Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Robert Lewandowski steigt deutlich höher als Dedryck Boyata und Niklas Stark (re.) und macht das 2:0 für die Bayern. Foto: REUTERS
© REUTERS

Update 0:5-Schlappe beim Meister Hertha BSC geht bei den Bayern unter

Stefan Hermanns

Zu Anfang haben die Berliner eine sehr große Chance. Danach kommt nicht mehr viel. Hertha BSC bleibt damit Tabellenletzter.

Die Verwirrung bei Hertha BSC war groß. Vor allem Stevan Jovetic schien nicht recht zu begreifen, was von ihm verlangt wurde. Der Laufweg, den Andreas „Zecke“ Neuendorf, der Co-Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten, ihm anzeigte, kam ihm reichlich seltsam vor. Jovetic, der schon auf dem Weg in die Kabine gewesen war, weil er nicht weiterspielen konnte, wurde noch einmal zurück aufs Feld geschickt.

Ein paar Sekunden versuchte er es, dann sank er erneut zu Boden und ließ sich endgültig auswechseln. Es war nur einer von vielen Momenten, in denen es der Vertretung aus Berlin am Samstagabend gegen den FC Bayern München an Klarheit fehlte.

Nachdem Hertha in den vergangenen Jahren oft recht ordentlich gegen die Großmacht aus dem Süden ausgesehen hatte, wurde es diesmal nach einen letztlich doch bedenklichen Auftritt arg deutlich: 0:5 (0:2) hieß es am Ende. „Heute hatten wir gar keine Chance“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai. „Wir waren nicht ganz dabei. Momentan ist es schockierend.“

Für die Mannschaft von Trainer Pal Dardai war es im dritten Saisonspiel die dritte Niederlage. In Herthas Bundesligageschichte hat es das zuvor erst einmal gegeben. 1972/73 war das. Da reichte es am Schluss zumindest noch zu Rang 13. Einstweilen aber verharren die Berliner am Tabellenende. „Wir müssen uns alle ein Stück weit hinterfragen, was wir nicht richtig gemacht haben“, sagte Sportdirektor Arne Friedrich.

Dardai hatte sein Team auf vier Positionen verändert: Deyovaisio Zeefuik (für Peter Pekarik), Lucas Tousart (für den verletzten Kevin-Prince Boateng) und Jovetic (für Javairo Dilrosun) rückten neu ins Team. Außerdem hatte sich Marvin Plattenhardt kurzfristig mit Adduktorenproblemen abgemeldet, er wurde durch Maximilian Mittelstädt ersetzt.

Von den Neuen, die Hertha in dieser Woche verpflichtet hatte, saß nur Ishak Belfodil auf der Bank. Er kam nach einer Stunde für den angeschlagenen Davie Selke. Oliver Christensen und Jurgen Ekkelenkamp standen noch nicht im Kader.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können]

„Wir bekommen noch ein paar Spieler“, verkündete Dardai nach dem Spiel. Man brauche noch Kreativität und Schnelligkeit. Der monegassische Radiosender RMC berichtete derweil, dass Hertha sich mit OGC Nizza über einen Wechsel des 22 Jahre alten Stürmer Myziane Maolida geeinigt habe.

Verstärkung tut not, obwohl es gegen die Bayern sogar recht verheißungsvoll begonnen hatte. Schon in der zweiten Minute lief Selke nach einem tödlichen Pass in die Spitze auf Torhüter Manuel Neuer zu. Das Zuspiel kam vom Münchner Leon Goretzka, der nach seinem Fehler gleich die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Doch Selke ließ die unverhoffte Gelegenheit ungenutzt. Anstatt noch ein paar Meter zu laufen, zog er überhastet ab und konnte Neuer nicht überwinden.

Serge Gnabry leitet die Führung für die Münchner ein

Nachdem er kurz darauf – aus allerdings spitzem Winkel – einen weiteren Ball über das Tor gesetzt hatte, verzeichnete Selke alleine in den ersten fünf Minuten mehr Torschüsse als die gesamte Mannschaft der Bayern. Dass das nicht unbedingt etwas bedeuten muss, zeigte sich nur eine Minute darauf, als Serge Gnabry sich im Mittelfeld energisch gegen zwei Berliner behauptete und damit den Angriff einleitete, der zum 1:0 für die Münchner führte.

Nach einer Hereingabe von Alphonso Davies ließ Robert Lewandowski den Ball passieren – Thomas Müller vollendete zu Führung. Wie schon bei der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg war Hertha in der Defensive in solchen Szenen nicht entschlossen und zupackend genug, immer einen Schritt zu weit weg und gedanklich nicht auf der Höhe.

Bis zur Pause sollte sich das noch einige Male wiederholen. Vor allem über die linke Abwehrseite der Berliner leiteten die Bayern einige gute und gefährliche Angriffe ein. So war es auch vor dem 2:0 in der 35. Minute. Gnabry flankte von rechts, Lewandowski setzte den Ball per Kopf an die Latte, und obwohl zwei Verteidiger von Hertha näher zum Tor standen, war es Lewandowski, der den Rebound, ebenfalls per Kopf, erwischte und sein drittes Saisontor erzielte.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Der Pole hat nun saisonübergreifend in jedem der letzten 13 Ligaspiele getroffen. Zuletzt war er am 5. Februar leer ausgegangen – gegen Hertha. Die Hoffnungen, dass sich die Berliner in der Pause noch einmal gesammelt haben könnten, verflogen schon früh.

Das Spiel war gerade erst wieder angepfiffen, da verlor Zeefuik am eigenen Strafraum gegen Jamal Musiala den Ball. Ein Fehler mit Folgen. Der Nationalspieler schlenzte den Ball zum 3:0 für die Münchner ins lange Eck.

Dardai brachte noch einmal drei Neue, aber längst ging es nur noch darum, die Niederlage nicht allzu sehr ausufern zu lassen. Die Bayern ließen es etwas ruhiger angehen, aber immer, wenn sie das Tempo ein bisschen verschärften, blickte Hertha nur noch staunend hinterher. So traf Lewandowski erst nach energischer Vorarbeit des zuletzt kritisierten Leroy Sané zum 4:0 und dann nach einer Ecke sogar noch zum 5:0 – und bescherte Pal Dardai damit die höchste Niederlage, die er in all den Jahren als Trainer von Hertha BSC gegen die Bayern kassiert hat.

Zur Startseite