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In Norditalien herrscht Ausnahmezustand - und das ist vor allem in den Krankenhäusern zu sehen. Foto: Miguel MEDINA / AFP
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Italienischer Leichtathlet mit Covid-19 „Bei einer Hustenattacke habe ich Blut gespuckt“

Andrea Benatti

Edoardo Melloni ist 29 und Leistungssportler. Dennoch nahm seine Coronavirus-Infektion einen so schweren Verlauf, dass er in die Notaufnahme musste.

Edoardo Melloni, 29, ist ein italienischer Mittelstreckenläufer aus Mailand. Der Leistungssportler musste aufgrund schwerer Covid-19-Symptome ins Krankenhaus. Im Interview spricht er über den Verlauf der Erkrankung, die mögliche Ansteckung, den Verlust des Geschmackssinns und Sport im Ausnahmezustand.

Herr Melloni, wie geht es Ihnen?
Mir geht es gut. Glücklicherweise wurde ich rechtzeitig in die Notaufnahme eingeliefert. Dort wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert und ich wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Zum Glück war die Infektion noch in einer frühen Phase und wir sind alle zuversichtlich, dass ich bald wieder aus dem Krankenhaus komme.

Was für Symptome hatten Sie und wie hat sich die Erkrankung seitdem entwickelt?
Die Symptome sind natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Bei mir hat es mit 37,5 Grad Fieber und ein bisschen Husten angefangen. Der Husten ist immer stärker geworden und hat irgendwann fünf bis zehn Minuten angehalten. Immer stark und trocken. Bei einer dieser Hustenattacken habe ich dann Blut gespuckt und das war der Moment, in dem ich in die Notaufnahme geschickt wurde. Ein weiteres Symptom, das nicht zu unterschätzen ist, ist der totale Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Im Ospedale Luigi Sacco (die Universitätsklinik von Mailand, Anm. d. Red.) haben sie diese Symptome bei zwei von drei Patienten festgestellt und sie können auch bei Personen auftreten, die sonst keine Symptome wie Husten oder Fieber haben. Ich kann immer noch nicht wieder zwischen einem Stück Schokolade, gekochten Möhren oder Pasta mit Tomatensoße unterscheiden.

Mit was für Mitteln werden Sie behandelt und gibt es Nebenwirkungen?
Die Ärzte haben entschieden, mich der Therapie zu unterziehen, die größtenteils auch in den Krankenhäusern von Wuhan angewandt wurde. Es handelt sich dabei um eine Kombination von Arzneimitteln, die Patienten mit Arthritis und solche mit HIV verabreicht werden. Die Arzneimittel sind Hydroxychloroquin und Lopinavir/Ritonavir. Eine der Nebenwirkungen ist Dysenterie (eine Durchfallerkrankung, Anm. d. Red.), die gleich am ersten Tag eingesetzt hat. Seit dem zweiten Tag geht es schon viel besser. Ansonsten merke ich keine physischen Auswirkungen.

Haben Sie eine Ahnung, wie Sie sich angesteckt haben?
Ich hatte mich schon sozial abgeschottet, bevor das durch die Regierungsverordnung vorgeschrieben wurde. Ich habe aus dem Homeoffice gearbeitet und früh morgens habe ich in einem sehr großen Park trainiert. Am 9. März musste ich ins Büro, um einige Dokumente abzuholen und das Firmenauto abzugeben. Um nach Hause zu kommen, habe ich die U-Bahn genommen. Ich vermute, dass ich mich dort infiziert habe, denn drei Tage später sind die ersten Symptome aufgetreten.

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Wie war die Vorgehensweise im Krankenhaus? Wie ergeht es den Coronavirus-Patienten dort?
Bei meiner Ankunft wurde die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen, ich glaube die war bei 95. Mein Oberkörper wurde geröntgt und dabei wurde eine Lungenentzündung festgestellt. Daher wurde ich einem Coronavirus-Test unterzogen – bei dringenden Fällen wie bei mir kommen die Resultate nach zehn und nicht erst nach 24 oder 36 Stunden. Dann wurde noch ein EKG gemacht. Mein Zimmer ist durch einen Flur von dem Zimmer getrennt, in dem sich Ärzte, Pflegekräfte und Servicepersonal umziehen müssen, bevor sie reinkommen. Sie tragen Overalls, doppelten Mundschutz und ein Plastikvisier, das das gesamte Gesicht bedeckt. Du fühlst dich fast schuldig, wenn du realisierst, was für einem Risiko du diese Leute aussetzt, wenn sie in dein Zimmer kommen. Ich bin hier in guten Händen und als Italiener sollten wir darauf stolz sein. Von einem Gesundheitswesen wie unserem träumen andere Länder.

Es wurde zuletzt viel darüber diskutiert, ob man in diesen Zeiten noch laufen gehen sollte. Was empfehlen Sie?
Es gibt kein Risiko durch das Laufen an sich. Deshalb ist es auch nicht sofort im Zuge der ersten Gegenmaßnahmen verboten worden. Diese Einschränkungen wurden schließlich in Abstimmung mit spezialisierten Medizinern beschlossen. Das Problem ist bloß: Wo gehe ich joggen? Ich persönlich habe mich im Nordpark nie irgendwelchen Risiken ausgesetzt gefühlt. Ich habe aber auch Fotos aus Parks gesehen, wo die Situation ganz anders und riskant war. Wie bei allen Dingen braucht es gesunden Menschenverstand und wenn dieser fehlt – wie es mir momentan erscheint – ist es unvermeidlich, dass die Regierung strengere Regeln beschließt, auch wenn damit diejenigen getroffen werden, die bisher vernünftig im Freien Sport getrieben haben.

Das Gespräch führte Andrea Benatti. Übersetzung: Julian Graeber. Das Interview erschien zuerst auf Italienisch bei "Atleticalive".

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