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Kein Herz und keine Seele. Der ehemalige Al-Kaida-Chef Osama bin Laden (links) und sein damaliger Stellvertreter Aiman al Sawahiri im Jahr 2001. Nun sind beide tot. Foto: DPA
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US-Drohne tötet Al-Qaida-Chef al Sawahiri Bidens Coup wird allenfalls etwas Genugtuung bewirken

Aiman al Sawahiri wurde verantwortlich gemacht für Terroranschläge, die zwei Jahrzehnte zurückliegen. Mit seinem Tod kehren Erinnerungen zurück. Ein Kommentar.

Sieht so ein Triumph der Gerechtigkeit aus? War es Amerika gelungen, dem internationalen Terrorismus einen harten Schlag zu versetzen? Joe Biden ist 79 Jahre alt. Viele Parteifreunde wollen, dass er nicht wieder als Präsident kandidiert.

Er spricht, weil zum zweiten Mal an Corona erkrankt, vom Balkon des Weißen Hauses. Er sagt Sätze, die in diesem Zusammenhang schon oft gesagt wurden. „Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan.“ – „Wir geben nicht auf.“ – „Wir werden niemals vergessen.“

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Am Sonntag hatte eine amerikanische Drohne den Chef des Terrornetzwerkes Al Qaida, Aiman al Sawahiri, getötet. Nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan war der 71-jährige ägyptische Arzt nach Kabul gezogen, in ein sogenanntes „safe house“. Er soll seit Längerem ein Herzleiden haben.

In erster Linie wird ihm die Mitverantwortung für Anschläge zur Last gelegt, die rund zwei Jahrzehnte zurückliegen: auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998, auf den Navy-Zerstörer „USS Cole“ im Jahr 2000, auf das World Trade Center und Pentagon am 11. September 2001. Mit Al Sawahiris Tod kehrten Erinnerungen zurück.

Bidens Coup dagegen wird allenfalls etwas Genugtuung bewirken

Doch mehr nicht. Als die geheimste Eliteeinheit der US-Armee, die „Navy Seals“, am 2. Mai 2011 das Anwesen von Osama bin Laden im pakistanischen Abbottabad stürmten und diesen töteten, schnellten die Popularitätswerte des US-Präsidenten in die Höhe. Ihm war gelungen, woran sich sein Vorgänger, George W. Bush, knapp acht Jahre lang die Zähne ausgebissen hatte. Die Ereignisse wurden minutiös rekonstruiert und in Büchern und Filmen verewigt.

Bidens Coup dagegen wird allenfalls etwas Genugtuung bewirken. Dass er daraus politisches Kapital schlagen kann, ist unwahrscheinlich. Al Qaida operiert längst dezentral, ob von Jemen, Somalia, Mali, Nigeria oder Indonesien aus. Die Zellen agieren überwiegend autonom.

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Es gibt ideologische Überschneidungen, aber auch erbitterte Rivalitäten zu anderen radikalislamischen Organisationen. Im Vergleich zum „Islamischen Staat“ etwa, deren Kämpfer mit schwerem Gerät umgehen und großräumige Operationen durchführen können, beschränken sich die Gefahren, die von Al Qaida ausgehen, auf punktuell geplante Anschläge. Gebannt sind diese Gefahren freilich nicht.

Amerikaner haben längst andere Sorgen

Dennoch hat Amerika das Interesse sowohl am Nahen Osten als auch am Terrorismus verloren. Die Truppen wurden abgezogen, das Afghanistan-Debakel vor einem Jahr ist noch in all seiner Bitterkeit präsent. Zur Terrorabwehr setzen CIA und Sicherheitsbehörden eher auf Drohnen und Cyberangriffe als auf Besatzung, „nation building“ und Demokratie-Export. Man hat längst andere Sorgen. Das Augenmerk liegt auf China und Russland, auf Inflationsbekämpfung und Migrationsbewältigung.

Aiman al Sawahiri, das war, wie es im Englischen so schön heißt, „a blast from the past“, eine kurze Begegnung mit der Vergangenheit.

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