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Ethikrat-Chefin Alena Buyx sieht Einschränkungen für Ungeimpfte durch die 2G-Regel kritisch. Foto: Imago/Jürgen Heinrich
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Teilhabe von Ungeimpften Ethikrat-Chefin mahnt zu maßvollem Umgang mit 2G

Alena Buyx betont die Vorteile des 3G-Modells, 2G müsse „staatlich maßvoll“ eingesetzt werden. Beim Impfen plädiert sie für kleine Anreize - wie einen Donut.

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hat sich für einen maßvollen Umgang ausgesprochen mit Einschränkungen für Menschen, die sich bisher nicht gegen Corona haben impfen lassen. Grundsätzlich sei aus ethischer Perspektive das 3G-Modell, also geimpft, genesen oder getestet, besser, sagte sie der „Welt“. „Je mehr Teilhabe für alle Menschen möglich ist, desto besser. Es wäre also schön, wenn man bei der Regelung bleiben könnte.“

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Private Anbieter könnten die 2G-Regelung, von der nur geimpfte oder genesene Personen profitieren, einsetzen, etwa um Planungssicherheit zu erhalten, so die Medizinethikerin. „Staatlich sollte man das maßvoll einsetzen, so kurz wie möglich und nur dann, wenn die milderen Mittel ausgeschöpft sind und eine Gefährdungssituation droht“, sagte die seit 2020 amtierende Ethikrats-Vorsitzende.

Impfanreize durch seien umstritten

Impfanreize etwa durch Geld seien in der ethischen Diskussion umstritten, sagte Buyx. Niedrigschwelliges Impfen bleibe wichtig; dabei sollten höchstens kleine Anreize wie ein Donut oder ein kleiner Einkaufsgutschein eingesetzt werden. „Sonst wäre das auch für bereits Geimpfte irritierend: Die Menschen, die besonders lange mit ihrer Impfung gewartet haben, werden dafür nun noch belohnt.“

[Lesen Sie auch: Warum Impfunwillige Nachteile in Kauf nehmen müssen (T+)]

Eine gesellschaftliche Spaltung infolge der Pandemie befürchtet Buyx nach eigenen Worten nicht. „Wir waren nie eine homogene Gesellschaft, in der alle einer Meinung sind oder es allen gleich gut geht.“ Doch seien diese Unterschiede in der Covid-Krise deutlich geworden. „Was mich bekümmert, ist die Vehemenz und die Polarität, mit der die Debatten geführt wurden.“

Obwohl sich die gesellschaftlichen Routinen während der Pandemie nicht stark verändert hätten, würden viele den inneren Zusammenhalt schwächer wahrnehmen als er eigentlich ist, sagt Buyx.

Um diesen Zusammenhalt zu fördern, sei ein großer gesellschaftlicher Einsatz und Aufwand erforderlich, betonte die Ethik-Expertin. „So viele Menschen haben gelitten und viel verloren.“ Sei es den Job, einen Angehörigen, ihre Lebensfreude oder die Abiturfeier. „Diese Verluste müssen wir anerkennen und bewältigen“, sagte Buyx. „Dafür brauchen wir als Gesellschaft einen Heilungsprozess.“ (Tsp, kna)

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