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In Berlin läuft in diesem Jahr am letzten September-Sonntag nicht alles rund. Foto: Andreas Gora/Imago
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Kolumne „Losgelaufen“ Kein Berlin-Marathon, aber eine Berlin-Challenge

Jeannette Hagen

Der Berlin-Marathon fällt in diesem Jahr aus, aber es gibt wenigstens ein kleines Trostpflaster. Für unsere Kolumnistin gilt das allerdings nur bedingt.

Jeannette Hagen ist freie Autorin in Berlin, Sportlehrerin und Läuferin. Hier schreibt sie im Wechsel mit Radsporttrainer Michael Wiedersich.

Der Spätsommer zeigt sich gerade noch mal von seiner besten Seite. Normalerweise ist das die Zeit, wo man als Läufer oder Läuferin plötzlich das Gefühl hat, dass alle Welt sich die Joggingschuhe angezogen hat und läuft. Viele ausgestattet, als würden sie einen Ultramarathon absolvieren.

Aber in diesem Jahr ist alles anders. Klar sieht man in den Parks und Wäldern der Stadt die fleißigen Jogger, aber doch deutlich weniger als all die Jahre zuvor im September. Ich denke, der Grund ist schlicht: Der Berlin-Marathon findet nicht statt. Also jedenfalls nicht so wie gewohnt, und sicher sparen sich deshalb viele das aufwendige Training und verschieben ihre großen Ambitionen ins nächste Jahr.

Ein kleines Trostpflaster gibt es. Die Organisatoren haben an alle angemeldeten Läuferinnen und Läufer ein Teilnehmer-Bändchen und den Aufruf, unter dem Hashtag #berlin42united zu einer 2:01:39 Challenge anzutreten, verschickt. Wenigstens ein bisschen Wettkampffeeling, wenigstens ein Hauch von Gemeinschaft. Dafür geht in den nächsten Tagen sogar eine eigens entwickelte App an den Start.

Wenigstens ein bisschen Wettkampffeeling!

Ich bin sehr gespannt, wie viele sich beteiligen und sich mit der 2018 gelaufenen Weltrekordzeit von Eliud Kipchoge messen. Ich hoffe, es sind viele, einfach auch um den Veranstaltern zu zeigen: Hey, wir sind da. Es gibt uns noch und wir freuen uns auf die nächsten Läufe! Für mich ist das auch eine Art Solidarität mit dem SCC, der so viele tolle Läufe in unserer Stadt organisiert und der momentan wie viele andere Unternehmen verschiedenster Branchen nur mit halber Kraft fahren kann.

Trotz großer Ambition werde ich selbst die Challenge nicht in der Form ausführen, wie ich sie gern ausführen würde – nämlich laufend. Mit einer immer noch schmerzenden Plantarfaszie lassen sich leider keine Rekorde brechen. Weder die eigenen noch die der anderen. Ich werde also brav walken und auf eine gute Technik statt auf die Zeit achten.

Stimmt mich das traurig? Na ja, ein bisschen schon. Wie viele andere in meinem Umfeld vermisse ich das Laufen und die Laufevents sehr. Vor allem das Kribbeln im Bauch, das sich schnell überall im Körper ausbreitet, wenn man mit anderen Läuferinnen und Läufern aus aller Welt am Start steht, den Countdown zählt und dann die ersten Schritte läuft.

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Je näher der eigentliche Termin des Berlin-Marathons rückt, desto wehmütiger denke ich an diesen Moment. Die Challenge hätte mir vielleicht ein bisschen die Melancholie vertrieben. Ich ahne jetzt schon, dass ich mich an dem Wochenende, an dem sie stattfindet, genauso fühlen werde wie früher, als ich noch Zuschauerin beim Marathon war.

Glücklich und traurig gleichermaßen. Glücklich, weil mich die Energie und die Freude der Läuferinnen und Läufer angesteckt hat, traurig, weil ich selbst nicht gelaufen bin.

Was mir neben dem Walken noch bleibt, ist all jene, die mitmachen, jetzt schon kräftig anzufeuern. Rockt #berlin42united für mich mit und im nächsten Jahr treffen wir uns alle wieder am Start und feiern gemeinsam dieses großartige Laufevent.

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