Oh weia, die Tagesform schon wieder. Hertha-Trainer Pal Dardai ist auf 180. Foto: AFP
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Kolumne Auslaufen mit Lüdecke Hertha BSC und die Sache mit der Tagesform

Frank Lüdecke
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Pal Dardai kann seine Hertha-Mannschaft unter der Woche noch so gut trainieren, am Spieltag macht eine Diva dann seine Arbeit zunichte. Eine Glosse.

Trainer Pal Dardai sagte nach dem berauschenden Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, wenn Hertha eine „gute Tagesform“ hätte, dann könnte man „jeden schlagen“. In der Tat. Das ist wirklich so. Die Probleme, die wir in dieser Saison mehrfach beobachten konnten, liegen tatsächlich nicht bei den Spielern oder der Mannschaft, dem Trainer oder dem Management. Sie liegen an dieser verdammten Tagesform. Wenn die Tagesform einen schlechten Tag hat – dann kann sie das gesamte Spiel der Mannschaft lahmlegen.

Oder teilweise sogar ganze Rückrunden! Weil sie sich dann über Wochen gehen lässt. Ohne jeden Anflug von Selbstkritik oder Zweifel. Das ist insofern besonders ärgerlich, wenn man sieht, was alles möglich ist, wenn sich die Tagesform auch mal etwas Mühe gibt. Oder sich sogar richtig anstrengt, wie im Spiel gegen die Gladbacher.

Die Tagesform in die Schranken weisen

Ich finde, wenn man den gesamten Verlauf der bisherigen Saison Revue passieren lässt, dann kann man nicht umhin festzustellen, dass der Einfluss der Tagesform bei Hertha BSC dringend auf den Prüfstand gestellt werden muss. Wie oft hat der Trainer seiner Mannschaft bescheinigt, die Woche über gut trainiert zu haben? Dann kommt das Spiel, alle sind voller Vorfreude – und zack! Macht die verdammte Tagesform die komplette Arbeit einer ganzen Woche zunichte.

Das kann doch nicht sein! Muss man sich wirklich alles bieten lassen? Da kann man ruhig auch mal – nein! – da muss man sogar in die Offensive gehen! Da muss man einfach mal Tacheles reden und sagen: Pass auf Tagesform! Wir sagen es dir jetzt im Guten. Wir haben für vieles Verständnis und jeder soll auf seine Art glücklich werden. Aber was du hier veranstaltest – das geht einfach nicht!

Denn – das muss man einfach mal festhalten – wenn uns die Tagesform in den Spielen gegen RB Leipzig, beim VfB Stuttgart oder in dem Grusel-Kick bei Fortuna Düsseldorf nicht so jämmerlich im Stich gelassen hätte – ja, wo stünden wir denn dann? Dann stünden wir oben! Aber ganz oben! Oder zumindest ziemlich weit oben.

Deshalb fordere ich an dieser Stelle hiermit den Schulterschluss aller gutmeinenden Hertha-Freunde und Verantwortlichen. Es ist an der Zeit, die Tagesform in ihre Schranken zu verweisen. Die Tagesform mitsamt ihren Sympathisanten und Hintermännern, die sie schalten und walten lassen, wie es ihr passt. Diesem Treiben muss ein Ende gesetzt werden! Es kann nicht angehen, dass uns diese Diva mit ihrer abstrusen Flatterhaftigkeit um die verdienten Früchte der Arbeit bringt.

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Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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