Vergeblich gestreckt. Berlins Samuele Tuia (Mitte) und Georg Klein konnten Friedrichshafens Bartlomiej Boladz kaum stoppen. Foto: dpa
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Finalserie gegen Friedrichshafen Was den BR Volleys in den Augen fehlte

Volleys-Manager Kaweh Niroomand kritisiert nach dem 0:3 in Friedrichshafen die Einstellung seiner Spieler. Doch etwas lässt ihn noch hoffen.

Sie mussten es erst einmal sacken lassen. Zu hart hatte die Spieler und Verantwortlichen der BR Volleys die deutliche 0:3-Niederlage beim VfB Friedrichshafen im ersten Finalspiel getroffen. Am Samstagabend kamen die Berliner dann im Teamhotel zusammen – und es gab einiges zu bereden. Dabei fand auch Manager Kaweh Niroomand deutliche Worte. „Ich habe den Spielern klargemacht, dass sich ihre Einstellung ändern muss. So etwas will ich nicht noch mal sehen“, sagt er.

Der 66-Jährige störte sich also vor allem daran, wie seine Mannschaft die Partie angegangen war. „Die meisten Spieler hatten mental nicht begriffen, worum es ging“, betont er. Ihm fehlten bei den Berlinern die Konzentration und die Emotionen. Und genau in diesen Elementen waren die Friedrichshafener ganz anders aufgetreten. „Bei denen habe ich von Anfang an in ihren Augen gesehen, dass sie unbedingt gewinnen wollten und ihr großes Ziel vom Meistertitel erreichen wollen“, sagt Niroomand.

Dementsprechend setzten die Gastgeber die Volleys sofort unter Druck, besonders mit ihren Aufschlägen. Da brillierte nicht nur der polnische Diagonalangreifer Bartlomiej Boladz, alle Friedrichshafener bereiteten den Berlinern Probleme. „Sie haben sehr variabel aufgeschlagen, nicht unbedingt sehr hart, sondern platziert, kurz, lang oder mit Flatterbällen“, sagt Niroomand. „In der vergangenen Saison sind sie beim Aufschlag nicht so viel Risiko gegangen.“

Daran haben die Friedrichshafener aber offenbar sehr gearbeitet. Und so betont VfB-Trainer Vital Heynen: „In dieser Saison haben wir einen viel stärkeren Aufschlag, das hat heute den Unterschied gemacht.“ So stark die Gastgeber aufschlugen, so schwer taten sich die Berliner in der Annahme. Schnell waren sie verunsichert – und ihnen unterliefen dann auch leichte Fehler.

Aus der wackeligen Annahme heraus wurde für die Volleys alles komplizierter. „Sergej Grankin ist ja nur über das Feld gerannt, um noch irgendwie an all die Bälle heranzukommen“, sagt Niroomand. „Dementsprechend konnten wir seine Stärken kaum nutzen.“ Und so gerieten auch die Angreifer oft in die Bredouille. Hinzu kam, dass Berlins Diagonalgreifer generell einen schwachen Tag erwischt hatten. Benjamin Patch wurde von Friedrichshafens Block schnell aus dem Spiel genommen. Für den US-Nationalspieler wechselte Trainer Cedric Enard dann bereits im ersten Satz Patchs Landsmann Kyle Russell ein. Doch auch er tat sich schwer. Und so versuchte Enard es im dritten Satz gar mit dem Talent Linus Weber, da war das Spiel aber schon so gut wie entschieden.

Bisher haben die Berliner jedes erste Auswärtsspiel verloren

„Eigentlich sind wir auf der Position gut aufgestellt“, sagt Niroomand. „Aber Patch macht sich zu sehr verrückt und ist schnell verunsichert, wenn mal etwas nicht läuft.“ Generell fehlt den Berlinern in dieser Saison ein Spieler, der auch in schwierigen Phasen konstant punktet – so wie in den Vorjahren Paul Carroll oder Robert Kromm. „Wir haben derzeit nicht den einen Unterschiedspieler im Angriff“, sagt Niroomand. „Deshalb muss das ganze Team uns da tragen. Nur hat am Samstag leider gar kein Spieler funktioniert.“

Für das zweite Play-off-Finalspiel der Best-of-Five-Serie, das am Donnerstag in der Max-Schmeling-Halle stattfindet, äußert der Manager der Volleys dann auch eine besondere Hoffnung. „Das einzig Tröstende ist: So viele Fehler wie in Friedrichshafen können wir eigentlich nicht noch mal machen.“ Zumal die Berliner in dieser Saison bisher in jeder Play-off-Runde ihr erstes Auswärtsspiel verloren haben: in Düren, in Innsbruck und nun in Friedrichshafen. „Das Phänomen ist ja, wir sind in den Serien immer zurückgekommen“, sagt Niroomand. „Die Wende ist immer noch möglich.“ Dafür müssen die Berliner aber mit der von ihm geforderten anderen Einstellung spielen.

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