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„Sieg!“ – Serbische Djokovic-Anhänger demonstrieren gegen das Festhalten ihres Idols in einem australischen Abschiebehotel. Foto: Oliver Bunic/AFP
© Oliver Bunic/AFP

Update Gerichtsanhörung des Tennis-Stars ab Mitternacht Djokovic erhält im Hotel glutenfreies Essen und Laptop

Der Fall Djokovic wirft weiter viele Fragen auf. Vor einem Gerichtsentscheid in Australien nimmt Tennis-Idol Becker seinen ungeimpften Ex-Schützling in Schutz.

Die serbische Regierung hat nach eigenen Angaben für diverse Annehmlichkeiten für Novak Djokovic im Abschiebe-Hotel bei dessen Warten auf die Entscheidung über einen Verbleib in Australien gesorgt.

„Wir haben es geschafft, ihm glutenfreies Essen zu liefern, Trainingsgeräte zu besorgen, sie gaben ihm einen Laptop, eine Sim-Karte, um mit seiner Familie in Kontakt zu bleiben“, sagte Serbiens Premierministerin Ana Brnabic serbischen Medienberichten zufolge am Samstag.

Sie habe diese Verbesserungen für den in einem Hotel für Asylbewerber untergebrachten Spitzensportler mit der australischen Regierung vereinbart, sagte die Politikerin weiter.

Djokovic war am Mittwochabend (Ortszeit) die Einreise nach Australien verweigert worden, weil er nicht die nötigen Dokumente für eine umstrittene medizinische Ausnahmegenehmigung, auch ohne Corona-Impfung einreisen zu dürfen, hatte vorlegen können.

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Seitdem sitzt Djokovic in einem Abschiebehotel in Melbourne fest. Der 34 Jahre alte Serbe hatte dagegen Einspruch eingelegt. Seine Anwälte kämpfen um seine Teilnahme an den Australian Open, die am 17. Januar beginnen.

Juristisches Gezänk

Der Commonwealth Law Court in Melbourne will am Montagvormittag (10.00 Uhr/0.00 Uhr MEZ) darüber entscheiden, ob Djokovic das Land verlassen muss oder doch bleiben und an den Australian Open teilnehmen darf.

Die Djokovic-Seite soll sich zuerst ab 0.00 Uhr MESZ vor Gericht äußern, die Vertreter des Innenministeriums geben ihre Stellungnahme laut Plan um 15.00 Uhr/5.00 Uhr MEZ ab. Die mündlichen Äußerungen sollen 120 Minuten nicht überschreiten.

Einen Tag vor dem erwarteten Gerichtsentscheid hat der mit dem Fall befasste Richter einen Antrag der Regierung zur Vertagung abgelehnt. Richter Anthony Kelly erklärte am Sonntag, dass das Verfahren wie geplant am Montag fortgesetzt werde. Die Regierung wollte die Verhandlung auf Mittwoch verschieben. Dies lehnte der Richter ab.

„Nicht gegen Covid-19 geimpft“

Aus den Gerichtsdokumenten geht hervor, dass Djokovic am 16. Dezember 2021 zum zweiten Mal positiv auf das Coronavirus getestet worden sein soll.

Zudem gibt die Seite des 20-maligen-Grand-Slam-Siegers an, dass er deshalb am 30. Dezember vom medizinischen Chef des australischen Tennisverbands eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise erhalten habe.

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Sollte sich der Sachverhalt bestätigen, könnte Djokovic eventuell doch das Recht gehabt haben, Anfang Januar nach Australien zu reisen.

Allerdings heißt es in den Gerichtsdokumenten, dass Djokovic in der Befragung durch einen Beamten des australischen Grenzschutzes angegeben habe, „nicht gegen Covid-19 geimpft“ zu sein. Djokovic hatte um seinen Impfstatus seit Monaten ein Geheimnis gemacht.

Trotz positivem PCR-Test in der Öffentlichkeit?

Pikant sind zudem mehrere Bilder in sozialen Medien, die Djokovic nach seinem vermeintlichen Positivtest bei mehreren Terminen in der Öffentlichkeit und ohne Schutzmaske zeigen. Der US-Sportjournalist Ben Rothenberg etwa hat fotografische und schriftliche Nachweise solcher Veranstaltungen gesammelt und auf Twitter veröffentlicht.

So traf sich der Tennis-Star offenbar noch am 17. Dezember mit jungen serbischen Tennisspielern. Am Tag zuvor, also dem Datum der Mitteilung des PCR-Testergebnisses, hatte Djokovic in seiner Heimat an einer Diskussionsrunde teilgenommen.

In Serbien muss ein positiv Getesteter theoretisch nur dann in Quarantäne, wenn er Krankheitssymptome hat und ein Amt dies anordnet. Ob und wie das kontrolliert wird, ist unklar.

Dennoch bleibt die Causa Djokovic dubios und undurchsichtig. Am 18. Dezember ließ sich der zu diesem Zeitpunkt vorgeblich positiv getestete 34-Jährige bei einem Fotoshooting für das französische Sportmagazin „L‘Équipe“ ablichten. Statt diesen Termin maskenlos wahrzunehmen, hätte sich Djokovic den gesetzlichen Vorgaben gemäß in Isolation befinden müssen.

Turnierdirektor wünscht sich Start des umstrittenen Stars

Ungeachtet der Ungereimtheiten im Fall Djokovic versammelten sich am Sonntag erneut einige Demonstranten vor dem Abschiebehotel des Sportlers, um gegen das Festhalten von Menschen in der Einrichtung zu protestieren.

Craig Tiley, Turnierdirektor der Australian Open, machte ebenfalls deutlich, dass er doch noch auf Djokovics Start beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres hofft und wies Kritik an seiner Person und am australischen Tennis-Verband zurück. „Es gab viele widersprüchliche Informationen, viele gegensätzliche Informationen, und wir haben vom ersten Tag an ständig Klarheit gesucht, um sicherzustellen, dass wir erstens das Richtige tun und zweitens, die Spieler ins Land bringen können“, sagte Tiley. Nach wie vor würde er Djokovic „gerne bei den Australian Open spielen sehen“, sagte Tiley beim Nine Network.

„Er ist ja kein Idiot“ – Becker nimmt Djokovic in Schutz

Tennis-Idol Boris Becker hat seinen früheren Schützling Novak Djokovic angesichts der anhaltenden Kritik in Schutz genommen. Dass der Weltranglistenerste nicht geimpft sei, findet Becker nicht gut, gleichzeitig betont der 54-Jährige aber bei der „Bild“-Zeitung: „Man muss seine Entscheidung respektieren. Nur weil man sich nicht impfen lässt, ist man nicht automatisch ein schlechter Mensch.“

Boris Becker und Novak Djokovic im Februar 2020 Foto: dpa/AAP/Darren England Vergrößern
Boris Becker und Novak Djokovic im Februar 2020 © dpa/AAP/Darren England

Das tut Becker „in der Seele weh“, wie der frühere Wimbledon-Champion sagte: „Natürlich sind vor dem Gesetz alle gleich, doch er hat es nicht verdient, wie man aktuell mit ihm umgeht.“

Becker glaubt nicht, dass Djokovic fahrlässig gehandelt habe. „Er ist im guten Glauben nach Australien geflogen, eine gültige Einreisegenehmigung zu besitzen. Wären die Papiere, die er erhalten hat, nicht in Ordnung gewesen, wäre Novak niemals in den Flieger gestiegen. Er ist ja schließlich kein Idiot.“

Djokovic war erstmals während seiner heftig kritisierten Adria Tour im Juni 2020 positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damals hatte der Serbe das Ergebnis selbst publik gemacht. Dieses Mal nicht.

(dpa, AFP)

Die Anhörung zum Fall Djokovic wird ab 24 Uhr (MEZ) in der Nacht zum Montag im Livestream übertragen: über diesen Link.

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