Gespannt. Bei den Wettbewerben im Bogenschießen konnten die Zuschauer kostenfrei dabei sein – und waren begeistert. Foto: Monika Skolimowska/dpa
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Finals Berlin 2019 – eine Bilanz Wirklich mittendrin statt nur dabei

Im Olympiapark zeigte sich am Wochenende, wie gelungen das Konzept der Finals ist. Die deutschen Meisterschaften begeistern – trotz Pommesarmut.

Sport kann auch in Momenten der Kontemplation ausgesprochen interessant sein. Am Sonntag zum Beispiel saßen mehrere hundert Menschen auf den Tribünen des Olympiaplatzes in Berlin. Gebannt und mit bemerkenswerter Stille blickten sie auf die Wettkämpfe im Bogenschießen.

Was man beim Bogenschießen zu sehen bekommt: Ein Mann spannt den Bogen, er lässt ihn los und schon steckt der Pfeil in der 70 Meter entfernten Scheibe. Der Mehrwert für den Zuschauer? Schwer zu sagen, vielleicht einfach mal der, dass die Klappe gehalten wird. Oder aber der Umstand, dicht dran sein zu können am Sport und seinen Hauptakteuren.

Alfons Hörmann etwa, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, bewegte sich ebenso frei auf den Tribünen wie die Athleten oder Trainer. Wer wollte, konnte sich von den Trainern die Grundfertigkeiten des Bogenschießens erklären lassen. Die unschlagbare Maßgabe, dass diese Finals auch Finals zum Anfassen sein sollten, hatten die Organisatoren des Meisterschaftswochenendes in zehn Sportarten natürlich auch ausgegeben. Herzstück der gebündelten Wettkämpfe war der Olympiapark. Hier war das Bogenschießen eine Oase der Ruhe, ansonsten war es trubelig.

Wie zum Beispiel auf dem Familiensportfest. Das fand auf dem Gelände rund um den Schenckendorffplatz statt, wo sonst die Fußballer von Hertha BSC trainieren. Das Fest erinnerte an einen Rummel. Statt Dosenwerfen gab es Torwandschießen. Statt einer Fahrt in der Wilden Maus gab es einen großen Kletterparcours.

Das Konzept kam gut an. Es war rappelvoll, etwas mehr als 80.000 Menschen waren an beiden Tagen beim Familiensportfest. Selbst für die Stände und Broschüren der für Kinder grässlich langweiligen Sportverbände gab es Interesse. Auf dem Weg zurück in Richtung Olympiaplatz schwadronierte Olympiasieger Robert Harting auf der Bühne im Gespräch mit der ARD und einige junge Zuhörer in Vereinstrikots hingen ihm an den Lippen.

Ein schönes Sportfest – mit einigen Schönheitsfehlern

Die Finals am Olympiapark waren bis auf wenige Ausnahmen ein schönes Sportfest. Zu diesen Ausnahmen zählte die Pommesarmut an den Buden vor den Toren des Olympiastadions. Offenbar waren die Besitzer nicht auf den Ansturm vorbereitet. Ärgerlicher für die Betroffenen waren die Probleme beim Einlass. Besucher am Olympiastadion beschwerten sich am Samstagvormittag darüber, dass die Tickets nicht gescannt werden konnten. Teilweise kam es zu Wartezeiten von über einer Stunde. „Es habe Probleme mit den Lesegeräten“, sagte Peter Schmitt, der Pressesprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Fliegender Wechsel. Am Olympischen Platz kamen die Triathleten gleich mehrfach vorbei und zeigten sich den Zuschauern. Foto: Gregor Fischer/dpa Vergrößern
Fliegender Wechsel. Am Olympischen Platz kamen die Triathleten gleich mehrfach vorbei und zeigten sich den Zuschauern. © Gregor Fischer/dpa

Schmitt war ansonsten aber bester Laune. Seit fast 20 Jahren macht er den Job beim DLV. „So etwas wie hier habe ich in der Zeit noch nicht erlebt. Vielleicht ein Mal, Anfang der 2000er, in Stuttgart“, sagte er. Schmitt meinte insbesondere die Zuschauerzahl im Berliner Olympiastadion. 60.550 waren an beiden Tagen gekommen. Dafür, dass Deutsche Leichtathletikmeisterschaften ansonsten mehr oder weniger unter dem Radar stattfinden, sind das großartige Zahlen.

Auf der anderen Seite: Dafür, dass fast 75.000 Menschen ins Olympiastadion reinpassen, war es natürlich ein bisschen leer auf den Rängen. Vermutlich würde hier helfen, was einige Berliner Profivereine schon seit Jahren praktizieren: billigere Karten zum Verkauf freigeben und mehr Freitickets verteilen. Die Veranstalter zahlen dadurch ein bisschen drauf, aber sie gewinnen dauerhaft Fans und bekommen garantiert mehr Stimmung.

So konnten sich die Organisatoren letztlich bei der Rekordläuferin Konstanze Klosterhalfen oder der famosen Weitspringerin Malaika Mihambo bedanken, dass das riesige Olympiastadion, obwohl es nur zu etwas mehr als einem Drittel gefüllt war, mitunter eine Geräuschkulisse erreichte, als würden die Fußballer von Hertha ein wahres Feuerwerk abbrennen.

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