Lewis Hamilton genießt seinen Triumph in Mexiko. Foto: AFP
© AFP

Formel-1-Weltmeister Für Lewis Hamilton sind noch mehr Titel drin

Lewis Hamilton dominiert die Formel 1 - ein Ende ist kaum abzusehen. Doch obwohl es sportlich keine Zweifel an ihm gibt, polarisiert er weiterhin.

Nun hat Lewis Hamilton mit dem legendären Juan Manuel Fangio gleichgezogen – doch für den jetzt fünfmaligen Weltmeister ist das noch gar nicht nachvollziehbar. „Fangio ist für mich der große Pate aller Racer. Der Gedanke, gleich viele Titel wie er zu gewinnen, ist für mich unwirklich“, sagt er. Selbst Michael Schumacher mit  seinen sieben Titeln nicht mehr völlig außer Reichweite. Und trotzdem: der 33 Jahre alte Brite polarisiert noch immer, ist zwar mit Abstand der bekannteste der heutigen Formel-1-Piloten, aber durchaus nicht überall der beliebteste.

Auf der Strecke sind sich die Experten einig – und selbst die Fans seiner Rivalen müssen anerkennen: An der sportlichen Leistung Hamiltons gibt es praktisch nichts mehr zu kritisieren. Auch wenn seine Dominanz in der zweiten Saisonhälfte natürlich auch durch die Pleiten-, Pech- und Pannenserie bei Ferrari noch zusätzlich begünstigt wurde. Hamilton hat auch durch seine eigene Performance seinen Teil dazu beigetragen. Pat Symonds, langjähriger Technikchef in der Formel 1, Wegbegleiter von Champions wie Ayrton Senna, Michael Schumacher und Fernando Alonso, sagt: „ Lewis hat einfach Phasen, da fährt er fast unwiderstehlich. Er zeigt Quali-Runden, welche sogar sein eigenes Team sprachlos lassen.“ 

Hamilton selbst betont aber auch oft die Teamarbeit: „Wir sind in diesem Jahr noch enger zusammengerückt. Wir  sprechen offen über Schwächen und sagen uns offen die Meinung. Ende 2017 haben mir die Ingenieure gesagt, was ich hätte besser machen können. Negative Aussagen wurmen einen und klingen im ersten Moment nicht schön. Aber auf lange Sicht kann man sich nur dadurch verbessern.“

Hamilton will nicht nur auf das Rennfahren reduziert werden

Tatsache ist: Lange Erfolgsserien eines einzelnen Fahrers funktionierten in der Geschichte der Formel 1 fast immer im Zusammenspiel eines Top-Piloten mit einem starken, gut geführten Team, angefangen von den Zeiten eines Ayrton Senna bei McLaren-Honda unter Ron Dennis über die großen Ferrari-Jahre von Michael Schumacher mit Jean Todt und Ross Brawn im Hintergrund bis zu Sebastian Vettel bei Red Bull mit vor allem Helmut Marko und Adrian Newey, aber auch Christian Horner. Hamilton hat mit der Mercedes-Truppe unter Toto Wolff diesen Hintergrund – und macht das Optimum daraus.

Es ist vielmehr das Auftreten neben der Strecke, das Jet-Set-Leben, die permanente Präsenz in der Öffentlichkeit, die Neigung zu Selbstdarstellung und auch manchmal ein bisschen viel Bling-Bling, die gerade traditionellen Formel-1-Fans nicht immer gefällt. Aber für Hamilton ist diese zweite Seite, vor allem die Musik- und Modewelt mit all ihren Stars, sehr wichtig. Denn er will er sich nicht auf den Rennfahrer reduziert sehen: „Für mich gibt es viel mehr als nur zu fahren. Das Fahren ist zwar das, was ich am besten kann. Aber es ist innerlich kein großes Teil von mir – weil ich das Gefühl habe, viel mehr bieten zu können.“

Und das will er in Zukunft auch: In seinem Musikrepertoire hat er bereits „genügend Material für einige Alben“, wann er aber mal eines veröffentlicht, weiß er noch nicht: „Musik war jedenfalls schon immer etwas, was ich machen wollte. Schon in der Schule – aber da hat mein Vater darauf bestanden, dass ich Geschichte wähle und nicht Musik. Dann hatte ich auch lange keine Zeit mehr dafür, jetzt versuche ich, das nachzuholen.“  Und er hält sich an einen Ratschlag seines Kumpels Kayne West. Der habe zu ihm gesagt: „Ich bin in der Musikwelt ein Großer, aber ich versuche auch in Sachen Mode das zu machen, was mir gefällt – und die Leute mögen es nicht. Du bist ein Großer in der Rennsportwelt, aber du magst auch deine Musik – und wahrscheinlich werden viele Leute Schwierigkeiten haben, das zu akzeptieren. Aber du musst tun, was du liebst, was dir wichtig ist – und dich nicht darum kümmern, was die anderen denken.“

Hamilton bekommt die Freiheit, die er braucht

An Mode ist er ja auch interessiert, hat jetzt seine eigene Kollektion auf den Markt gebracht.  Kurz vor dem Singapur-Rennen jettete er einmal um die ganze Welt, um sie zu promoten, nur um dann dort ein perfektes Wochenende vom ersten Training bis zur Zielflagge abzuliefern. „Jeder hat seinen eigenen Weg – und der von Lewis funktioniert für ihn ja offensichtlich sehr gut“, sagte Toto Wolff.

Diese Freiheit, die ihm Wolff und das Mercedes-Team immer wieder geben, die Freiheit, er selbst zu sein, sein eigenes Leben zu leben, und trotzdem zu wissen, stets auf die Unterstützung seiner Truppe bauen zu können, trägt sicher auch zur Stärke von Hamilton bei. Denn so unerschütterlich selbstbewusst er sich nach außen gern darstellt – es gibt auch den anderen Lewis Hamilton, den mit einer sehr sensiblen Seele.

„Die Formel 1 hat mir ein Leben gegeben, mir einen Sinn gegeben, der ziemlich speziell ist“, erzählte er einmal im Laufe der Saison 2018.  „Aber die Formel 1 hat mich auch gebrochen. Sie hat mich gebrochen und wieder aufgebaut – immer wieder.“ Was er meinte: Nach vielen Erfolgen kam auch wieder eine Niederlage. Nach seinem ersten WM-Titel 2008 folgte ein Tief mit fünf  Jahren ohne Titel.  „Wenn du da durchgehst, steckst du so viel hinein. Es bricht dein Herz und tötet dich, wenn du versagst, wenn du stolperst und dir jeder dabei zusieht. Aber wenn du wieder aufstehst und Erfolg hast, zieht es dich wieder hoch.“ 

Er  vergleicht das Auf und Ab in der Formel 1 deshalb mit einer Verletzung im wahren Leben.  „Du fällst hin und brichst dir einen Knochen, das verheilt und dann machst du weiter.“ Die Belohnung: der fünfte Titel, der vierte in fünf Jahren seit 2014 – und das muss noch lange nicht das Ende der Erfolge für ihn sein.

Zur Startseite