Im siebten Himmel. Tiger Woods nach dem Putt am 18. Loch am Sonntag bei den Masters. Foto: Kevin C. Cox/AFP
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Könige des Comebacks Von Tiger Woods bis Paolo Rossi

Nach langer Pause noch einmal zu alter Stärke zurückfinden, ist nicht leicht. Diesen Sportstars ist das fast Unmögliche gelungen. 

Vielbeachtete Comebacks hat es im Sport immer wieder gegeben. Eine Rückschau auf Athleten, die es geschafft haben, nach Rückschlägen an die Spitze zurückzukehren:

Tiger Woods, Golf
Schon als Kleinkind gilt Eldrick „Tiger“ Woods als riesiges Golf-Talent. Er tritt als Zweijähriger im Fernsehen auf, gewinnt später im Jugendalter fast nach Belieben. 1996 wird er Profi, holt im ersten Jahr auf der Tour gleich zwei Siege und 1997 das erste grüne Sieger-Jackett beim Masters. Bis 2008 gewinnt er insgesamt 14 Major-Turniere. Danach wird Woods von Verletzungen geplagt, hat dazu private Probleme. Auf dem Golfplatz läuft es immer schlechter, die Gesundheit wird zum Dauerthema und Woods taucht mehr in der Boulevardpresse als auf den Sportzeiten der Zeitungen auf. Nach langer Pause und diversen Rückenoperationen gibt Woods 2017 sein Comeback, aber konkurrenzfähig ist er erst nach einem weiteren chirurgischen Eingriff. 2018 ist er schließlich schmerzfrei und gewinnt im September wieder ein Turnier. Ins Masters in Augusta geht er in der vergangenen Woche als Mitfavorit und sichert sich am Sonntag beim bedeutendsten Golfturnier der Welt den vielleicht größten Sieg seiner Karriere. 

Muhammad Ali, Boxen  
Als Cassius Clay holt er 1960 in Rom für die USA Olympiagold. Wenig später wird er Profi und gewinnt 1964 den WM-Titel im Schwergewicht als krasser Außenseiter gegen Sonny Liston. Clay nimmt den Namen Muhammad Ali an, gewinnt auch den Rückkampf gegen Liston und verteidigt seinen Titel weitere acht Mal. 1967 wird er als Weltmeister abgesetzt, weil er den Wehrdienst verweigert und nicht im Vietnam-Krieg kämpfen will. Erst 1970 erhält Ali die Boxlizenz zurück. Erst vier Jahre später wird er im legendären „Rumble in the Jungle“ in Kinshasa gegen den favorisierten George Foreman erneut unumstrittener Weltmeister im Schwergewicht. Den Titel behält er bis 1978, liefert dabei weitere legendäre Kämpfe ab und holt ihn sich nach einer Niederlage gegen Leon Spinks im Rückkampf sogar noch ein drittes Mal zurück.

Niki Lauda, Motorsport
Als amtierender Formel-1-Weltmeister und klar führender in der WM-Wertung 1976 verunglückt der Österreicher auf dem Nürburgring. Er zieht sich schwere Verbrennungen im Gesicht zu und fällt später im Krankenhaus sogar ins Koma. Doch nur 42 Tage nach seinem Unfall fährt er bereits wieder Rennen und beendet die Saison auf Platz zwei. Den Titel verpasst er auch deswegen, weil er beim letzten Grand Prix wegen Regens in Japan sein Auto freiwillig abstellt. 1977 wird er ein zweites Mal Weltmeister mit Ferrari, beendet 1979 aber seine Karriere in der Formel 1, weil er keine Lust mehr hat, im Kreis zu fahren. 1982 kehrt er im McLaren doch noch einmal in den Rennzirkus zurück und wird 1984 tatsächlich ein drittes Mal Champion.

Michael Jordan, Basketball
1993 gewinnt Jordan zum dritten Mal in Folge mit den Chicago Bulls die Meisterschaft in der US-Profiliga NBA. Er wird dabei jeweils zum besten Spieler der Finalserie gewählt – und hat danach trotzdem genug. Fortan versucht er sich als Baseballspieler, doch er schafft es nie in das Profiteam der Chicago White Sox. Weil in der Major League Baseball im Frühjahr 1995 gestreikt wird, kehrt Jordan zum Basketball zurück und wird in den Jahren 1996, 1997 und 1998 drei weitere Male Champion mit den Bulls. Danach hört er ein zweites Mal auf, um schließlich zur Saison 2001/02 noch einmal die Basketball-Schuhe zu schnüren, jetzt für die Washington Wizards. An alte Erfolge kann er nicht mehr anknüpfen, als 40-Jähriger hört Jordan zum dritten und letzten Mal auf.

Seles schafft nach der Messerattacke 1995 ein Comeback auf dem Tennisplatz

Monica Seles, Tennis
Die Jugoslawin hat Steffi Graf als beste Spielerin der Welt abgelöst, zwischen 1991 und dem Frühjahr 1993 gewinnt sie sieben von neun möglichen Grand-Slam-Titeln. Beim Turnier in Hamburg im April läuft alles auf ein Endspiel der beiden Topstars hinaus, als Seles während ihres Viertelfinales vom psychisch gestörten Graf-Fan Günter Parche während eines Seitenwechsels mit einem Küchenmesser in den Rücken gestochen wird. Von der Verletzung erholt sich die damals 19-Jährige relativ bald, mit den psychischen Folgen muss sie aber für immer leben. Tatsächlich schafft Seles 1995 ein Comeback auf dem Tennisplatz, das sich zunächst gut anlässt. 1996 gewinnt sie die Australian Open, doch es bleibt ihr letzter Grand-Slam-Titel. Nach vielen Verletzungen reicht es danach nicht mehr für große Siege, 2003 zieht sie sich von der Tennis-Tour zurück und gibt 2007 ihr endgültiges Karriereende bekannt.

Mit Känguru. Monica Seles nach dem Gewinn 1996 bei den Austalian Open. Es sollte ihr letzter Grand-Slam-Titel sein. Foto: Greg Wood/AFP Vergrößern
Mit Känguru. Monica Seles nach dem Gewinn 1996 bei den Austalian Open. Es sollte ihr letzter Grand-Slam-Titel sein. © Greg Wood/AFP

Greg LeMond, Radsport
1986 siegt der US-Amerikaner als erster Nicht-Europäer bei der Tour de France. Doch im Frühjahr des Folgejahres wird er während eines Jagdausfluges von seinem Schwager lebensgefährlich verletzt – rund 60 Schrotkugeln stecken anschließend in seinem Körper. LeMond überlebt, kehrt 1988 in den Profi-Radsport zurück, doch bei der Tour fährt er erst 1989 wieder. Die Frankreich-Rundfahrt endet in jenem Jahr mit dem  knappsten Sieg ihrer Geschichte, acht Sekunden beträgt der Vorsprung von Greg LeMond im Ziel auf den Zweiten Laurent Fignon. Im Herbst wird der US-Amerikaner nach 1983 auch ein zweites Mal Straßenweltmeister und wiederholt seinen Tour-Sieg schließlich 1990. Anders als Landsmann Lance Armstrong, der nach einer überstandenen Krebserkrankung sieben Mal die Tour de France gewinnt, später aber Doping zugeben muss, hat sich LeMond immer deutlich gegen leistungsfördernde Substanzen ausgesprochen. Trotzdem war auch er nie frei vom Verdacht, womöglich doch nachgeholfen zu haben.

Paolo Rossi, Fußball
Um die Karriere von Italiens Sportler des Jahres 1978 steht es zwölf Monate später gar nicht gut. Weil er in den Skandal um ein verschobenes Liga-Spiel verwickelt ist, sperrt der italienische Fußball-Verband für drei Jahre. Die Strafe wird später auf zwei Jahre reduziert, so dass Rossi im Frühling 1982 wieder spielberechtigt ist. Nationaltrainer Enzo Bearzot nominiert den Stürmer für die WM in Spanien, obwohl es große Zweifel an dessen Leistungsfähigkeit gibt. In der WM-Vorrunde scheinen sich diese zu bestätigen, Italien bleibt ohne Sieg und Rossi ohne Tor. Trotzdem reicht es zum Weiterkommen und Rossi trifft im denkwürdigen Zwischenrundenspiel gegen Brasilien beim 3:2 dreimal. Auch das Halbfinale gegen Polen (2:0) entscheidet er mit zwei Treffer praktisch allein und beim 3:1-Finalsieg gegen Deutschland erzielt er das Tor zum 1:0. Rossi  wird Torschützenkönig und bester Spieler des Turniers, später auch Fußballer des Jahres in Europa. Es folgen weitere nationale und internationale Titel mit Juventus Turin, ehe er 1987 seine Laufbahn beendet.

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