Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
"Hockey is Diversity" arbeitet nun mit der DEL zusammen gegen Rassismus im Eishockey. Foto: Martin Hyun
© Martin Hyun

DEL-Kooperation gegen Rassismus Für mehr Toleranz im deutschen Eishockey

Martin Hyun

Die DEL kooperiert künftig mit "Hockey is Diversity", um eine inklusive Kultur im Eishockey zu etablieren. Ein Gastbeitrag von "HiD"-Gründer Martin Hyun..

Am 21. Januar 2021 wurde eine Partnerschaft zwischen der Deutschen Eishockey Liga (offiziell "Penny-DEL") und "Hockey is Diversity" im Kampf gegen Rassismus und für eine inklusive Willkommenskultur im Eishockey beschlossen. Ein historischer Tag, von der die Sportwelt nur wenig Notiz nahm. Es ist europaweit die erste Partnerschaft dieser Art. Damit geht die DEL mit gutem Beispiel voran.

„Wir freuen uns über die neue Kooperation mit "Hockey is Diversity". Mit unserer Haltungs-Initiative #TEILDESSPIELS legen wir als Liga sehr viel Wert darauf, auch allgemeine gesellschaftliche Themen zu adressieren und dadurch aktiv an der Zukunftssicherung des Eishockeysports und der Liga mitzuarbeiten.

Dabei möchten wir vor allem auch unserer sozialen Verantwortung gerecht werden. Rassismus hat in der DEL keinen Platz und es gilt, immer wieder hierfür zu sensibilisieren und präventiv aufzuklären“, sagte Gernot Tripcke, DEL-Geschäftsführer.

In einem konstruktiven Austausch mit der Liga wurde zum Start der Partnerschaft vereinbart, dass die Mitarbeiter*innen der DEL-Geschäftsstelle sowie Schiedsrichter mit einem Diversity-Training geschult werden. Ziel der ersten Diversity-Trainings ist es, Hintergrundwissen über Rassismus und seine Terminologien zu vermitteln, die Förderung einer Offenheit für jede Art von Differenz, Respektierung von Multiethnizität und dadurch Diversity-Kompetenz zu gewinnen.

Im 21. Jahrhundert ist es für kein Unternehmen zeitgemäß, Menschen in Führungspositionen zu haben, die auf ihrem Weg keinerlei Diversity-Kompetenz erlangt haben oder verfügen. Des Weiteren wollen wir mit der Liga den Anteil und die Sichtbarkeit von Trainer*innen mit Migrationsgeschichte, People of Color (POC) systematisch weiterentwickeln und sie so in ihrer Entwicklung unterstützen.

Es ist wichtig, ein Umfeld der Repräsentation zu schaffen, das als Vorbild und Identifikationsfigur fungiert - speziell für Minderheiten bzw. POC aus nicht-traditionellem Eishockeyhaushalt. Im Rahmen der Partnerschaft wollen wir mit der Liga und seinen Teams in der Einstellungspraxis mit dem Ziel zusammenarbeiten, die Belegschaft und Geschäftsstellen der Klubs vielfältiger und diverser zu gestalten.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräteherunterladen können]

Der demografische Wandel wird nicht nur unseren Sport nachhaltig verändern, sondern auch sein Gesicht. Hier ist es zudem auch wichtig, diverse Talente Einblicke in die Eishockeybranche zu ermöglichen. Diese könnten u.a. durch Praktika erworben werden. Die richtige Architektur ist unabdingbar um Diversity als ein Teil unserer sportlichen DNA zu machen. Sportorganisationen sind in der Pflicht, die Vielfalt unserer Gesellschaft in ihren Strukturen widerzuspiegeln. Nur so kann der Sport weiterwachsen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Zusammenarbeit ist die Teilhabe an den DEL-Future Camps. Die Future Camps richten sich an Kinder zwischen zehn und 13 Jahren der DEL-Klubs, die unter Anleitung aktueller und ehemaliger Spieler auf und neben dem Eis geschult werden. Hier werden wir Trainer*innen und Spieler*innen mit Migrationshintergrund und POC einbinden.

Nach dem Motto: „If you can see it, you can be it!“ Junge POC Spieler*innen wollen wir zudem in Zusammenarbeit mit der Spielervereinigung (SVE) mit Spielern vernetzen, die als Mentoren fungieren sollen.

"Eishockey ist ein weißer Sport"

Ferner umfasst die Zusammenarbeit die Einbindung aktueller Spieler der Liga als Verbündete im Kampf gegen Rassismus, die als "Hockey is Diversity"-Botschafter agieren. Eishockey ist ein weißer Sport. Und der Sport selbst wird von weißen Menschen geführt. Wir brauchen diese Menschen als Verbündete. Wir möchte sie einladen, ein Teil der Lösung sein zu wollen und diesen Veränderungsprozess auch anzuführen. Veränderungen herbeizuführen bedarf Teamarbeit.

Ein weiterer Punkt unserer Kooperation mit der Liga ist die Einführung eines Themen-Spieltags - ganz im Zeichen gegen Rassismus. Zudem möchten wir mit Eishockey-Fans und Nachwuchsvereine zusammenarbeiten, um die Sensibilität dieser Thematik zu stärken.

Wir alle wissen um die integrative Macht des Sports. Doch um dies zu erreichen, müssen Sportfunktionäre und Entscheider sicherstellen, dass der Sport inklusiv und so für Menschen aus allen Lebensbereichen zugänglich gemacht wird. Wir müssen POC, die keine Vorgeschichte mit diesem Sport haben, die Möglichkeit geben, ihre eigene Geschichte zu schreiben.

Erst kürzlich wurden wir Zeugen der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten Joe Biden, der ein Kabinett zusammengestellt hat, das die Vielfalt des Landes repräsentiert. Zahlreiche hochrangige deutsche Politiker gratulierten Biden. Schaut einer in die Gesichter unseres Bundeskabinetts, so spiegeln sich zwei Dinge sehr deutlich wider – weiß und homogen. Selbst der Kabinettausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus ist komplett weiß. In einem Einwanderungsland wie Deutschland ist das ein Armutszeugnis.

Klares Statement der DEL

Rassismus ist ein sehr schmerzhaftes Thema, das sehr hitzig, kontrovers und emotional diskutiert wird. Es findet leider nicht den gleichen gesellschaftlichen Anklang und Konsens, wie wir z.B. bei der Pinktober- oder Movember-Aktion erleben. Das mussten wir bei der Verkündung der offiziellen Partnerschaft mit der Penny-DEL nun erfahren. Kommentare wie: „Man kann es nicht mehr lesen und hören“, „Die nächste Keule…es nervt“, „Ich kann diese Scheiße einfach nicht mehr lesen“.

Es sind immer die gleichen Kommentare. Bei der Brustkrebsaktion „Pinktober“ würden die Verfasser dieser Zeilen, dessen engsten Familienmitglieder davon betroffen sein könnten, sicherlich nicht so unreflektiert kommentieren. Nichtsdestotrotz zeigen diese Kommentare, dass Eishockey nicht immun gegen Rassismus ist – im Gegenteil. Wer auch immer anders denkt, oder ein Problem mit dieser Aussage hat, ist Teil des Problems. Denn Spieler*innen und POC, so wie ich, haben es durchlebt und erfahren es immer noch.

Die Partnerschaft mit der Penny-DEL ist das Resultat eines mutigen Anfangs, gemeinsam unseren Sport inklusiver zu gestalten. Wie ein Freund von "Hockey is Diversity" einst sagte: „Das bloße Ändern des Gesichts des Eishockeys wird die Eishockeykultur nicht verändern.

Die Veränderung der Eishockeykultur wird jedoch dazu beitragen, das Gesicht des Eishockeys jetzt und in Zukunft zu ändern“. Das Fundament für ein Kulturwandel im Eishockey wurde gelegt. Und die Penny-DEL hat mit dieser Partnerschaft ein klares Bekenntnis abgelegt - nämlich ein Teil der Lösung zu sein

Zur Startseite