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Gedenkgraffiti für die Opfer des Anschlags von Hanau in Frankfurt/Main Foto: Imago/Ralph Peters
© Imago/Ralph Peters

Verband zieht mörderische Bilanz Jeden Tag drei bis vier Opfer rechter Gewalt

Der Verband der Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt hat 2020 mehr als 1300 rechte Angriffe registriert. Einen islamistischen Mord zählt er dazu.

Die Bilanz ist erschreckend, auch wenn sie nur die Hälfte der Republik abbildet. Insgesamt 1322 Fälle brutaler rechter Attacken hat der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) im vergangenen Jahr in acht Bundesländern registriert. Der Verband stellte am Dienstag in Berlin seine Erkenntnisse vor.

Die Zahl der Angriffe ist trotz der Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen kaum geringer als 2019 (1347 Attacken). Die brutalste Gewalttat mit neun Toten aus Einwandererfamilien war der Anschlag des Rassisten Tobias Rathjen vom Februar 2020 in Hanau. Hinzu kommen zwei Todesopfer schwulenfeindlicher Gewalt in Thüringen und Sachsen. In Thüringen prügelten im Februar 2020 zwei junge Schläger mutmaßlich aus Schwulenhass einen 52-jährigen Mann zu Tode. Der Fall in Sachsen wurde sogar überregional bekannt.

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Im Oktober erstach der Islamist Abdullah Al-H. H. in Dresden einen homosexuellen Touristen aus Krefeld und verletzten dessen Lebenspartner schwer. Der Täter attackierte das Paar, weil er es für angeblich verwerfliches Verhalten bestrafen wollte. Polizei und Bundesanwaltschaft stufen den Mord als religiös motiviert ein.

Der Verband der Beratungsstellen sieht in der Tat hingegen vor allem einen klassischen Fall gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und rechnet ihn im weiteren Sinne auch rechter Gewalt zu. Das ist ein neuer Ansatz, bislang haben Nichtregierungsorganisationen genauso wie die Polizei eine Trennlinie zwischen islamistischer Gewalt und rechten Angriffen gezogen.

Im Verband sind die Beratungsstellen aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zusammengeschlossen. In den fehlenden Ländern gibt es noch keine tragfähigen Strukturen.

Viele Opfer sind Kinder und Jugendliche

In den acht Ländern, in denen die Beratungsstellen tätig sind, seien täglich mindestens drei bis vier Menschen Opfer rechter Gewalt geworden, teilte der Verband mit. Von den insgesamt 1922 betroffenen Menschen seien fast ein Fünftel (339 Opfer) Kinder und Jugendliche gewesen. Als häufigstes Tatmotiv nennt der Verband Rassismus. Fast zwei Drittel der Angriffe seien rassistisch motiviert gewesen. Die Attacken hätten sich überwiegend gegen "Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung und Schwarze Deutsche" gerichtet. In der Pandemie habe allerdings auch antiasiatischer Rassismus zugenommen. Der Verband spricht zudem von 237 rechten Angriffen auf politische Gegnerinnen und Gegner.

Mit Blick auf den Anschlag in Hanau ruft der Verband die hessische Landesregierung auf, einen "Rechtsterrorismus-Opferfonds" einzurichten. Die CDU-Grünen-Regierung müsse "endlich die gravierende Lücke bei der materiellen Unterstützung der Hinterbliebenen und Überlebenden schließen.

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