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Winfried Kretschmann warnt vor übertriebener Kritik an den deutschen Autoherstellern. Foto: Marijan Murat/dpa
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Winfried Kretschmann im Interview „Wir müssen alles dafür tun, dass wir Autoland bleiben“

Baden-Württembergs Ministerpräsident wirft der Regierung vor, Deutschlands wirtschaftliche Zukunft zu riskieren. Die Autobranche sein „Pfeiler des Wohlstands“.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat der großen Koalition vorgeworfen, Deutschlands wirtschaftliche Zukunft aufs Spiel zu setzen. „Wir stehen vor einer Zeitenwende“, sagte der Grünen-Politiker dem Tagesspiegel. Die Zukunft des Standorts entscheide sich an der Frage, „ob wir es schaffen, unsere Art zu wirtschaften klimaneutral zu machen“. Die Bundesregierung renne den Problemen aber nur hinterher, „anstatt sie beständig und vorausschauend zu bearbeiten“.

Deutschland brauche angesichts des Klimawandels mehr Dynamik, mahnte Kretschmann. „In der Windenergie sind schon mehr Arbeitsplätze den Bach runtergegangen, als es in der Braunkohle gibt. Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung eine Zukunftsindustrie mit globaler Perspektive vor die Wand fahren lässt.“ Auch bei dem für die Zukunft entscheidenden Thema künstliche Intelligenz (KI) arbeite die Regierung zu langsam. „Vor einem Jahr hat die Regierung eine KI-Strategie vorgelegt, doch bisher ist nichts geschehen.“ Deutschland werde jedoch nur dann gegen China und die USA bestehen können, wenn es eine „eigene KI“ entwickele. „Sonst haben wir irgendwann nur noch die Wahl zwischen Überwachung und Monopolisten.“

Als eine der zentralen Aufgaben für die kommenden Jahre nannte Kretschmann den Umbau der deutschen Automobilindustrie. „Wir müssen alles dafür tun, dass wir Autoland bleiben – ein Autoland mit geänderter Mobilität und mit anderen Autos.“ Die Branche sei ein Pfeiler des Wohlstands im Land. Es gehe darum, das Auto neu zu erfinden.

Die Autoindustrie hat Vertrauen verloren

Kretschmann warnte vor übertriebener Kritik an den deutschen Herstellern. „Natürlich hat die Autoindustrie viel Vertrauen verloren durch ihre Tricksereien. Jetzt müssen wir aber auch aufhören, weiter auf sie einzudreschen.“ Ihre enormen Investitionen in neue Antriebstechnologien verdienten Respekt.

Zur Finanzierung ihres Investitionsbedarfs haben die deutschen Autokonzerne Sparprogramme angekündigt: BMW will zwölf Milliarden Euro bis 2022 einsparen, Audi 15 Milliarden. Der Ingolstädter Hersteller will bis 2025 jeden sechsten der 61000 deutschen Arbeitsplätze abbauen. Daimler will 1,5 Milliarden bis 2022 einsparen und mindestens 100.00 Stellen streichen. Bei VW läuft der schon 2016 beschlossene Jobabbau von weltweit 30 000 Arbeitsplätzen bis 2020 – und ein neuer wurde schon beschlossen: 5000 bis 7000 Stellen in den folgenden Jahren.

Kretschmann selbst sieht sich in der Pflicht, im Autoland Baden-Württemberg zu zeigen, dass der Wandel gelinge: „Nur wenn wir erfolgreich sind, wächst der Glaube, dass ein Umstieg möglich ist. Ich trage in dieser Frage eine Verantwortung.“ Er wünsche sich, „dass die deutschen Automobilfirmen jetzt Gas geben und Tesla nur noch ihre Rücklichter sieht“, sagte Kretschmann. Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla will im brandenburgischen Grünheide eine große Fabrik für sein SUV Model Y bauen und bis zu 10.000 Arbeitsplätze schaffen.

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