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Unions Präsident Dirk Zingler. Foto: dpa
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Präsident Zingler ruft zum Zusammenhalt im deutschen Fußball auf Der 1. FC Union und die Bundesliga als Vorbild in Europa

Zingler spricht über die aktuellen Probleme im Fußball und erzählt, was ein Platz im Europapokal für den Klub bedeuten würde.

Eigentlich will der 1. FC Union in diesen Tagen mit beiden Füßen auf dem Köpenicker Boden bleiben. In nur zwei Jahren könne man sich schließlich nicht in der Bundesliga etablieren, mahnte Präsident Dirk Zingler am Freitag. Trotzdem fände er es „sensationell“, wenn es Union in den letzten drei Saisonspielen tatsächlich schaffen würde, einen internationalen Platz zu erobern.

„Das wäre eine riesengroße Kirsche auf einer ganz fetten Sahnetorte, die wir in diesem Jahr sowieso schon essen“, sagte Zingler, der am Mittwoch zu einer weiteren Amtszeit als Präsident bestellt wurde, und sich bis 2025 an Union gebunden hat. 

Als Zingler vor 17 Jahren das Amt übernahm, hätte kaum einer in Köpenick vom heutigen Erfolg auch nur geträumt. Union steht aktuell auf Platz acht der Bundesliga, hat den Klassenerhalt schon eingetütet und darf an Europa denken. „Das ist eine tolle Situation. Du hast gar nichts zu verlieren, sondern nur was zu gewinnen. Das hatten wir auch nicht jedes Jahr in meiner Amtszeit“, so der 56-Jährige. 

 In den nächsten vier Jahren soll der Verein noch einen Schritt nach oben machen. In der bevorstehenden Amtszeit will Zingler, der seit seinem Amtsantritt den damaligen Krisenklub Union von der Oberliga bis in die Bundesliga geführt hat, noch weitere Großprojekte realisieren, wie etwa den Stadionausbau und das neue Nachwuchsleistungszentrum.

Die nächsten vier Jahre werden „infrastrukturelles Bauen als Schwerpunkt“ haben, sagte Zingler. Dass er als Bauunternehmer das Ganze weiterhin leiten soll, kam also nirgendwo als Überraschung an. Bei der Besetzung des Präsidiums, so Zingler, arbeite man nach dem Motto „repariere nicht, was nicht kaputt ist“. 

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Insofern ist Union in diesen Tagen eine kleine Insel der Harmonie in einer sonst zerstritten Fußballwelt. Ob beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) oder in der europäischen Diskussion um eine mögliche Super-League, es ging es in den letzten Wochen eher darum, wie man das offensichtlich Kaputte überhaupt reparieren kann oder soll.

Zingler bringt mögliche Umstrukturierung beim DFB ins Spiel

Auch bei solchen Themen war Zingler selten zurückhaltend, und nun brachte er eine mögliche Umstrukturierung der Verbandsführung in Frage. Bei Union könne er als Präsident sein eigenes Team zusammenstellen, und auf Vertrauensbasis erfolgreich arbeiten, so der Union-Chef. Beim DFB hingegen „müssen Menschen zusammenarbeiten, die gar nicht zusammenarbeiten wollen“.

Gleichzeitig rief er auch zu mehr Zusammenhalt im deutschen Fußball auf - besonders mit Hinblick auf die 50+1-Regel. „Wir müssen alle mal begreifen, dass das, was wir im deutschen Fußball haben ein Wettbewerbsvorteil ist. Dieses Bashing über den deutschen Profifußball ist teilweise unerträglich, wenn man es im Verhältnis setzt zu den anderen europäischen Ländern,“ sagte Zingler.

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Nur in Deutschland sei es etwa möglich, dass ein von den Mitgliedern geführter Verein wie Union es so weit nach oben schafft. „Wir sollten uns in Deutschland nicht gegenseitig bekämpfen. Wir sollten uns vereinen und versuchen das, was wir in Deutschland haben, nach Europa zu tragen.“

 Da hat er bei allen aktuellen Schwächen des deutschen Fußballs nicht unrecht. Denn gerade seit dem Super-League-Versuch ist das deutsche Modell tatsächlich en vogue in Europa. In England rufen gerade immer mehr Fans und Politiker dazu auf, eine Regelung wie 50+1 auch in der Premier League einzuführen, um die Macht der Großvereine zu beschneiden.

Ob man es berechtigt findet oder nicht: Die Bundesliga - und gerade auch Klubs wie der 1. FC Union - werden nun ernsthaft und auch von wichtigen Entscheidungsträgern als Modell für das ganze Kontinent gehandelt. Auch das hätte 2004 wohl kaum ein Köpenicker geglaubt.

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