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Gelungene Betriebsreise: Hertha gewann in Köln mit 4:0. Foto: dpa
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Erst passiv, dann entfesselt Hertha gewinnt wildes Spiel in Köln mit 4:0

Hertha BSC gewinnt mit 4:0 in Köln und profitiert dabei auch von 50 Minuten Überzahl. Vedad Ibisevic trifft in sechs Minuten doppelt.

Vielleicht wollte Ante Covic ja wirklich mitspielen, wer weiß das schon? Am frühen Sonntagabend jedenfalls leistete sich der Trainer von Hertha BSC einen, nun ja, recht charmanten Fehltritt. Das Spiel seiner Mannschaft beim 1. FC Köln war gerade wenige Sekunden alt, als Covic mutmaßlich unbewusst seine Coaching Zone verließ und plötzlich als zwölfter Mann auf dem Feld stand. Der Vierte Offizielle bereinigte die Situation und wies den Trainer mit einem freundschaftlichen Klaps darauf hin, doch bitte wieder in den gekennzeichneten Bereich zurückzukehren.

Die Szene war ein Sinnbild für Herthas Herangehensweise: Natürlich konnten die Berliner und ihr junger Trainer eine gewisse Anspannung vor der Dienstreise ins Rheinische nicht leugnen. Im Falle eines Erfolgs winkte zum Abschluss des sechsten Bundesliga-Spieltags immerhin der Sprung auf Tabellenplatz zehn – und genau so kam es am Ende auch: Dank eines 4:0 (1:0)-Sieges beim Aufsteiger in Köln stellten die so enttäuschend in die Saison gestarteten Berliner den Anschluss ans Mittelfeld wieder. 1500 mitgereiste Anhänger feierten die Punkte fünf bis sieben entsprechend lautstark.

„Wir wussten, was für eine Kulisse auf uns zukommt und dass wir nicht vor Selbstvertrauen strotzen“, sagte Covic. „Am Anfang hatten wir zwei glückliche Momente, die wir überlebt haben. Dann hat sich die Mannschaft immer mehr zugetraut“, ergänzte er. „Für uns ist das eine ganz bittere Niederlage“, befand Kölns Trainer Achim Beierlorzer. „Wenn man sich das Drehbuch des Spiels anschaut, muss man feststellen: Der Autor war sicher kein Fan des 1. FC Köln.“
Acht Tage nach dem ersten Saisonsieg gegen Paderborn nahm Covic in seiner Startformation zwei personelle Wechsel vor: Maximilian Mittelstädt rückte für Marvin Plattenhardt auf, der kurz vor dem Anpfiff über Probleme am Sprunggelenk geklagt hatte. Zudem rotierte der formschwache Ondrej Duda auf die Ersatzbank; für ihn lief Vladimir Darida auf.

Rein taktisch änderte sich im Vergleich zum letzten Auftritt allerdings nichts auf Seiten der Berliner: sie stellten sich zunächst massiv in die eigene Hälfte und ließen den Gegner gewähren. Den Kölnern gehörten folgerichtig die ersten Aufreger des Abends: Rune Jarstein klärte an seinem 35. Geburtstag aber sowohl gegen Florian Kainz als auch gegen Jhon Cordoba.

Das Führungstor entfesselte Hertha

Auf der Gegenseite gingen die Berliner – wie schon gegen Paderborn – aus dem Nichts und mit ihrem ersten Torschuss an diesem Abend in Führung: Irgendwie landete der Ball bei Javairo Dilrosun, der völlig unbedrängt aus 20 Metern Torentfernung abziehen durfte und zum 0:1 traf. Mit dem Führungstor gewannen die Gäste merklich an Sicherheit, sie erlangten tatsächlich Spielkontrolle und erarbeiteten sich zwei weitere gute Gelegenheiten. Vladimir Daridas Schuss aus spitzem Winkel landete am Außennetz, Dilrosuns Lupfer tanzte kurz auf der Latte und sprang dann ins Aus.

Vom FC kam in dieser Phase wenig, abgesehen von selbstzerstörerischen Aktionen: Jorge Meré kam nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung zu spät gegen Darida und holte den Tschechen unsanft von den Beinen. Die Szene lief zunächst weiter – bis der Unparteiische Sören Storks nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichter die Rot gegen Meré zeigte. Gemessen an der Linie der ersten Halbzeit war es eine harte Entscheidung, die den Kölner Anhang erzürnte. Storks hatte nach einer ähnlichen Szene von Herthas Dedryck Boyata nicht mal die Gelbe gezeigt.

Hertha hatte also alle Trümpfe in der Hand. Die Berliner gingen mit einer Führung und der Gewissheit in die Kabine, das Spiel in Überzahl beenden zu können. „Wer mal Sport gemacht hat, der weiß, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, ein Team in Unterzahl so zu dominieren wie wir es getan haben“, lobte Covic, der seinerseits ein glückliches Händchen bewies. Nach einer knappen Stunde brachte er Vedad Ibisevic für den fleißigen, aber glücklosen Davie Selke – eine ausgesprochen gute Entscheidung, wie sich wenig später herausstellen sollte. Der Bosnier war handgestoppte 53 Sekunden auf dem Feld, als er nach Vorlage des ehemaligen Kölners Lukas Klünter auf 2:0 erhöhte. Wiederum drei Minuten später erhöhte Ibisevic auf 0:3, ehe Dedryck Boyata den Schlusspunkt zum 0:4 setzte. „Die Stürmer haben getroffen, wir haben endlich mal zu Null gespielt“, sagte Covic zum Abschluss, „jetzt müssen wir uns eine Woche mal nicht anhören, welche Statistiken alle nicht stimmen.“

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