Strecken für einen neuen Vertrag. Per Skjelbred (r.) soll noch ein Jahr bei Hertha BSC bleiben. Foto: AFP
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Kaderplanung Bei Hertha BSC steht ein Generationswechsel an

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Im Kader von Hertha BSC stehen sieben Spieler, die 30 oder älter sind. Über kurz oder lang droht der Mannschaft damit ein mittelgroßer Umbruch.

Als Per Skjelbred den Innenraum betrat, umarmte er noch schnell den Ordner am Ausgang des Kabinentrakts. Ein kurzer Plausch, dann begab er sich, in bequemen Laufschuhen und ohne erkennbare Eile, zu seinem Platz – auf der Ersatzbank.

Für Per Skjelbred ist diese Erfahrung, die er auch am Mittwoch beim Testspiel von Hertha BSC gegen Zweitligist Arminia Bielefeld (4:1) wieder machte, keine ganz neue mehr. Vor gut einem Jahr hat der Norweger seinen Status als Stammspieler beim Berliner Fußball-Bundesligisten eingebüßt. Auch in der Hinrunde der aktuellen Spielzeit war er vornehmlich Ersatz. Auf 425 (von 1710 möglichen) Pflichtspielminuten kommt er, verteilt auf sieben Einsätze.

Per Skjelbred soll noch ein Jahr bleiben

„Wenn man eine Liste macht, wer unter mir wie oft gespielt hat, ist Per ganz oben dabei“, sagt Herthas Trainer Pal Dardai, der den Job vor knapp vier Jahren angetreten hat. „Per ist ein Vorbild, auch in der Kabine, ein richtiger Kämpfer“, sagt Dardai. „Er hat ein großes Fußballherz.“ Die Wertschätzung des Ungarn für Skjelbred ist aktenkundig, durch Taten ebenso belegt wie durch Worte. Daran hat sich nichts geändert, auch wenn Skjelbreds Rolle inzwischen eine andere ist. Schon am Ende der Vorsaison musste sich Skjelbred mit dem Job des Ergänzungsspielers arrangieren; diese Entwicklung hat sich auch in der neuen Spielzeit fortgesetzt. In den ersten drei Pflichtspielen stand der Norweger kein einziges Mal im Kader, im fünften wurde er zum ersten Mal eingewechselt, erst im siebten schaffte er es in die Startelf.

Skjelbred wird im Sommer 32. Sein Vertrag bei den Berlinern, für die er dann fünf Jahre im defensiven Mittelfeld geackert haben haben wird, läuft aus. Zuletzt war darüber spekuliert worden, dass er mit seiner Familie in die Heimat zurückkehren und die Karriere bei seinem Stammverein Rosenborg Trondheim ausklingen lassen könnte. Die „Bild“ aber hat nun berichtet nun, dass Hertha den Vertrag mit Skjelbred noch einmal um ein Jahr verlängern werde. „Wenn das so wäre, hätten wir auch Vollzug gemeldet“, sagt Manager Michael Preetz.

Vedad Ibisevic trifft auch gegen Bielefeld

Doch egal ob Skjelbred diesen Sommer geht, im nächsten oder erst im übernächsten. Hertha steht in nicht allzu ferner Zukunft ein mittelgroßer Generationswechsel bevor. Sieben Spieler des Kaders sind 30 oder älter, bei vier von ihnen läuft der Vertrag am Saisonende aus. Neben Skjelbred sind dies Kapitän Vedad Ibisevic, 34, Fabian Lustenberger, 30, und Ersatztorhüter Thomas Kraft, 30. Außerdem gehören Rune Jarstein, 34, Salomon Kalou, 33, und Peter Pekarik, 32, der Ü-30-Fraktion an. Ihr aktueller Wert für Herthas Mannschaft differiert ganz erheblich. Während Jarstein, Kalou und Ibisevic in der Hinrunde Stammspieler waren, haben Kraft und Pekarik so gut wie keine Rolle gespielt – was sich perspektivisch wohl auch nicht mehr grundlegend ändern wird.

„Es gibt keinen neuen Stand“, sagt Manager Preetz über die laufenden Vertragsverhandlungen. „Wir arbeiten die Dinge ganz normal ab.“ Dass Hertha ein Interesse vor allem an einer Weiterbeschäftigung von Vedad Ibisevic hat, liegt auf der Hand. Der Bosnier hat in der Hinrunde sechs Treffer erzielt – genauso viele wie in der kompletten Vorsaison. Im Test gegen Bielefeld traf er nicht nur zum 1:0 für Hertha, er war auch der auffälligste Spieler in der vermeintlichen A-Elf, die 70 Minuten spielen durfte, ehe Dardai einmal komplett durchwechselte. Erst danach fielen durch Pascal Köpke, Muhammed Kiprit und Davie Selke die weiteren Tore zum letztlich deutlichen 4:1-Sieg für die Berliner. Per Skjelbred stand nun auch auf dem Feld. In Fußballschuhen.

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