Der E-Roller ist eigentlich eine gute Idee, der WmdW an seine glückliche Kindheit erinnert, als ihm sein wuchtiges Tretgerät ein Gipsbein verschaffte. Foto: Oliver Berg/dpa
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Vier Fragen an Josef Joffe Was macht die Welt?

Den neuen EU-Chef suchen, Fregatten kaufen und von E-Tretrollern träumen. Antworten des Kolumnisten auf die Fragen des Tages.

Gesucht wird ein/e Nachfolger/in für Jean-Claude Juncker (w/m/d). Wie würde WmdW die Stelle ausschreiben?

Gefordert: ein Mensch, der neben Englisch, Französisch und Deutsch mindestens eine Kleinsprache wie Ungarisch beherrscht. Er muss so bescheiden und unterwürfig sein, dass er für alle 27 akzeptabel ist. Zugleich muss der Kommissionschef so charismatisch, raumfüllend und dynamisch sein, dass er nicht nur Trump, sondern auch EU-Großkopferte wie Macron ausmanövriert, der andauernd gegen den Bayern Manfred Weber schießt. Zurück zur Realität: Der Chef wird aus einem kleinen Land kommen, ein umsichtiger Typ, der den Großen nicht auf die Nerven geht. Ein Kompromissler von Gnaden.

Schwuppdiwupp wuchs der deutsche Verteidigungshaushalt um fünf Milliarden Euro. Geht doch!?

Die Fregatte F-125 kostet 800 Millionen Euro; machen wir eine runde Milliarde daraus, weil die Kosten so steigen wie bei der Elbphilharmonie. Das Londoner IISS-Institut hat ausgerechnet, dass die Nato-Europäer 16 Fregatten für zehn bis 31 Milliarden bauen müssten, falls Amerika sich zurückzieht. Insgesamt müssten sie bis zu110 Milliarden Dollar aufbringen. Betrachten wir also die fünf Milliarden der Deutschen als Lösegeld, das Trump besänftigen soll. Es wird noch sehr lange dauern, bis die Bundeswehr eine richtige Einsatzarmee sein wird. Sie hat heute sechs U-Boote. Im WKII wurden 250 zu Wasser gelassen.

Donald Trump will die heimische Telekommunikation vor dem Ausland schützen. Beispielhaft für Europa?

Seien wir realistisch. Huawei könnte überall Hintertüren einbauen und die Schlüssel mit dem Peking-Regime teilen, dessen Neugier keine Grenzen kennt. Misstrauen ist also angebracht und kein Geschenk für Trump. Am besten kennt der britische Abwehrdienst GCHQ die chinesischen Tricks. Mit dem sollten unsere Dienste in aller Vertraulichkeit reden, um Huaweis 5G-Technik kaufen und verlässlich kontrollieren zu können. Noch besser wäre es, wenn die Euros ihr eigenes Netz aufbauten. Bekanntlich hat ein Deutscher, Philipp Reis, das Telefon erfunden, Konrad Zuse den Computer. Siemens hat den Fernschreiber perfektioniert.

Ein erstes Wort zum E-Roller...

WmdW träumt jede Nacht von einem. Raus aus dem Haus, 800 Meter bis zur nächsten U-Bahn. Lautlos und tückisch gleiten die E-Treter an Rollstühlen, Kinderwagen und humpelnden Senioren vorbei; die sollen gefälligst aufpassen. Die Kindlein auf ihren Wackelbeinen auch. Bürgerkrieg auf dem Bürgersteig. Deshalb: Bremsen für beide Räder und ein Rollerkurs – Haftpflicht sowieso. Fahrräder auf dem Trottoir sind schon gefährlich genug. Ansonsten ist der E-Roller eine gute Idee, der WmdW an seine glückliche Kindheit erinnert, als ihm sein wuchtiges Tretgerät ein Gipsbein verschaffte.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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