Hiergeblieben. In München spielte Felix Kroos (r.) von Beginn an, hier gegen Bayerns Kingsley Coman. Foto: Angelika Warmuth/dpa
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Konkurrenzkampf beim 1. FC Union Felix Kroos will auch in der zweiten Reihe vorangehen

Der ehemalige Kapitän würde gerne häufiger spielen, bleibt aber positiv. Seine Einsatzchancen für das nächste Bundesliga-Spiel sind deutlich gestiegen.

Am Dienstag ist es etwas leerer auf dem sonst rappelvollen Trainingsplatz des 1. FC Union. Ein paar Spieler arbeiten individuell oder setzen ihre Reha fort, Christopher Trimmel sowie Sebastian Andersson sind mit ihren Nationalmannschaften unterwegs und sogar das Trainerteam ist stark reduziert. Assistent Sebastian Bönig weilt im Zuge seiner Ausbildung zum Fußballlehrer ebenso in der Ferne wie Chefcoach Urs Fischer, der einen Trainerkurs in der Schweiz besucht.

Anarchie ist auf dem Rasen dennoch nicht zu sehen, Co-Trainer Markus Hoffmann lässt seinen Vorgesetzten nicht vermissen. „Das hat keinen großen Unterschied gemacht“, befindet Mittelfeldspieler Felix Kroos. „Es ist auch eine Charakterfrage, ob du sagst, der Chef ist nicht da, dann lassen wir mal die Zügel ein bisschen schleifen. Das war aber nicht der Fall.“

Testspiel gegen Kiel am Mittwoch

Pünktlich für das Testspiel gegen Holstein Kiel am Mittwoch (17.30 Uhr im Stadion An der Alten Försterei) wird Fischer zurück in Berlin erwartet. Gegen den Zweitligisten werden vor allem jene Spieler auf dem Platz stehen, die zuletzt eher wenig zum Einsatz kamen – und damit auch Kroos. „So ein Spiel ist vom Ergebnis sicher nicht ganz so wichtig, aber um Spielpraxis in die Beine zu bekommen“, sagt der 28-Jährige. Denn die Wettkampfbelastung sei im Training einfach nicht gleichwertig zu simulieren.

In dieser Saison kam Kroos bisher erst vier Mal zum Einsatz, beim 3:2-Sieg in Mainz wurde er am vergangenen Samstag mal wieder in der Schlussphase eingewechselt. Von einem Stammplatz, den er als Kapitän unter Jens Keller sicher hatte, ist er momentan weit entfernt. Zufrieden ist der ehemalige Kapitän mit seinen Einsatzzeiten nicht. „Natürlich will ich mehr spielen“, sagt Kroos. Dennoch wolle er auch so seinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beitragen – mit Einsatz im Training, mit seiner Mentalität und seiner Erfahrung von immerhin 69 Bundesliga-Spielen.

Einsätze von Felix Kroos in dieser Saison

  • 3. Spieltag: vs. Borussia Dortmund 3:1 - eingewechselt (80. Min.)
  • 8. Spieltag: vs. SC Freiburg 2:0 - eingewechselt (77.)
  • 9. Spieltag: vs. Bayern München 1:2 - ausgewechselt (60.)
  • 11. Spieltag: vs. Mainz 05 3:2 - eingewechselt in (76.)

„Ich bin absolut positiv und das ist das Entscheidende, um als Team erfolgreich zu sein“, sagt Kroos. Es bringe niemandem etwas, wenn er mit schlechter Laune herumlaufe. „Ich will es nicht mehr zulassen, dass der Fußball mich unglücklich macht.“ In der Vergangenheit ist ihm das nicht immer gelungen, erst mit den Jahren hat er es geschafft, die beruflichen Bedenken nicht mit nach Hause zu nehmen. „Als ich jünger war, hatte ich in Bremen eine Phase, da habe ich nur noch in der zweiten Mannschaft gespielt, mein Vertrag ist ausgelaufen und das einzige Angebot, das ich hatte, war vom FSV Frankfurt“, erinnert sich Kroos. „Das ist eine viel schwierige Situation gewesen als jetzt. Mir geht es gut.“

Felix Kroos (rechts) absolvierte für Werder Bremen 65 Bundesliga-Spiele, erlebte dort aber nicht nur gute Zeiten. Foto: Bernd Thissen/dpa Vergrößern
Felix Kroos (rechts) absolvierte für Werder Bremen 65 Bundesliga-Spiele, erlebte dort aber nicht nur gute Zeiten. © Bernd Thissen/dpa

Auch wenn er mit seinen Einsatzzeiten nicht zufrieden ist, ist er von der Entscheidung, seinen Vertrag im Sommer um ein Jahr zu verlängern, weiterhin überzeugt. Er habe dreieinhalb Jahre darauf hingearbeitet, mit Union in der Bundesliga zu spielen. „Da war von Anfang an klar, dass ich diesen Weg mitgehen will, weil mir jedes einzelne Bundesliga-Spiel für diesen Verein mehr wert ist, als wenn ich irgendwo anders 34 Spiele gemacht hätte“, sagt Kroos. Daher könne er zu „99,9 Prozent“ sagen, dass er seinen bis zum kommenden Sommer laufenden Vertrag erfüllen werde.

Kroos Chancen auf die Startelf sind gestiegen

Zumal er seine Rolle auch ohne Stammplatz als durchaus wichtig erachtet. „Ich versuche auch in der zweiten Reihe voranzugehen und die anderen mitzuziehen“, sagt Kroos. „Da sind wir erfahrenen Spieler gefragt und das ist auch ein Schlüssel, warum wir erfolgreich sind.“ Trotz der unvermeidlichen Unzufriedenheit einiger Spieler in einem 33-Mann-Kader habe sich noch niemand gegen das Team gestellt oder für Unruhe gesorgt.

Er selbst arbeite in jeder Trainingswoche so, als wenn er in der Startelf stehen würde. Die Chancen, dass dies zum zweiten Mal in dieser Saison passiert, sind aktuell sehr hoch. Denn der im zentralen Mittelfeld bisher gesetzte Robert Andrich sah in Mainz seine fünfte Gelbe Karte und fehlt somit gesperrt beim nächsten Heimspiel in anderthalb Wochen gegen Borussia Mönchengladbach. „Der Trainer weiß, was er von mir bekommt, und kann sich auf mich verlassen. Wenn ich meine Chance bekomme, will ich sie nutzen“, sagt Kroos.

Vorher steht aber noch die Länderspielpause an. Wie er die trainingsfreien Tage verbringen wird, will er nicht verraten. Nur so viel – auf die Frage, ob er denn zum Spiel der deutschen Nationalmannschaft fahre, antwortet er mit seinem trockenen, norddeutschen Humor: „Da bin ich nicht eingeladen.“

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