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Leichter Vorteil für Emirates Team New Zealand (hinten) an der Startlinie. Doch Luna Rossa (vorne) zwingt den Gegner jedesmal von der Ideallinie. Bislang reicht das nicht. Foto: imago images / Xinhua
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Heiße Phase beim 36. America's Cup Neuseeland steht kurz vor der Titelverteidigung

Am fünften Renntag kann sich Emirates Team New Zealand mit zwei Siegen etwas Luft verschaffen. In der Nacht zu Dienstag könnte die Entscheidung fallen.

Sollte es am Ende gar nicht auf Geschwindigkeit ankommen? Sollten ausgerechnet Boote, die mit dem Rekordtempo von über 50 Knoten über den Parcours rasen, nicht durch ihre Stärke, sondern eine empfindliche Schwäche beim 36. America's Cup für die Entscheidung sorgen? Danach sieht es am Montag aus, als in den frühen Morgenstunden europäischer Zeit zuerst die Kiwis wie eine flügellahme Ente im Wasser dümpeln und danach auch die Italiener.

Der Wind hat zu stark abgenommen auf dem Hauraki-Golf vor den Toren von Auckland, um den 75-Fuß-Racern wieder auf die krakenhaften Foils zu helfen.

Den Neuseeländern ist das Malheur der "Wasserlandung" als erste passiert. Sie waren nach dem Start in Rückstand geraten, aber auf dem Vorwindkurs wieder mal sehr viel schneller gewesen.

Nun wollten sie den Schwung einer Halse am Heck von Luna Rossa vorbei für den Führungswechsel nutzen. Da plumpsten sie in eine Art Luftloch. Es ist das Worst-Case-Szenario bei diesem Segelformat, weil die Distanz zum Kontrahenten bei Geschwindigkeitsdifferenzen von 20 Knoten sofort sehr groß wird. Die Italiener zogen davon. Die Sache schien gelaufen, sie mussten sie nur noch zuende bringen.

Lange hatte es davor nach einem Duell von zwei gleichstarken Teams ausgesehen. Die Vorteile des Titelverteidigers Neuseeland in Sachen Speed auf Vorwind-Strecken wurden durch die Stärken der Italiener bei Amwind-Kursen ausgeglichen.

Ein Stadion aus Beibooten. Je näher die Entscheidung rückt, desto mehr Neuseeländer fahren hinaus zur Rennstrecke, um dem Spektakel beizuwohnen. Foto: imago images/Xinhua Vergrößern
Ein Stadion aus Beibooten. Je näher die Entscheidung rückt, desto mehr Neuseeländer fahren hinaus zur Rennstrecke, um dem Spektakel beizuwohnen. © imago images/Xinhua

Nach sechs Rennen stand es 3:3, das siebte hatten die Neuseeländer gewonnen, nun schickten sich die Italiener an, wieder auszugleichen. So eng war kaum je ein Wettkampf in der 170-jährigen Geschichte des Cups zuvor gewesen. Wenn der meistens amerikanische Titelverteidiger zuvor doch mal in Rückstand geraten war, was 1920, 1934 und 2013 passierte, folgte dem eine Aufholjagd von unmissverständlicher Eindeutigkeit. Oder der Cup ging verloren - ebenso eindeutig.

Diesmal ist weder eine Aufholjagd noch eine Deklassierung zu erkennen. Die Italiener verlieren zwar das erste Rennen des Montags, weil sie ihren Gegner im entscheidenden Moment nicht "decken", also mit ihren eigenen Segeln abschirmen.

Durch ein kleineres Vorsegel riskieren die Neuseeländer jedoch, bei den schwachen Winden dieses Nachmittags immer mehr an Kraft zu verlieren, sie segeln gefährlich nahe am unteren Spektrum ihrer Flugfähigkeit. Dennoch gehen sie mit derselben Segelkonfiguration auch in das anschließende achte Rennen.

Abermals holen sich die von Steuermann Jimmy Spithill angeführten Italiener von Luna Rossa die bevorzugte linke Bahnseite, indem sie Burling in ihren Windschatten zwingen.

Eine kleine "hübsche Methode"

Doch dann, als die Tafel schon gedeckt ist, geraten auch sie eine Runde vor dem Ziel in ein fatales Flautenloch. Sie können ihren Gegner über die gesamten 3000 Meter der Bahn auf sich zurasen sehen, weil der es längst wieder geschafft hat, sich aus dem Wasser zu erheben. Sie nicht. Sie versuchen verzweifelt, auf die Beine zu kommen und ihren Kurs fortzusetzen. Am Ende wird Neuseeland seinen fünften Sieg holen, weil es sich schneller aus der prekären Lage befreite als Luna Rossa.

Was für ein "verrücktes Segelrennen" das doch sei, stöhnt Kommentator Ken Read beim Anblick der beiden sich dahinschleppenden Yachten. Mit Segeln hat es wirklich wenig zu tun, wenn sie wie auf der Suche nach Nahrung sich quer zum Wind bewegen, mehr darauf bedacht, neue Kraft auf die Tragflächen zu übertragen, als auf Gegner und Rennstrecke. Tatsächlich sind es ja Wasserflugzeuge. Und die sehen nie galant aus, solange sie sich nicht in der Luft befinden.

Peter Burling hat in den schwierigen Bedingungen seines Heimatreviers die Nerven behalten und sich mit einer 5:3-Führung etwas Luft verschafft. Foto: AFP Vergrößern
Peter Burling hat in den schwierigen Bedingungen seines Heimatreviers die Nerven behalten und sich mit einer 5:3-Führung etwas Luft verschafft. © AFP

Blair Tuke, der für die Heimmannschaft die Flugsteuerung übernimmt, meint anschließend, dass sie oft in wenig Wind trainiert und sich eine "hübsche Methode" zurechtgelegt hätten, auch kurz vor dem Kollaps noch flugfähig zu bleiben. Diese Methode macht kurz vor dem Ende des America's Cup den Unterschied aus. Mehr jedenfalls als der Start, den Burling zweimal deutlich verpatzte und Spithill einmal. Sollten Burling, Tuke und der australische Skipper Glenn Ashby ihre Miniserie fortsetzen, könnten sie den Cup schon am Dienstagnachmittag Ortszeit erfolgreich verteidigen. Sieben Siege entscheiden.

- Die Rennen 9 und 10 werden ab 4.00 Uhr morgens hier übertragen und hier mit deutschem Kommentar.

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