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Perfekte Ergänzung. Susann (links) und Nina Müller haben schon vor ihrem Engagement bei den Spreefüxxen das gleiche Trikot getragen. Foto: imago images/Beautiful Sports
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Aufstiegsambitionen der Berliner Handballerinnen Alles Müller bei den Spreefüxxen

Ein Paar lässt die Spreefüxxe von der Bundesliga träumen: Susann sitzt auf der Trainerbank – ihre Ehefrau Nina steht auf dem Spielfeld.

Eigentlich wollten sich Nina und Susann Müller vor zwei Jahren zusammen in Leipzig niederlassen. Beide renommierte Handballerinnen, die sowohl national als auch international ihre Erfolge gefeiert haben, suchten nach neuen Herausforderungen an ihrer alten Wirkungsstätte. Eigentlich. Denn dann kam es anders als geplant. Susann erhielt ein Angebot als Trainerin bei den Spreefüxxen in Berlin, während ihre Frau Nina in der sächsischen Hauptstadt eine Ausbildung im Lebensmittel-Einzelhandel machte. Statt zusammenleben und heimisch werden standen Wochenendbeziehung und Pendeln auf dem Programm.

Eine persönlich schwierige Entscheidung, die das Paar indes nicht bereut hat. „Ich fand schon immer, dass sie dafür gemacht ist”, sagt Nina Müller über ihre Frau als Trainerin. Und der Erfolg gibt ihr recht. Wochenlang führte die einstige Mittelfeldmannschaft der Spreefüxxe in dieser Saison die Tabelle der zweiten Bundesliga an und steht momentan auf Platz drei – mit weiter bestehenden Aufstiegschancen.

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Das liegt allerdings nicht nur an Trainerin Susann Müller, sondern genauso an Spielerin Nina Müller. Nina, acht Jahre älter als ihre Frau, hatte 2019 das Trikot an den Nagel gehängt, nachdem sie mit dem Thüringer HC die Meisterschaft gewonnen hatte. Als sich nun aber der Kader der Spreefüxxe verletzungsbedingt ausdünnte, konnte die mittlerweile 40-Jährige nicht anders, als diese Entscheidung noch einmal zu überdenken und bei den Berlinerinnen einzuspringen. „Am Anfang habe ich den Handball gar nicht so vermisst und beim Laufen meinen neuen Ausgleich gefunden”, erklärt Müller. „Jetzt wieder im Team zu sein und den sozialen Austausch zu haben – da merkt man, wie sehr man es vermisst hat. Das bleibt immer in einem drin.” Fast ihr gesamtes Leben lang hat die gebürtige Bremerin Handball gespielt, gewann Titel in Deutschland, Slowenien und Dänemark.

Nun läuft sie – wenn es ihr Beruf in Leipzig zeitlich erlaubt – in der zweiten Liga auf, bei einem Team, deren Sportlerinnen teils über zwei Dekaden jünger sind als sie. Müller sieht es gelassen: „Das bin ich von meinen letzten Vereinen gewohnt. Mit so vielen jungen Spielerinnen, die so talentiert sind, habe ich bisher aber noch nicht zusammengespielt.” Natürlich würden da zum Teil Fehler passieren, die so in einer Profi-Mannschaft nicht geschehen würden. Doch Müller ist beeindruckt vom Potential des Spreefüxxe-Kaders, möchte dies so gut wie möglich fördern. Sei es durch ihren sportlichen Einsatz, Einzelgespräche, taktische Erklärungen oder einfach allein durch ihre Anwesenheit.

Nina und Susann Müller kommen gemeinsam auf fast 300 Länderspiele

So ergänzen sich die Müllers in ihrem Stil nahezu perfekt. Susann, die als Trainerin die Anforderungen vorgibt, und Nina, die auf und abseits des Feldes helfen kann, diese Ziele umzusetzen. Dass die beiden im gleichen Verein aktiv sind, ist für das Paar derweil nichts Ungewöhnliches. Zusammen haben sie schon bei zig Klubs gemeinsam angeheuert. Die momentane Konstellation ist hingegen etwas überraschend. Vor allem wenn man betrachtet, dass es vor drei Jahren Nina war, die bei der SG Bietigheim Co-Trainerin werden sollte, während Susann dort als Spielerin aktiv war. Die Pläne gingen allerdings nicht auf und endeten sogar mit einem unrühmlichen Abschied vom damaligen Deutschen Meister.

„Wir wissen bis heute nicht, was uns da genau vorgeworfen wurde”, erklärt Nina Müller, die 2018 zusammen mit Susann von heute auf morgen freigestellt wurde. Angeblich, so wurde öffentlich gemutmaßt, hätten sich die beiden aufgrund geringer Einsatzzeiten heimlich nach einem neuen Verein umgesehen – Vorwürfe, die Müller nur verneinen kann. „Wir waren dort glücklich und erfolgreich. Für uns gab es keinen Grund wegzugehen”, berichtet die Rückraumspielerin.

Inzwischen ist das Kapitel abgeschlossen, haben die Vorkommnisse das Paar nur stärker zusammenwachsen lassen. Nina und Susann wissen, was sie aneinander haben. Und das merkt man ihnen bei den Spreefüxxen an. „Sie sieht die Dinge mit anderen Augen und das hilft mir”, sagt Susann Müller, während ihre Frau Nina kein Problem damit hat, sich als Spielerin unterzuordnen: „Ich respektiere sie total als Trainerin. Da ist es für mich nicht schlimm, wenn sie mir Anweisungen gibt oder auch mal meckert.” Die beiden haben gelernt, wie sie innerhalb einer Mannschaft funktionieren – und auch, wie sie die Geschehnisse in der Halle vom Privaten trennen können.

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Dadurch macht sich das Duo, das gemeinsam auf fast 300 Länderspiele für Deutschland kommt, gegenseitig und ebenso die Spreefüxxe besser.

So gut, dass der Verein nach fünf Jahren Abstinenz in dieser Saison wieder vom Aufstieg in die Erste Liga träumen darf. Platz eins scheint zwar außer Reichweite, jedoch besteht noch die Möglichkeit auf den Relegationsrang. „Da habe ich nochmal richtig Bock drauf, so etwas zu erleben”, sagt Müller, für die es dann aber wirklich der Abschluss ihrer Spielerkarriere gewesen sein soll. Doch wer weiß, ob es für sie nicht anderweitig bei den Spreefüxxen weitergeht. Als Trainer-Duo machen die Müllers mit Sicherheit eine ebenso gute Figur und könnten so ihren Weg in Berlin gemeinsam weitergehen.

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