Willi Lemke und Uli Hoeneß waren große Rivalen. Foto: dpa
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Kritische Wegbegleiter über Uli Hoeneß „Wir haben uns nicht gemocht“

Uli Hoeneß ist kaum einem Streit aus dem Weg gegangen. Frühere Rivalen wie Willi Lemke und Christoph Daum würdigen ihn nun vor seinem Bayern-Abschied.

Uli Hoeneß wollte den FC Bayern immer „durchs große Tor“ verlassen. Und diesen Wunsch erfüllt ihm sein Verein. An diesem Freitag (19 Uhr) wird Hoeneß bei der Jahreshauptversammlung in der Münchner Olympiahalle auf großer Bühne verabschiedet. Dann werden natürlich auch seine sportlichen und wirtschaftlichen Erfolge gewürdigt werden.

Doch der 67-Jährige war auch an denkwürdigen Fehden in der Fußball-Bundesliga beteiligt. Mit Christoph Daum duellierte er sich unerbittlich, den Bremer Willi Lemke konnte er nicht leiden, und die Differenzen zwischen ihm und seinem ehemaligen Freund Paul Breitner sind wohl nicht mehr auszuräumen. Nun berichten die drei, was sie mit Hoeneß verbindet und was nicht.

WILLI LEMKE
Der Bremer Manager Willi Lemke und Hoeneß gerieten regelmäßig aneinander. „Ich wurde oft gefragt, ob das Show war, fürs Geschäft oder ob wir uns tatsächlich nicht gemocht haben. Ich antwortete immer: Wir haben uns nicht gemocht“, sagte Lemke, bedankte sich bei seinem früheren Widersacher aber für dessen karitatives Engagement. „Ich habe einen demütigen Uli kennengelernt“, schrieb der 73-Jährige.

In einem offenen Brief bei „focus.de“ verriet Lemke, dass er der Richterin geschrieben habe, bevor diese Hoeneß vorzeitig aus der Haft entließ. „Ich berichtete der Richterin von den Veränderungen. Du bist als Mensch gereift, was mich sehr beeindruckt hat.“

Lemke riet Hoeneß darüber hinaus für die Zukunft: „Im Sinne Deiner Nachfolger, die in riesige Fußstapfen treten und ihren eigenen Weg finden müssen: Wenn etwas falsch läuft, sag es diplomatisch unter vier Augen. Nicht volles Rohr in der Öffentlichkeit. Sonst werden sie es sehr, sehr schwer haben.“

CHRISTOPH DAUM
„Du bist nicht als Sieger oder als Attackierer auf die Welt gekommen, doch Dein Gerechtigkeitsgefühl, Deine Fürsorge und Dein Wille haben Dich zum Lokomotivführer des Fußballs auf und außerhalb des Spielfeldes geformt“, schrieb Daum in einem Brief an Hoeneß, den das Bayern-Magazin „51“ veröffentlichte.

Christoph Daum lieferte sich mit Hoeneß zahlreiche Duelle. Foto: dpa Vergrößern
Christoph Daum lieferte sich mit Hoeneß zahlreiche Duelle. © dpa

Mit dem ehemaligen Trainer stritt sich Hoeneß regelmäßig. Legendär sind der Polter-Auftritt im ZDF-Sportstudio und der durch eine Kontroverse provozierte Drogentest, bei dem Daum Kokain-Konsum nachgewiesen wurde und der ihn den Job als Bundestrainer kostete. Jahre später trafen sich beide zu einem Gespräch, „das mir gezeigt hat, dass Du ein äußerst nachdenklicher und verzeihender Mensch bist“, schrieb der 66-Jährige. „Du warst nie artig, aber stets einzigartig.“

PAUL BREITNER

„Das Einzige, das ich zum Abschied von Uli Hoeneß sagen möchte – unabhängig von allen persönlichen Unstimmigkeiten – ist: Er ist der einzige Fußballmacher, den ich auf die Stufe mit Santiago Bernabéu stelle“, sagte der 68 Jahre alte Breitner der Münchner „tz“.

Mit Paul Breitner posierte Uli Hoeneß 1973 sogar in den Badehosen eines Münchner Herrenausstatters. Mittlerweile hat sich ihr Verhältnis abgekühlt. Foto: dpa Vergrößern
Mit Paul Breitner posierte Uli Hoeneß 1973 sogar in den Badehosen eines Münchner Herrenausstatters. Mittlerweile hat sich ihr Verhältnis abgekühlt. © dpa

„Das, was Uli Hoeneß für den FC Bayern geleistet hat, ist großartig – eben das, was auch Santiago Bernabéu für Real Madrid vollbracht hat.“ Bernabéu war von 1943 bis 1978 Präsident von Real. Nach ihm ist auch das Madrider Stadion benannt.

Breitner und Hoeneß verband früher einmal eine enge Freundschaft. Mittlerweile stehen Unstimmigkeiten zwischen ihnen. Das Verhältnis der beiden, die zusammen 1974 mit der Nationalmannschaft den WM-Titel gewannen und auch mit dem FC Bayern zahlreiche Erfolge feierten, ist seit Langem abgekühlt. (Tsp/dpa)

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