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Gespanntes Verhältnis. Der britische Regierungschef Johnson (links) und Frankreichs Präsident Macron. Foto: Christopher Furlong/AFP
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Streit um Fanglizenzen Fisch und Vorurteil

Fischerei trägt kaum zur Wirtschaftsleistung Großbritanniens und Frankreichs bei. Der Grund des französisch-britischen Streits liegt woanders. Ein Kommentar.

Fast zwei Jahre sind mittlerweile seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU vergangen. Aber man kann nicht sagen, dass beide Seiten zu einem friedvollen Umgang miteinander gefunden hätten. Gegenwärtig tobt ein Streit um Kabeljau, Jakobsmuscheln und Seezungen zwischen beiden Seiten - genauer gesagt: zwischen Großbritannien und Frankreich. Allerdings wäre es zu einfach, allein den britischen Premierminister Boris Johnson für die zwischenzeitliche Eskalation verantwortlich zu machen.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wirft den britischen Behörden vor, französische Fischer nicht ausreichend mit Fanglizenzen im Ärmelkanal zu versorgen. Die Behörden von der Insel verlangen von den französischen Fischern wiederum einen Nachweis, dass sie auch schon in den vergangenen Jahren in der Region gefischt haben. In britischen Zeitungen ist bereits von einem „Fischereikrieg“ die Rede.

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Natürlich kann Johnson mit den Sticheleien gegen Frankreich und seine Fischer trefflich ablenken von der wirtschaftlichen Misere auf der Insel, von den Problemen bei den Lieferketten und dem Mangel bei den Lkw-Fahrern. Aber auch Macron hat ein Interesse daran, den Streit am Köcheln zu halten. Im kommenden April sind Präsidentschaftswahlen, und Macron strebt eine zweite Amtszeit an. Im Vorwahlkampf steht der Staatschef unter dem Druck seiner Konkurrenten aus dem konservativen Lager, im Streit mit London möglichst keine Handbreit zurückzuweichen. So fordert der mögliche Präsidentschaftsbewerber Xavier Bertrand, „verdammt hart“ gegenüber den Briten aufzutreten.

Ressentiments auf beiden Seiten des Ärmelkanals

Im Streit um die Fangrechte lassen sich offenbar auf beiden Seiten des Ärmelkanals nationalistische Ressentiments bedienen. Das wirkt umso bizarrer, als die Fischerei nur einen verschwindend geringen Anteil an der Wirtschaftsleistung Frankreichs und Großbritanniens hat.

Zunächst einmal ist es gut, dass Macron seine Drohung nicht wahrmacht, die Häfen für britische Schiffe zu sperren. Die eingehenden Kontrollen britischer Lastwagen, die der Staatschef ebenfalls ins Spiel gebracht hat, könnten zudem den Handel zwischen der Insel und dem Kontinent ernsthaft gefährden. Dies sollte Macron auch in den kommenden Tagen bedenken – allen innenpolitischen Versuchungen zum Trotz.

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