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Leuchtendes Union-Rot. Der 1. FC Union möchte im Olympiastadion am Donnerstag ein eisernes Volksfest gegen Kuopio PS begehen. Nach dem 4:0 in Finnland dürfte der Einzug in die Gruppenphase der Conference League feststehen. Der blau-weißen Hertha wird das nicht besonders gefallen. Foto: imago images/Matthias Koch
© imago images/Matthias Koch

Rückspiel um den Einzug in die Conference-League-Gruppenphase Union nimmt das Olympiastadion ein

Der 1. FC Union nimmt einige Mühen in Kauf, um es sich im Stadion des Stadtrivalen gemütlich zu machen.

Der Blick vom Coubertinplatz ist ungewohnt. Zwar sind die Stromkästen am Rande des Parkplatzes immer noch blau-weiß, doch ansonsten hat sich einiges getan. „Die Fahnen habe ich schon von Weitem gesehen und das sieht nicht so schlecht aus“, sagt Marvin Friedrich.

Der Abwehrspieler des 1. FC Union sitzt im Pressekonferenzraum des Berliner Olympiastadions vor einer roten Sponsorenwand und spricht über ein schwieriges Unterfangen: Ein Heimspiel fernab der sportlichen Heimat, in einem Stadion, das man bisher nur als Gegner kennt.

„Es ist mit Sicherheit etwas ungewohnt hier im Olympiastadion, aber wenn unsere Fans da sein werden, wird es schön sein“, sagt Friedrich, der mit seinem Team nach dem 4:0 in Helsinki vor einer Woche am Donnerstag (20.15 Uhr, RTL Nitro) als klarer Favorit ins Rückspiel gegen Kuopion Palloseura um den Einzug in die Gruppenphase der Conference League geht.

Ganz glücklich sind sie mit dem Umzug vom äußersten Osten der Stadt in den tiefsten Westen trotzdem nicht beim 1. FC Union. Rund 23 Kilometer Luftlinie liegen zwischen den beiden Stadien, die emotionale Distanz ist noch größer. Aber wenn man an der Situation schon nichts ändern kann – das Stadion An der Alten Försterei erfüllt aufgrund der geringen Anzahl an Sitzplätzen nicht die Uefa-Richtlinien – warum soll man es sich dann nicht schön machen?

Das Olympiastadion erstrahlt jetzt in rot

Im Vorfeld des Spiels hat Union einige Anstrengungen unternommen, um sich im Ausweichstadion einzurichten. Ein wichtiger Teil der Arbeiten betrifft die Farbgebung, das Blau des Hauptmieters wurde so weit wie möglich eliminiert. „Schauplatz für die Rückkehr der Eisernen auf die internationale Fußball-Bühne in Berlin ist das städtische Olympiastadion, und natürlich wird das leuchtende Union-Rot dort die dominierende Farbe sein“, heißt es dazu auf der Homepage.

Schon am Dienstag waren Mitarbeiter von Union mit den Umdekorierungsarbeiten beschäftigt, als eine der ersten Maßnahmen wurden die rot-weißen Fahnen mit dem Vereinslogo gehisst. Auch der Spielertunnel sieht bereits deutlich anders aus und im Stadioneingangsbereich steht ein mobiler Fanshop mit allerlei Union-Merchandise.

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Doch das ist noch lange nicht alles. Die größte Veränderung betrifft die charakteristisch blaue Tartanbahn, auf der Usain Bolt einst seine Weltrekorde gelaufen ist. Auf der Haupttribünenseite ist sie mit grünem Kunstrasen bedeckt, in den Kurven mit rotem Stoff. Am Mittwoch waren nur noch kleine blaue Abschnitte zu sehen. Von außen wird das Stadion außerdem rot beleuchtet und alle Zuschauer bekommen Mottoshirts. „Unser Europapokalstadion soll auch nach uns aussehen“, sagt Unions Sprecher Christian Arbeit.

Bei einigen Fans des Stadtrivalen riefen diese großen Anstrengungen Kritik hervor. Um bloß keine Hinweise auf Hertha zu hinterlassen, gebe Union mehr Geld aus, als der Verein durch das Spiel einnehme, vermuteten Anhänger der Blau-Weißen bei Twitter.

Hertha-Coach Dardai sorgt sich um den Rasen

Herthas Trainer Pal Dardai sieht den Besuch aus Köpenick hingegen ganz locker. Es sei zwar schon ein komisches Gefühl, sagte der Ungar am Dienstag in einer Medienrunden, doch er drücke Union die Daumen. „Die sollen erfolgreich sein und von mir aus bis ins Finale das Olympiastadion nutzen. Aber den Rasen bitte nicht kaputt machen.“ Sein Kollege aus Köpenick wollte das nicht versprechen. Seine Mannschaft werde den Platz ordentlich bearbeiten, kündigte Urs Fischer an.

Einen kleinen Erfolg kann Union bereits vor dem Spiel vermelden. Obwohl aus Pandemiegründen nur etwa ein Drittel der maximalen Zuschauerkapazität verfügbar ist, werden mehr Fans im Stadion sein als beim letzten Europapokalspiel im Olympiastadion – am Mittwoch waren etwas mehr als 20 000 der 25 000 Tickets verkauft.

Anfang Dezember 2017 traf Hertha BSC in der Europa League am letzten Spieltag der Gruppenphase auf Östersunds FK und die bereits ausgeschiedenen Berliner boten vor der trostlosen Kulisse von 15 686 Zuschauern einen ebenso trostlosen Kick.

Zumindest stimmungstechnisch sollte am Donnerstag deutlich mehr geboten werden. Nach 20 Jahren Europapokalabstinenz stellen sich die Berliner Fans auf eine große Party ein – und auch die Spieler freuen sich auf den Abend. „Wenn wir erfolgreich sind und die Gruppenphase erreichen, wird es ein schönes Fußballfest“, sagt Niko Gießelmann.

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