Streitthema Videobeweis. Schiedsrichter Sören Storks machte in Berlin am Wochenende keine glückliche Figur. Foto: Soeren Stache/dpa
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Dauer-Streitthema Videobeweis Deshalb gibt es immer noch verschiedene Regelauslegungen

Der DFB hatte sich beim Projekt Videobeweis viel vorgenommen, die Probleme bleiben aber die gleichen. Dabei wären sie so einfach zu lösen.

Es ist nur schwer zu glauben, dass der Videoassistent den Schlag von Leipzigs Konrad Laimer auf die Nase Niklas Starks beim Blick auf die Bilder nicht als Foul geahndet hat. Doch letztlich muss genau das beim Heimspiel von Hertha BSC gegen RB Leipzig am Samstag der Fall gewesen sein. Sonst hätte er die Empfehlung aussprechen müssen, dass sich der Schiedsrichter den Vorfall noch einmal anschaut. Dies muss passieren, wenn der Videoassistent von einer offensichtlichen Fehleinschätzung ausgegangen wäre oder der Schiedsrichter den Vorfall schlicht nicht gesehen hätte.

Entscheiden darf er schließlich nichts. Videoassistent und Schiedsrichter sprachen lange miteinander – und kamen anscheinend zu dem Entschluss, dass keine strafbare Aktion vorlag. Der Videoassistent empfahl dem Schiedsrichter also, nach Ansicht der Bilder, tatsächlich weiterspielen zu lassen.

Es sind Szenen wie diese, wegen derer der Videobeweis nicht zu Unrecht Gegenstand nicht enden wollender Diskussionen geworden ist. Dabei sollte in dieser Saison alles besser laufen als in den vergangenen beiden Spielzeiten. Die Verantwortlichen um Jochen Drees, Leiter der Projekts Videobeweis beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), hatten vorgegeben, dass die Entscheidungen zügiger getroffen werden sollen – und vor allem transparenter für die Zuschauer.

Verhältnismäßig schnell wurde die Entscheidung, bei Hertha gegen Leipzig keinen Elfmeter zu geben, auch am Samstag getroffen – was allerdings daran lag, dass es keine Intervention des Videoassistenten gab, er dem Schiedsrichter also nicht den Rat gab, es sich nochmals anzusehen. Transparent konnte die Szene also auch nicht werden, da die Zuschauer eben nur dann die Bilder gezeigt bekommen, die der Videoassistent sieht, wenn dieser den Schiedsrichter in die Review Area schickt.

Die Szene in Berlin war also eine auf allen Ebenen unglückliche in puncto Videobeweis. Und machte das eigentliche Problem deutlich, das nicht Geschwindigkeit und Transparenz heißt. Denn diese beiden Punkte sind den Fans wohl herzlich egal, wenn die Regelauslegung einheitlich ist. „Den Anspruch, dass keine Fehler mehr passieren, kann man nicht haben. Wir arbeiten in einem Liveprozess“, sagte Drees bereits vor der Saison. Allerdings war der Fehler in Berlin einer der besonderen Güte. Weil wohl davon auszugehen ist, dass die Entscheidung unter anderen Umständen anders – um nicht zu sagen richtig – ausgefallen wäre. Und auf diese Umstände hat der DFB direkten Einfluss.

Warum keine festen Teams und Professionalisierung?

So ist und bleibt es verwunderlich, dass es anders als auf dem Platz keine festen Teams gibt. Also keine eingespielten Schiedsrichter und Videoassistenten. Dies erschwert offensichtlich die Abstimmung. Das Argument der vergangenen Saison, dass es personell schlicht und einfach nicht möglich sei, greift nicht mehr. Inzwischen gibt es weit über 100 Unparteiische, die in der Arbeit mit dem Videobeweis firm sind – aufgrund der Einführung der Technik auch in der Zweiten Liga.

Hinzu kommt, dass es noch immer keine festen Videoassistenten gibt, die nur auf diese Arbeit spezialisiert sind. Es kann niemand jede Woche das gleiche Niveau erwarten, wenn der Schiedsrichter der Vorwoche nun Videoassistent ist und umgekehrt. Ohne Professionalisierung der Videoassistenten bleibt die Qualität der Spielleitungen im Zusammenspiel von ständig wechselnden Teams aller Voraussicht nach begrenzt.

Gegen das Argument, dass auch Schiedsrichter und Videoassistenten Menschen sind und Menschen nun mal Fehler machen, ist nichts einzuwenden. Doch ist es dem DFB noch nicht gelungen, beim Projekt Videobeweis Strukturen zu schaffen, die die Fehlerwahrscheinlichkeit eindämmen. Dabei ist der große Vorteil der Verantwortlichen gegenüber dem Videoassistenten eigentlich: Sie können nicht nur empfehlen – sie dürfen auch entscheiden.

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