Sichtlich gerührt. Herthas Trainer Dardai hatte beim Abschied Tränen in den Augen. Foto: Andreas Gora/dpa
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Update Hertha BSC verliert gegen Leverkusen Ein Tag der Abschiede endet mit 1:5

Die letzte Niederlage dieser Saison geht unter: Wichtiger sind aber die Abschiede von Dardai, Widmayer und Lustenberger.

Als das Spiel gespielt ist, geht auch Pal Dardai noch ein letztes Mal in die Ostkurve, also dorthin, wo das Gros der Hertha-Fans steht. Die Stadionkameras fangen ihn dabei ein und transportieren die Bilder auf die drei großen Leinwände der Arena. Es sind emotionale Bilder. Bilder, die sich einbrennen werden in das Klub-Gedächtnis. Denn es sind eben auch endliche. An diesem sonnigen Nachmittag im Mai des Jahres 2019 geht in Berlin eine kleine Ära zu Ende.

Knapp 60 000 Zuschauer waren bei schönstem Wetter ins Olympiastadion gekommen. Ein letztes Mal hat der 43 Jahre alte Ungar, längst eine Vereinsikone, die Mannschaft Berliner Bundesligisten betreut. Noch einmal haben sie in der Kurve seinen Namen gerufen. Es waberte Wehmut durchs Rund. Vieles endete an diesem Tag, dem Tag des Saisonfinals. Es war ein Tag der Abschiede.

Bereits vor dem Anpfiff waren Dardai, sein langjähriger Assistent Rainer Widmayer und Fabian Lustenberger, der zwölf Spielzeiten und mehr als 300 Spiele für Hertha bestritten hat, von Präsident und Manager mit gerahmten Bild und Blume verabschiedet worden. Es gab ein paar rührende Bilder, im Rang rief man ihre Namen, es rührten sich tausende Hände zum Applaus.

Das eigentliche Spiel wäre dabei fast ein wenig untergegangen. Was, vom Ende her betrachtet, gar nicht schlecht gewesen wäre. Die Berliner unterlagen überlegenen Gästen aus Leverkusen am Ende recht heftig mit 1:5 (1:2), was wiederum an die Blamagen der vergangenen beiden Finalspieltage erinnerte, die Hertha jeweils 2:6 verlor.

„Ich möchte mich bei den Fans für ihre Unterstützung bedanken und bei den Menschen in der Stadt, ich fühlte mich geliebt“, sagte Dardai hinterher. Eine Spielanalyse ersparte er sich.

Fest im Griff. Manager Michael Preetz (r.) will Fabian Lustenberger noch mal drücken. Foto: Andreas Gora/dpa Vergrößern
Fest im Griff. Manager Michael Preetz (r.) will Fabian Lustenberger noch mal drücken. © Andreas Gora/dpa

Gleich zu Spielbeginn hatte Herthas Stürmer Vedad Ibisevic nach einer Ecke von Marvin Plattenhardt eine gute Kopfballchance. Auf der Gegenseite prüfte Abwehrspieler Wendell, ebenfalls nach einer Ecke, mit einem Distanzschuss Herthas Torhüter Thomas Kraft, der den Ball über die Latte wickelte.

Kraft, der erneut den verletzten Rune Jarstein ersetzte, stand dann auch nach einer knappen halben Stunde im Brennpunkt. Bei einer Abwehr eines Kopfballaufsetzers war ihm der Leverkusener Alario auf den Oberarm gestiegen, Kraft musste kurz behandelt werden. Eine Minute später zögerte er dann einen Tick beim Rauslaufen, der 19 Jahre alte Kai Havertz nutzte das mit seinem 17. Saisontreffer zur Führung.

Ein besseres Saisonresultat hatten die Berliner im März und April verspielt

Doch es dauerte nicht lange, da schlugen die Berliner zurück. Nachdem sich Ibisevic an der Grundlinie durchgesetzt und nach innen geflankt hatte, zog am langen Posten Ondrej Duda ab. Dessen Schuss, der vermutlich auch allein ins Tor gegangen wäre, drückte Valentino Lazaro aus Nahdistanz zum 1:1 über die Torlinie.

Doch wieder dauerte es nicht lange, da setzte sich Alario nach einem Steilpass von Wendell gegen Herthas Abwehrspieler Karim Rekik durch und spitzelte im Fallen den Ball am herausgestürmten Torhüter Kraft vorbei ins Tor zum 2:1 für die Gäste.

Einsatz am Ende. Herthas Ondrej Duda (l.) grätscht Bayers Kevin Volland um. Foto: Odd Andersen/AFP Vergrößern
Einsatz am Ende. Herthas Ondrej Duda (l.) grätscht Bayers Kevin Volland um. © Odd Andersen/AFP

Mit Beginn der zweiten Halbzeit brachte Dardai in Javairo Dilrosun einen neuen Offensivspieler. Er kam für den angeschlagenen Per Skjelbred. Doch von da an spielte nur noch Leverkusen. Als Bayers Nationalspieler Julian Brandt mit einem wunderschönen Schuss in den Winkel das Tor zum 3:1 erzielte, war das die Vorentscheidung, zumal Alario später noch das 4:1 und 5:1 hinterherlegte.

Da zeitgleich Leverkusens direktester Kontrahent Mönchengladbach daheim Dortmund mit 0:2 unterlag, bedeutete das Berliner Ergebnis die Champions-League-Teilnahme für die Bayer-Elf. Die Herthaner beenden die Spielzeit mit 43 Punkten auf Rang elf, womit das Saisonziel um zwei Plätze verfehlt wurde. Am letzten Spieltag zog in der Tabelle Fortuna Düsseldorf mit einem Sieg über den Absteiger Hannover 96 noch an den Berlinern vorbei.

Aber das brachte an diesem Nachmittag keinen Hertha-Fan mehr auf die Palme. Ein besseres Saisonresultat hatten die Berliner im März und April bei einer Niederlagenserie von fünf verlorenen Spielen am Stück verspielt. Doch diesen Nachmittag am letzten Spieltag wollte sich der Anhang der Berliner nicht vermiesen lassen. Nicht, wenn einer wie Fabian Lustenberger und Pal Dardai Abschied nehmen.

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