Voller Einsatz. Auch im ersten Spiel der Viertelfinalserie gegen Ulm wird es für Albas Peyton Siva (rechts) zur Sache gehen. Foto: Gora/dpa
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Play-offs in der Basketball-Bundesliga Peyton Siva ist der Mann für den Knalleffekt bei Alba Berlin

Leonard Brandbeck

Alba Berlin setzt in den Play-offs auf Peyton Siva. Der Spielmacher ist fit wie lange nicht mehr.

Die Malaise begann am 5. Februar 2017. In zwei knappen Sätzen teilte Alba Berlin damals mit, dass Peyton Siva mit einer Adduktorenverletzung länger ausfallen würde. Drei Monate dauerte es, bis der Spielmacher wieder aufs Parkett konnte. Es war der Auftakt zu Sivas langer Leidensgeschichte beim Berliner Basketball-Bundesligisten, die bis heute anhält. „Ich bin hier jetzt seit drei Jahren“, sagt der 28-Jährige. „Aber durch all die Verletzungen sind es eigentlich eher eineinhalb Jahre.“

Vor der vergangenen Saison ließ sich Siva wegen seiner Probleme operieren und schlug sich noch lange mit den Folgen des Eingriffs herum. Dann setzte ihn erst eine Gehirnerschütterung und später eine Schulterprellung außer Gefecht. In dieser Saison brach sich Siva eine Rippe und setzte wegen einer zusätzlichen Lungenverletzung ab Oktober aus, ehe er ab Dezember noch einmal mit Knieproblemen ausfiel. Allein in der Liga hat Siva in seiner Zeit bei Alba 27 Spiele verpasst – fast eine ganze Hauptrunde also.

Doch vor dem Play-off-Auftakt gegen Ulm am Samstag (18 Uhr/Magentasport) in der Arena am Ostbahnhof ist Siva fit. „In den letzten Wochen hab ich noch mal mit Rückenproblemen zu tun gehabt, aber jetzt fühle ich mich viel besser“, sagt er. Seit Mitte Februar steht Siva wieder für Alba auf dem Parkett und ist seitdem in beeindruckender Form. Vor allem im Eurocup führte Siva blendend Regie, im Viertel- und Halbfinale wurde er jeweils als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet. In der Liga zählt er jeweils zu den fünf Spielern mit den meisten Assists (6,4 pro Spiel) und Steals (1,6), gerade erst wurde er in das Reserveteam der besten Spieler der Hauptrunde gewählt.

Siva gibt sich bescheiden. „Das ist ein Verdienst meiner Mitspieler und der Coaches“, sagt er. „Sie helfen mir dabei, mit Selbstvertrauen zu spielen, und geben mir die Freiheiten dafür.“ Erstaunlich schnell ist Siva nach seiner jüngsten Verletzung wieder auf Touren gekommen. Nichts hat er von seiner Explosivität und Aggressivität eingebüßt, mit der er das schnelle Alba-Spiel ankurbelt. So klingt es auch nur ein bisschen makaber, wenn Siva sagt, dass er durch seine vielen Verletzungen inzwischen ja wisse, wie er wieder schnell zu alter Form zurück gelangt. „Das Wichtigste, wenn du dich verletzt, ist zu wissen, wie man sich schinden muss, um zurückzukommen“, sagt er. „Man muss das Feuer beibehalten.“

Woher kommen die vielen Verletzungen?

Doch woher kommt die Verletzungsanfälligkeit, die Siva bereits als College- Spieler zu schaffen machte und ihm womöglich eine größere Karriere in der NBA versagte? „Das hat mit meiner Spielweise und auch mit etwas Pech zu tun“, glaubt er. Tatsächlich gehen nur wenige Spieler auf dem Parkett so schonungslos mit ihrem Körper um wie Siva. An der High-School in Seattle machte er sich auch im American Football einen Namen, und noch heute schmeißt sich Siva voll ins Getümmel. Nur 1,83 Meter misst er – für Basketballverhältnisse eine bescheidene Länge, bei der andere Spieler eigentlich versuchen, sich von den physischen Duellen in der Zone möglichst fernzuhalten. „Klar kriege ich mit meiner Größe manchmal härtere Schläge ab als andere“, sagt Siva. „Aber ich habe keine Angst, da reinzugehen und es mit den großen Jungs knallen zu lassen.“

Der Spielmacher zieht weiter aggressiv zum Korb, springt verloren geglaubten Bällen hinterher oder schmeißt seinen Körper vor Gegenspieler, um Offensivfouls zu provozieren. „Hinterher denke ich manchmal: Oh man, das hätte ich vielleicht lieber nicht machen sollen“, sagt Siva. „Aber sobald ich im Spiel bin, ist das alles wieder über den Haufen geworfen.“ Es geht einfach nicht anders, meint er: „Du kannst dich nicht davor drücken, wie das Spiel gespielt wird. Wenn ich faul bin auf dem Feld, dann schadet das nicht nur mir, sondern auch meinen Mitspielern.“

Gedankenspiele darüber, was ohne seine Verletzungen hätte sein können, ob ein Klub wie Alba Berlin einen Spieler seiner Klasse ansonsten überhaupt so lange halten könnte, interessieren ihn deshalb auch wenig. „Alles geschieht aus einem bestimmten Grund“, glaubt Siva. Im Sommer wolle er sich mit den Alba-Verantwortlichen zusammensetzen, „und hoffentlich können wir dann was austüfteln“. Der Sommer kann für Siva aber noch bis Ende Juni warten. Erst dann wäre nämlich die Play-off-Finalserie um die deutsche Meisterschaft beendet.

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