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Beim G-7-Gipfel im Juni 2021 noch beste Partner: Die Präsidenten Joe Biden und Emmanuel Macron Foto: AFP/Leon Neal
© AFP/Leon Neal

Update Versöhnungstelefonat nach U-Boot-Streit Biden und Macron vereinbaren Treffen im Oktober

Die Präsidenten der USA und Frankreichs glätten die Wogen im Konflikt um ein U-Boot-Geschäft. Der britische Premier versucht sich in Wortspielen.

Entspannungssignale zwischen Washington und Paris: Nach dem schweren Zerwürfnis im U-Boot-Streit wollen US-Präsident Joe Biden und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Oktober zu einem persönlichen Treffen zusammenkommen. Bei einem Telefonat am Mittwoch hätten beide vereinbart, sich Ende Oktober in Europa zu treffen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die beide Regierungen im Anschluss veröffentlichten. Macron habe auch entschieden, dass der französische Botschafter kommende Woche nach Washington zurückkehren solle.

Die USA hatten vor einigen Tagen ohne Absprache mit den Verbündeten einen neuen Sicherheitspakt mit Australien und Großbritannien im Indopazifik verkündet und damit eine tiefe diplomatische Krise mit Frankreich ausgelöst. Der Pakt ließ ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft Australiens mit Frankreichs platzen, was in Paris zu wütenden Reaktionen führte.

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Macron hatte unter anderem die Botschafter aus den USA und Australien vorübergehend abziehen lassen - eine äußerst ungewöhnliche Maßnahme unter Verbündeten. Zum zurückgerufenen französischen Botschafter in Canberra sei noch keine Entscheidung gefallen, hieß es am Mittwoch von französischer Seite.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian hatte sich in dem Streit mit ungewöhnlich scharfen Worten über den Vorstoß der Partner beschwert. Er nannte die Entscheidung unter anderem „brutal“ und verglich Bidens Vorgehen mit jenem von Ex-US-Präsident Donald Trump.

US-Präsident hatte um Telefonat gebeten

Biden hatte Macron schließlich um ein Telefonat gebeten, um die Differenzen zu klären. Frankreichs Präsident wiederum ließ kurz zuvor ausrichten, was genau er von dem Gespräch erwarte: Élysée-Kreise listeten unter anderem auf, Macron wolle von amerikanischer Seite das Eingeständnis, dass eine erforderliche Unterrichtung Frankreichs über die neue Sicherheitsallianz im Indopazifik versäumt worden sei. Nötig sei auch ein zeitlich abgesteckter Prozess, bei dem auf hoher Ebene die Bedingungen für eine Rückkehr zum Vertrauen auf Grundlage konkreter Taten und nicht bloß Worte bestimmt würden.

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Die gemeinsame Stellungnahme orientierte sich sehr an diesen von Macron formulierten „Erwartungen“ und der teils sperrigen Wortwahl aus dem Élysée-Palast. Es hieß darin unter anderem, die Präsidenten seien sich einig gewesen, dass die Situation „von offenen Konsultationen zwischen den Verbündeten“ zu Fragen von strategischem Interesse für Frankreich und die europäischen Partner „profitiert“ hätte. Die Präsidenten hätten vereinbart, einen Prozess intensiver Beratungen zu starten, um die Bedingungen zu schaffen, Vertrauen zu gewährleisten und konkrete Schritte mit Blick auf gemeinsame Ziele vorzuschlagen. Ziel des Treffens sei es, „ein gemeinsames Verständnis zu erreichen und die Dynamik in diesem Prozess aufrechtzuerhalten“.

In Rom steht Ende Oktober der G20-Gipfel, also die Zusammenkunft der 20 wichtigsten Industrienationen, an, zu denen auch die USA und Frankreich gehören. Biden reist dafür ohnehin nach Europa. Ob das Treffen mit Macron am Rande des Gipfels stattfinden soll oder getrennt davon, war zunächst unklar.

Biden habe auch die strategische Bedeutung des französischen und europäischen Engagements im Indopazifik nochmals bestätigt und sich zu einer stärkeren Unterstützung der Anti-Terrorbemühungen der Europäer in der Sahel-Zone bekannt, hieß es weiter. Derlei Klarstellungen und Zusagen hatte Macron ebenfalls vorab verlangt.

Der britische Regierungschef Boris Johnson in Washington Foto: Imago/UPI Photo/Bonnie Cash Vergrößern
Der britische Regierungschef Boris Johnson in Washington © Imago/UPI Photo/Bonnie Cash

Mit englisch-französischen Wortspielen hat der britische Premierminister Boris Johnson am Mittwoch versucht, die wegen des geplatzten U-Boot-Geschäfts empörten Franzosen zur Räson zu bringen. "Für einige unserer engsten Freunde in der Welt ist es Zeit, sich zusammenzureißen", sagte Johnson vor britischen Journalisten in Washington. Dabei wandelte er die britische Formulierung "get a grip" (reiß dich zusammen) in "prenez un grip" um.

"Donnez-moi un break" (Jetzt macht mal eine Pause), forderte Johnson in einer weiteren englisch-französischen Wortschöpfung. Das neue Bündnis zwischen den USA, Großbritannien und Australien sei ein "großer Fortschritt für die weltweite Sicherheit", sagte Johnson dem Sender Sky News. Es handele sich nicht um eine Beleidigung der europäischen Nachbarn, vielmehr rückten "drei gleichgesinnte Verbündete zusammen, um eine neue Partnerschaft zu schließen und Technologie zu teilen". (dpa, AFP)

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