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Gibt Fehler zu. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki. Foto: dpa
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Woelki will Gutachten freigeben Kölner Kardinal lenkt in Missbrauchsaffäre ein

Betroffenen reicht das nicht aus: „Man sollte sich nicht dafür feiern lassen, dass man sich entschuldigt.“

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki geht auf seine Kritiker zu. Beim „Synodalen Weg“ der katholischen Kirche, der am Donnerstag und Freitag als Videokonferenz stattfand, räumte er ein, bei der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln Fehler gemacht zu haben. Ihm sei „schmerzlich bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen“ sei.

„Als einer der Ersten, die einen Betroffenenbeirat eingerichtet und eine unabhängige Untersuchung mit Namensnennung in Auftrag gegeben haben, haben wir, habe ich Fehler gemacht“, hatte Woelki am Donnerstag eingestanden. Während der Videokonferenz kündigte er an, das bislang nicht veröffentlichte Gutachten der Münchner Anwaltskanzlei Westphal, Spilker und Wastl zur Einsicht freizugeben, „zunächst den Betroffenen“, später auch den Medien.

Der „Synodale Weg" ist ein von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gemeinsam ins Leben gerufene Dialogveranstaltung. Nach den verheerenden Ergebnissen der 2018 veröffentlichten, so genannten MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche soll mindestens noch bis Ende 2022 nach neuen Wegen und Reformen in der katholischen Kirche gesucht werden.

Zu Beginn der aktuellen Veranstaltung am Donnerstag hatte das Präsidium des Synodalen Wegs, dem auch der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing angehört, scharfe Kritik an der Situation in Woelkis Erzbistum geäußert. „Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs ist ein gewichtiger Punkt, weil daran die Glaubwürdigkeit unseres Wegs insgesamt liegt“, sagte Bätzing. „Es geht darum, ob die Menschen den Eindruck gewinnen können, dass wir Bischöfe es mit Aufarbeitung und Aufklärung ernst nehmen.“

Erstmals Vertreter des Betroffenenbeirats dabei

Erstmals nahmen an der Tagung auch drei Vertreter des Betroffenenbeirats der katholischen Kirche teil. Ohne das Erzbistum Köln beim Namen zu nennen, versprach einer der drei, Johannes Norpoth, „diözesane Entwicklungen in den Fokus zu rücken, selbst wenn diese Ausdruck eines unfassbar desaströsen Krisen- und Projektmanagements und einer absolut unprofessionellen Kommunikationsstrategie bei gleichzeitig fehlender, innerer Haltung des Führungspersonals zu sein scheinen“.

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Deutlicher noch wurde Kai-Christian Moritz, ebenfalls aus dem Betroffenenbeirat. „Man sollte sich nicht dafür feiern lassen, dass man sich entschuldigt“, sagte er an die Adresse Woelkis gerichtet. Dagegen ergriff die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, die frühere Staatssekretärin Karin Kortmann, die ausgestreckte Hand des Kardinals.

„Ich nehme das, was Sie uns heute gesagt haben, als ein neues Angebot für Aufarbeitung sehr ernst entgegen“, sagte Kortmann. Und dann sagte die frühere Staatssekretärin etwas, was so gar nicht zum Selbstbild des machtbewussten Kölner Kardinals passte, den Eindruck des an seinem Amt scheiternden Erzbischofs aber verstärkte: „Wenn Sie Unterstützung und Hilfe brauchen, dann sind wir da.“

Synodaler Weg will LGBT-Beauftragte einrichten

Auch wenn die Außenwahrnehmung der Konferenz vom Konflikt mit Woelki dominiert wurde, es wurde auch gearbeitet: Am Freitag stellten Vertreter der seit Monaten tagenden Foren Zwischenstände vor. Und dabei wurde deutlich, über welch weitreichende Reformen derzeit in der katholischen Kirche diskutiert wird.

So berichtete die Vorsitzende des Forums „Sexualität und Partnerschaft“, Birgit Mock, von Plänen, in jeder Diözese einen LGBT-Beauftragten einzurichten. Zudem diskutiere man darüber, „Handlungsempfehlungen“ an den Vatikan zu richten, um Teile des katholischen Katechismus zu verändern. Ob solche Vorschläge tatsächlich die für einen Beschluss des Synodalen Wegs nötige Zwei-Drittel-Mehrheit in der Bischofskonferenz erhalten können, wird sich freilich frühestens im Herbst zeigen.

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