Ein letztes Mal wird Fabian Lustenberger für Hertha ins Olympiastadion einlaufen. Foto: Manfred Thomas
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Abschied von Fabian Lustenberger Schluss mit Lusti bei Hertha BSC

Fabian Lustenberger trägt am Samstag im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen zum letzten Mal das Trikot von Hertha BSC. Eine Würdigung.

Werfen wir zunächst einen Blick zurück ins Jahr 2007, in der die Fußball-Bundesliga einen sehr geschäftigen Sommer erlebt. Beim FC Bayern zapfen sie das viel zitierte Festgeldkonto an und verpflichten für 70 Millionen Euro die Herren Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose; seinerzeit eine gewaltige Summe, für die es heute nicht mal mehr einen Verteidiger von internationalem Format gibt.

Auch auf dem Konto von Hertha BSC gehen in diesen Tagen zwei Überweisungen im Millionenbereich ein: Kevin-Prince Boateng wird zu den Tottenham Hotspurs veräußert, seinen jüngeren Bruder Jérôme zieht es zum Hamburger SV – und als Ersatz kommt ein junger Mann aus der Schweiz, zarte 19 Jahre, mit markanter, blonder Lockenpracht, den sich der damalige Trainer Lucien Favre ausdrücklich gewünscht hat: ein gewisser Fabian Lustenberger.

Man muss sich all diese Namen und Summen noch einmal vor Augen führen, um zu begreifen, wie lange es Lustenberger vor seinem letzten Spiel im blau-weißen Trikot am Samstag gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr, Olympiastadion) tatsächlich ausgehalten hat bei Hertha BSC: zwölf Jahre an der Zahl – eine außergewöhnlich lange Zeit im schnelllebigen Profi-Geschäft. „Als ich hier mit 19 Jahren ankam und auf der Pressekonferenz von Dieter Hoeneß vorgestellt wurde, hätte ich mir das nie erträumen lassen“, sagt der Schweizer. „Damals dachte ich nur: Bundesliga – das wird geil!“

Daheim im Elternhaus, so erzählt es Lustenberger, wurden die Uhren stets nach den Anstoßzeiten in der höchsten deutschen Liga gestellt. Mama Lustenberger schmierte Brote, und die ganze Familie nahm im Wohnzimmer auf der Couch Platz, um gemeinsam die Spiele zu verfolgen. „In Deutschland zu spielen war immer ein Traum“, sagt Lustenberger, „und ich habe ihn gelebt.“

Mittlerweile ist der 31-Jährige neben Franck Ribéry dienstältester aktiver Bundesliga-Profi – und auch bei Hertha BSC hat er nachhaltig Spuren hinterlassen: Nur fünf Spieler haben in ihrer Karriere mehr Einsätze für die Berliner bestritten als Lustenberger (307): der scheidende Cheftrainer Pal Dardai (373), Holger Brück (356), Michael Sziedat (353), Andreas Schmidt (336) und Hans Weiner (331). „Eine schöne Zahl, auf die ich eines Tages sicher gern schauen werde“, sagt Lustenberger darauf angesprochen, aber um Statistiken oder Rekorde sei es ihm nie gegangen. „Trotzdem zeigt es, dass ich mich in Berlin wohl gefühlt und immer alles gegeben habe.“

Diesen Umstand dürften am Samstag auch die Menschen im Olympiastadion zu huldigen wissen. „Ich habe keine Ahnung, was mich da erwartet, ich lasse mich einfach mal überraschen“, sagt Lustenberger, „aber es wird sicher emotional werden.“ Lustenberger will mit seinen beiden Söhnen ins Stadion einlaufen, um ein letztes Mal die Atmosphäre eines gut gefüllten, stimmungsvollen Olympiastadions aufzusaugen.

Nur fünf Spieler sind in der Bundesliga häufiger für Hertha aufgelaufen als Lustenberger

Obwohl Niklas Stark am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen ist, wird Lustenberger gegen Leverkusen in der Startelf stehen. Er hat seinen Wert für Hertha BSC auch in dieser Saison wieder nachgewiesen; er bestritt 28 von insgesamt 33 Bundesliga-Begegnungen und hätte unter rein sportlichen Aspekten locker noch ein, zwei Jahre in Deutschland dranhängen können. „Für mich fühlt es sich jetzt aber richtig an, zurück in die Heimat zu gehen und eine neue Herausforderung anzunehmen“, sagt er.

Ab 1. Juli wird Lustenberger seine Brötchen bei Young Boys Bern verdienen – und wenn es gut läuft und der Schweizer Meister die Qualifikation schafft, könnte Lustenberger im fortgeschrittenen Sportleralter sogar zum ersten Mal in seiner Fußballer-Laufbahn in der Champions League auflaufen. „Das wäre nochmal ein echtes Highlight“, sagt Lustenberger.

Grundsätzlich sei er stolz, den Verein zu einem Zeitpunkt zu verlassen, an dem er noch wichtig für die Mannschaft ist, sagt Lustenberger. „Nicht dass die Leute irgendwann auf eine Saison zurückblicken und sagen: Ach, der Lustenberger war auch noch dabei, den hätten wir ja fast vergessen."

Damit auch der Umkehrschluss gilt und Lustenberger Berlin in guter Erinnerung behält, ist der scheidende Publikumsliebling in den vergangenen Tagen und Wochen von zahlreichen Fans beschenkt worden. Am besten gefallen hat ihm dabei ein Fotobuch mit Aufnahmen aus zwölf Jahren bei Hertha BSC. „Da merkt man erst mal, was man alles erlebt und mitgemacht hat“, sagt Lustenberger. Tatsächlich waren vom Abstieg in die Zweite Liga bis zur Europapokal-Qualifikation alle Höhen und Tiefen dieses Sports vertreten. „Der Fußball wird mir nicht fehlen, ich spiele in Bern ja weiter“, sagt Lustenberger zum Abschluss, „aber Berlin wird mir definitiv fehlen.“

Wie es bei Hertha mit dem neuen Cheftrainer Ante Covic weitergeht, in welche Richtung der Verein künftig steuert und mit welchem Personal er das tut – all das will Fabian Lustenberger natürlich weiter aufmerksam verfolgen. „Ich bin gespannt, wie die Mannschaft nach der Sommerpause aussieht“, sagt er, „ich werde ihr aus der Schweiz die Daumen drücken.“

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