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Constantin Braun erlebte in Berlin sportliche Höhen und persönliche Tiefen. Foto: dpa
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Eisbären lassen Verteidiger nach Krefeld ziehen Constantin Braun will wieder wichtig sein

Die Eisbären Berlin lassen Constantin Braun ziehen. Der Verteidiger mit der ungewöhnlichen Biografie will sich in Krefeld noch einmal beweisen.

Den Eisbären gehen so langsam die Identifikationsfiguren aus. Oder die Fans müssen sich neue suchen. Vor ein paar Tagen erst verkündete André Rankel sein Karriereende, einen neuen Vertrag in Berlin hatte er nicht mehr bekommen. Jens Baxmann wurde schon im vergangenen Jahr nach Iserlohn abgegeben und ob Florian Busch jemals wieder professionell Eishockey spielen wird, ist weiter zweifelhaft.

Wie Frank Hördler haben sie alle sieben Meistertitel mit dem Klub geholt. Hördler ist nun der Letzte der goldenen Generation, der noch in Berlin spielt.

Immerhin fünfmal Meister wurde Constantin Braun. Doch auch er wird in der kommenden Saison nicht mehr für den Verein auflaufen, bei dem er zuvor seine gesamte Karriere im Seniorenbereich verbracht hatte.  

„Constantin kam mit dem Wunsch einer Ausleihe nach Krefeld auf uns zu. Er war bei uns unzufrieden mit seiner Rolle innerhalb des Teams. In Krefeld hat er die Chance, mehr Eiszeit zu erhalten“, wird Sportdirektor Stephane Richer in einer Mitteilung der Eisbären zitiert.

Dass Braun sportlich zuletzt nur noch Ergänzungsspieler war, hatte verschiedene Gründe. Den Rest der Hauptrunde 2019/20 verpasste er aufgrund einer Innenbandteilruptur im Knie. In der Saison zuvor hatte er dem Team aufgrund einer Therapie gegen seine Alkoholabhängigkeit gefehlt, dazu war er zweimal wegen Depressionen in der Rehabilitation. Nur in den Spielzeiten 2015/16 und 2016/17 bestritt der heute 32-Jährige sämtliche Spiele für die Berliner.

Constantin Braun hat mit 32 schon eine bewegte Lebensgeschichte hinter sich

Andere Profis hätten angesichts dieser Lebenserfahrungen ihre Karrieren wohl längst beendet. Constantin Braun aber kämpfte sich immer wieder zurück. Und auch jetzt will er nicht aufhören mit dem Spiel, das ihm so viel gegeben hat oder seinen Vertrag bei den Eisbären einfach als siebter Verteidiger oder Aushilfsstürmer der vierten Reihe erfüllen. Das sei nicht das, was er sich für die kommende Saison vorstelle, erklärt Braun.

„Da ich den Anspruch habe, eine tragende Rolle innerhalb der Mannschaft zu übernehmen, habe ich Stéphane Richer und Peter John Lee gebeten, mich an die Krefeld Pinguine zu verleihen. In Krefeld kann ich dem jungen Team der Pinguine mit meiner Erfahrung helfen“, heißt es von Braun selbst. Andersherum bedeutet das wohl auch, dass er den Eisbären nicht mehr helfen kann. Zumindest muss Braun derartige Signale erhalten und daraus die Konsequenzen gezogen haben.

Auch wenn der frühere Nationalspieler in den vergangenen Jahren nicht mehr an seine starken ersten Karrierejahre anknüpfen konnte, so war er bei den Fans der Eisbären doch immer noch sehr beliebt. „Tine“ nannten sie ihn auf den Rängen und nahmen regen Anteil an seiner bewegten Lebens- und Leidensgeschichte. Die Unterstützung hat Braun genossen und sie hat ihm auch geholfen, als es ihm nicht so gut ging.

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Die Eisbären setzen mit der Braun-Leihe ihren personellen Umbruch fort. Das geschah zuletzt nicht immer freiwillig. Erst am Sonntag hatte sich Maxim Lapierre überraschend in den Ruhestand verabschiedet, dazu haben die Berliner Leistungsträger wie James Sheppard oder Louis-Marc Aubry ziehen lassen – um nur einige zu nennen.

So ganz klar ist gerade nicht, wohin der Verein in der neuen Spielzeit ab 18. Dezember steuert. Die Mischung wirkt im Moment einigermaßen zusammengewürfelt. Vielleicht hätte da ein Constantin Braun durchaus auch wichtig für den Zusammenhalt im Team sein können.

So aber wagt er in Krefeld noch einmal etwas Anderes und sollte das seiner Laufbahn tatsächlich neuen Schub verleihen, könnte er zur Saison 2021/22 zu den Eisbären zurückkehren. In Berlin hat er 2016 einen mitunter als Rentenvertrag bezeichneten Kontrakt über sieben Jahre unterschrieben. Auf die Rente hat Constantin Braun aber im Moment noch keine Lust.

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