Debüt. Nico Schulz (l.) wird vor heimischem Publikum erstmals spielen. Foto: REUTERS
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Länderspiel gegen Peru Nico Schulz spielt von Beginn an

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Bundestrainer Joachim Löw baut seine Elf auf für das Spiel gegen Peru mindestens vier Positionen um. Ein Weltmeister fehlt verletzungsbedingt.

Mit einem beschwingten „Hallo“ erklomm Joachim Löwdas Pressepodium in der Sinsheimer Fußball-Arena und formulierte dann seine Erwartungen an Teil II des Neubeginns nach dem WM-Desaster. Gegen Peru soll sich am Sonntagabend (20.45 Uhr/RTL) eine deutsche Nationalelf präsentieren, die den beim 0:0 gegen Weltmeister Frankreich in der Nations League eingeschlagenen Weg auch in einem Testspiel mit geringerer Drucksituation konsequent fortführt.
„Gleiche Bereitschaft, gleicher Einsatz, gleiche Organisation, gleiche Disziplin, das sind die wichtigen Dinge“, zählte der Bundestrainer 28 Stunden vor dem Anpfiff auf. Dazu sollen die Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena den ersten Sieg bejubeln können. „Wir haben das Ziel, dass wir gewinnen“, sagte Löw am Samstag.
Auch wenn Vieles gleich aussehen soll gegen den WM-Teilnehmer aus Südamerika - die DFB-Formation wird der Bundestrainer auf mindestens vier Positionen verändern. Lokalmatador Nico Schulz darf sein Länderspieldebüt geben. „Er war vom ersten Tag an im Training sehr präsent auf dem Platz“, lobte Löw den 25 Jahre alten Hoffenheimer Probanden. „Er spielt hier in seinem Wohnzimmer, das ist Motivation genug für ihn“, äußerte der Chefcoach über den laufstarken Schulz.
Neben dem Linksverteidiger dürfte im Zentrum der Ex-Hoffenheimer Niklas Süle verteidigen, da dessen Münchner Vereinskollege Mats Hummels wegen Achillessehnenproblemen pausieren wird. Löw kündigte zudem an, dass der Leverkusener WM-Teilnehmer Julian Brandt neu ins Team rückt. Auch im Tor wird gewechselt: Marc-André ter Stegen kommt anstelle von Kapitän Manuel Neuer zum Zug. „Das war mit den Torhütern so abgesprochen“, berichtete der Bundestrainer.
Löw kündigte zudem an, dass er das Kontingent von sechs möglichen Wechseln ausschöpfen möchte. Geplant ist, dass neben Schulz auch der Leverkusener Kai Havertz und Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain) ihr Debüt im A-Team feiern. Kehrer soll rechts hinten Matthias Ginter im Verlauf der 90 Minuten ablösen. Der Münchner Joshua Kimmich ist wie schon gegen Frankreich erneut als Sechser im Mittelfeld eingeplant. „Kimmich wird erstmal eine Lösung sein für die nahe Zukunft“, sagte Löw. Nicht zur Verfügung steht Flügelstürmer Leroy Sané (22), der am Freitag Vater einer Tochter geworden ist.

Viele Wechsel

Neben defensiver Stabilität fordert der Bundestrainer auch wieder mehr Durchschlagskraft nach vorne. „Ich erwarte, dass wir schneller, konsequenter, mutiger umschalten“, sagte der Bundestrainer. Die Peruaner um den Ex-Schalker Jefferson Farfan, die am Donnerstag 1:2 in den Niederlanden verloren, erwartet er nicht „ganz, ganz offensiv“.
Marco Reus mahnte ebenfalls an, im Vergleich zum Frankreich-Spiel „zielstrebiger vor dem Tor zu werden. Wir müssen uns mehr zutrauen, auch vorne ins Risiko zu gehen“, sagte der Dortmunder. Löw betonte, dass zu den deutschen Tugenden unter seiner Regie „nicht nur Kämpfen, Einsatz und Grätschen“ gehörten, sondern auch spielerische Elemente.
„Das Spiel gegen Frankreich war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die nächsten Schritte folgen werden“, erklärte der neue Rechtsverteidiger Ginter vor dem Abschlusstraining, bei dem nur Hummels fehlte.
Dass in der Woche des Neustarts auch am Samstag in Sinsheim wieder keine Fans beim Training zuschauen durften, versuchte Löw nochmals zu rechtfertigen. Die Zeit vor dem Frankreich-Spiel sei zu kurz gewesen, zudem sollte es da keine Ablenkung geben. Und ein Abschlusstraining vor Publikum sei „nicht sinnvoll“. Er versprach aber, dass es vor den Länderspielen im Oktober und November in Berlin und Leipzig jeweils eine öffentliche Übungseinheit geben werde. Auch zur Kritik an der späten Anstoßzeit gegen Peru bezog Löw Stellung: „Wir würden uns mehr Länderspiele um 18.00 Uhr wünschen, dann könnten auch die Kinder im Stadion ihre Idole sehen.“ Er verwies aber auch auf TV-Verträge und fixe Anstoßzeiten, die wie in der Nations League die Uefa festlege.
Für Wirbel sorgte am Samstag auch ein „Spiegel“-Bericht, wonach das Länderspiel gegen Peru aus Angst vor Fan-Krawallen mit Blick auf die in Kürze anstehende Vergabe der EM 2024 von Frankfurt nach Sinsheim verlegt worden sei. Der DFB, der mit der Türkei um den EM-Zuschlag konkurriert, erklärte dazu: Die Spielvergabe nach Sinsheim sei erfolgt, um ein möglichst ausverkauftes Stadion zu gewährleisten. Dieses Ziel hat der Verband erreicht: 25 494 Zuschauer werden das Stadion von 1899 Hoffenheim gegen Peru füllen. (dpa)

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