Albas Nachwuchstalent Jonas Mattisseck (Mitte) hatte beim Sieg im Pokalviertelfinale in München seinen ersten großen Auftritt. Foto: Angelika Warmuth/dpa
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Alba Berlin gegen Bayern München Ein Hauch von Play-offs

Die Berliner Basketballer gehen mit einigen Problemen in das Heimspiel gegen Tabellenführer Bayern München am Sonntag.

Marco Baldi ist in dieser Saison selten allein. Der Manager von Alba Berlin sitzt bei Heimspielen stets direkt hinter der Bande, ganz nah am Parkett. Neben ihm und Sportdirektor Himar Ojeda nehmen die verletzten Spieler Platz – und das könnten auch im Topspiel der Basketball-Bundesliga gegen Bayern München an diesem Sonntag (18 Uhr, Arena am Ostbahnhof und live bei Magentasport) einige sein. „Das ist alles noch relativ offen und wird sich erst kurzfristig entscheiden“, sagt Baldi bezogen auf die vier fraglichen Berliner.

Bei der knappen Niederlage in Bayreuth am Donnerstagabend musste Albas Trainer Aito Garcia Reneses auf Derrick Walton (muskuläre Probleme an der Hüfte), Martin Hermannsson (muskuläre Probleme im Oberschenkel) und Niels Giffey (Überbelastung des Sprunggelenks) verzichten, zudem setzte ein Zusammenstoß Johannes Thiemann nach wenigen Sekunden außer Gefecht. Der Center erlitt eine schmerzhafte Prellung am Schienbein. „Bei ihm wird das ein Wettlauf mit der Zeit“, sagt Baldi.

Am zuversichtlichsten sind die Berliner bei Point Guard Walton, auch für Giffey könnte es reichen. Der deutsche Nationalspieler hat bereits die vergangenen drei Spiele ausgesetzt. „Wenn es ein Finale wäre, würde er sicher spielen“, sagt Baldi. Aber so weit ist Alba noch lange nicht. Noch geht es für die Berliner darum, sich in den letzten sechs Hauptrunden-Spielen eine gute Ausgangsposition für die Play-offs zu erarbeiten.

Die Chancen, Oldenburg auf Platz zwei noch einzuholen, sind durch den vermeidbaren Ausrutscher in Bayreuth deutlich gesunken. Die Niedersachsen haben ein Spiel weniger verloren und den direkten Vergleich gegen Alba für sich entschieden. „An Platz zwei glaube ich nicht mehr“, sagt Baldi. Am wahrscheinlichsten ist derzeit der dritte Rang, selbst eine Niederlage gegen Bayern würde daran nicht viel ändern. „Wir wollen die bestmögliche Ausgangsposition erreichen und stehen dadurch natürlich auch unter Ergebnisdruck“, sagt Baldi. Vor allem müsse das Team aber trotz der Verletzungen und der Belastung seinen Rhythmus, seinen Spielstil beibehalten.

Gegen die Münchner kommt diesem Aspekt traditionell eine besonders hohe Bedeutung zu. Beide Mannschaften kennen sich durch etliche Duelle: In der vergangenen Saison setzten sich die Bayern sowohl in der Meisterschaft als auch im Pokal im Finale gegen Alba durch, und auch in der aktuellen Spielzeit gab es schon zwei Aufeinandertreffen. Der Schlüssel zum Sieg ist dabei eigentlich immer, dem Gegner den eigenen Spielstil aufzuzwingen. Die Münchner haben ihre Stärken im geduldigen Angriff, bei dem sie ihre höhere individuelle Qualität und Erfahrung ausspielen können. Alba ist meist dann stark, wenn es dem Team gelingt, Bälle zu erobern und dann schnell abzuschließen.

"Dürfen keine Alibis suchen"

Die Ausgangslage spricht nicht unbedingt für die Berliner. Anders als vor dem Pokal-Viertelfinale im Dezember, das Alba in München gewann, konnte sich Bayern in Ruhe auf das Spiel vorbereiten. Seit die Münchner ihre Euroleague-Saison beendet haben, absolvierten sie nur vier Spiele, Alba im selben Zeitraum acht. „Diese Spieldichte wäre schon mit vollem Kader nicht gut, aber durch die Ausfälle geht das an die Substanz, da ist nicht mehr viel mit Dosieren“, sagt Baldi. Auch mit Blick auf die Play-offs sei die Situation schwierig, denn die aktuelle Phase diene normalerweise dazu, um gewisse Aspekte des Spiels zu vertiefen oder ein paar Überraschungen einzustudieren. Alba muss sich hingegen fast ohne richtiges Training von Spiel zu Spiel hangeln. „Wir dürfen aber jetzt nicht schon im Vorfeld irgendwelche Alibis suchen“, sagt Baldi.

Gegen die Bayern erwartet der Manager am Sonntag in jedem Fall einen großen Basketball-Abend. Für das Spiel sind bereits über 12.000 Tickets verkauft, und das Duell mit dem großen Rivalen der vergangenen Jahre verbreitet Play-off-Atmosphäre. Bis die entscheidende Phase der Saison beginnt, dürfte sich Albas Lazarett gelichtet haben – vielleicht wird aber schon am Sonntag ein Plätzchen neben Baldi frei.

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