielerinnen auszuüben. Trotzdem dürften sich die Zugänge letztendlich gerade deswegen für einen Wechsel zum Rekordmeister entschieden haben, da sie in Wolfsburg Titel gewinnen wollten und das haben sie nun geschafft.

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Dabei haben sie das, was sie von erfahrenen Spielerinnen wie Almuth Schult, Alexandra Popp oder Svenja Huth vorgelebt bekamen, perfekt adaptiert. Immer hungrig bleiben – ist das Wolfsburger Motto. „Es ist wundervoll zu sehen, was entstanden ist“, sagte Torhüterin Schult, die in die USA zum Angel City FC wechselt. Mit ihrer Nachfolgerin Merle Frohms (Frankfurt), die Nummer eins in der DFB-Auswahl, sowie der großen deutschen Zukunftshoffnung Jule Brand von der TSG Hoffenheim stehen die nächsten namhaften Transfers für die kommende Spielzeit bereits fest.

Aber mit dem Meistertitel haben die aktuellen Wolfsburger Spielerinnen noch nicht genug erreicht in dieser Spielzeit, denn es gibt noch eine weitere Chance, einen Titel zu gewinnen. Ende Mai könnte im Pokalfinale in Köln gegen Turbine Potsdam das Double perfekt und aus einer starken Saison eine außergewöhnliche gemacht werden.

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