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In der Bundesliga war für Turbine gegen die Meisterinnen aus Wolfsburg nichts zu holen. Foto: Matthias Koch/Imago
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DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg Turbine Potsdam hofft auf die große Sensation

Luca Füllgraf

Turbine Potsdam will im DFB-Pokalfinale gegen die Seriensiegerinnen vom VfL Wolfsburg nicht nur den Bus vor dem Tor parken.

Im DFB-Pokalfinale am Samstag (16.45 Uhr in der ARD) kann Turbine Potsdam in Köln aus einer guten Saison eine sehr gute machen. Dafür muss das Team aber die momentan wohl härteste Aufgabe im deutschen Fußball meistern, denn die Saison endet, wie sie begonnen hat – mit einem Spiel gegen den VfL Wolfsburg. Die Meisterinnen aus Wolfsburg gewannen den DFB-Pokal in den letzten sieben Jahren in Serie und sie sind das einzige Team, gegen das Potsdam in der Liga beide Spiele verlor.

16 000 Tickets wurden bisher für das Finale verkauft. Das Fanfest beginnt schon deutlich eher um 11.11 Uhr. „Einen Tag für den Frauenfußball“, nennt Wolfsburgs Trainer Tommy Stroot das Finale in Köln. „Wir freuen uns auf das Spiel und die Atmosphäre. Wir haben konzentriert gearbeitet. Jetzt wollen wir alles geben und schauen dann weiter“, sagt Turbines Trainer Sofian Chahed.

Trotz des knappen Verpassens der Champions-League-Qualifikation sind sie in Potsdam stolz auf Platz vier und wollen die starke Saisonleistung im letzten Spiel vor der Sommerpause noch krönen. „Unterm Strich lässt sich auf jeden Fall sagen, dass wir eine gute Saison gespielt haben und der Beweis dafür ist, dass wir jetzt als Mannschaft im Pokalfinale stehen“, sagt Turbines Torhüterin Anna Wellmann. „Wir haben besser abgeschnitten als die Ziele, die wir uns gesetzt haben.“

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Wolfsburg ist der klare Favorit, doch verstecken ist für Turbine keine Option. „Wir wollen uns nicht nur hinten rein stellen und den Bus vor dem Tor parken. Das macht über 90 Minuten keinen Sinn“, sagt Trainer Chahed, der als Turbine-Trainer noch nie gegen Wolfsburg punkten konnte. „Wir wollen nach vorne spielen und müssen aber auch noch ein bisschen verteidigen.“ Der langfristige Ausfall von Selina Cerci, der besten Potsdamer Spielerin, schmerze natürlich insbesondere in einem solchen Spiel sehr. Die Spiele ohne Cerci stimmen Chahed aber optimistisch.

Im Pokal-Endspiel ist der VfL Wolfsburg der klare Favorit, doch verstecken ist für die Mannschaft um Sara Agrez und Trainer Sofian Chahed keine Option. Foto: IMAGO/Beautiful Sports Vergrößern
Im Pokal-Endspiel ist der VfL Wolfsburg der klare Favorit, doch verstecken ist für die Mannschaft um Sara Agrez und Trainer Sofian Chahed keine Option. © IMAGO/Beautiful Sports

„Ich glaube schon, dass es in der Bundesliga dichter wird oben“, sagt Wellmann, die Bedingungen in Wolfsburg oder auch bei den Bayern seien aber schon deutlich besser. Tatsächlich wurde der Wolfsburger Kader von Tommy Stroot, der unter der Woche seinen Vertrag vorzeitig verlängerte, im Laufe der Saison tiefer und nicht dünner. Torhüterin Almuth Schult und Kapitänin Alexandra Popp kamen in der Rückrunde zurück und auch auf Ewa Pajor, beste Stürmerin des VfL, könnte Wellmann treffen.

Bei Turbine ist die Rotation deutlich kleiner. Die wohl umkämpfteste Position ist die zwischen den Pfosten. Trainer Chahed legte sich die Saison über nie auf eine klare Nummer eins fest. Vanessa Fischer machte zwölf Ligaspiele, Anna Wellmann zehn.

Ungewöhnliche Konstellation im Turbine-Tor

„Es war definitiv eine herausfordernde Saison“, sagt Wellmann. Es sei sehr ungewöhnlich, keine feste Hierarchie im Tor zu haben, und das erfordere viele Dinge wie eine rechtzeitige und transparente Kommunikation. Dann zeigten sich aber auch die Vorteile. Niveau und Spannung könnten so dauerhaft hoch gehalten werden. Entweder man wolle sich beweisen oder zurück ins Tor kämpfen. „Ich glaube nicht, dass es der normale Weg ist, aber man kann es so lösen“, sagt Wellmann.

Wer von den beide am Samstag den Vorzug erhält, sei bisher nur intern bekannt. Wellmann spielte aber bisher immer im Pokal. In der letzten Runde ging es in Leverkusen bis ins Elfmeterschießen. Damals wurde vorher nicht geübt. Das sieht dieses Mal anders aus. Die ein oder andere Spielerin hab sich nach dem Training einen Ball genommen und geschossen. „Vorgestern haben wir es einmal als Gruppe gemacht und jede musste einmal schießen.“ Turbine testete außerdem noch gegen eine Jugendmannschaft von Kooperationspartner Hertha, um unter Spannung zu bleiben.

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Nach dem Pokal- und Saisonfinale dürfte die Spannung dann schnell abfallen. Wellmann freut sich darauf, noch ein letztes Mal in dieser Konstellation zusammenzukommen: „Dann geht es für viele tatsächlich in verschiedene Richtungen“, sagt Wellmann und meint damit den Urlaub nach der Saison. Das ließe sich aber auch so für die vielen Wechsel festhalten: Topscorerin Melissa Kössler zieht es nach Hoffenheim, bei den Stammspielerinnen Gina Chmielinksi und Dina Orschmann ist das Ziel noch unbekannt und Kapitänin Sara Agrez schließt sich Finalgegner Wolfsburg an.

Agrez zukünftige Kollegin und ehemalige Turbine-Spielerin Svenja Huth erwartet am Samstag ein enges Spiel. Potsdam sei traditionell zweikampfstark, könne aber auch etwas mit dem Ball anfangen. Über die Zukunft müsse man sich in Potsdam sowieso wenig Gedanken machen, ist sich Huth sicher. Das habe dort trotz vieler Ab- und Zugänge Jahr für Jahr noch immer geklappt.

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