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Logo der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) Foto: dpa/Christoph Soeder
© dpa/Christoph Soeder

Stiftung Preußischer Kulturbesitz auflösen? Das ist überfällig!

Ein Gutachten empfiehlt, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufzulösen. Das ist keine Hiobsbotschaft – ganz im Gegenteil. Ein Kommentar.

Das klingt dramatisch. Ein Gutachten des Wissenschaftsrats, erstellt im Auftrag der Kulturstaatsministerin, empfiehlt die Auflösung der größten deutschen Kulturinstitution. „Dysfunktional“ sei die Arbeit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Laden „strukturell überfordert“.

Eine Hiobsbotschaft? Im Gegenteil. Die Nachricht ist gut. Und überfällig. Da soll ein Riesentanker wieder flottgemacht werden, der auf Grund zu laufen droht. Angepeilt wird eine radikale Modernisierung, die in den gegebenen Strukturen nicht möglich ist.

Aufbau und irgendwie auch noch der Geist der Stiftung stammen aus den 1950er Jahren, aus dem West-Berlin des Kalten Kriegs. Nach der Wende wurden Museen, Bibliotheken, Forschungseinrichtungen schnell zusammengelötet.

Es entstand ein kaum beherrschbares Konglomerat aus etlichen stark renovierungsbedürftigen Altbauten in Ost und West und tückischen neuen Projekten. Das erklärt sich aus der Historie, aber der Stau am Bau lähmt gewaltig.

Im Grunde beginnt das Problem schon mit dem Namen. Preußischer Kulturbesitz: historisch nicht falsch, aber abschreckend und einengend. Auch die Sache mit dem „Besitz“ passt nicht mehr so recht ins 21. Jahrhundert.

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Es fehlt Geld

Ein zeitgemäßes Museumsverständnis geht davon aus, dass die Häuser und Kuratoren an ihrem jeweiligen Ort die Objekte für alle Welt verwahren. Denn Sammlungen von Weltrang wie der Louvre, das British Museum oder die großen Berliner Museen haben ihren Ursprung meist im 18. und 19. Jahrhundert – in der Epoche des noch ungebremsten Kolonialismus. Berliner Heiligtümer wie der Pergamonaltar, das Ischtar-Tor aus Babylon und die Nofretete sind das Produkt archäologischer Expeditionen der deutschen Kaiserzeit.

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Staatliche Museen Berlin: Da braucht es keine neue Namensgebung. Auch die Bezeichnung Staatsbibliothek und Geheimes Staatsarchiv, sämtlich der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zugehörig, sind angemessen. Die alten Gepflogenheiten in den Einrichtungen allerdings versperren den Weg nicht nur in die Zukunft, sondern auch schon in die Gegenwart.

So weist das Gutachten darauf hin, dass der Stiftung etliche Stellen und Finanzmittel fehlen, um auf die Höhe der Zeit zu kommen: publikumsfreundlicher, flexibler und auch gern mal wieder mit einer attraktiven Ausstellung in Berlin. Vielleicht demnächst im Humboldt-Forum?

Schmuckstück der Berliner Museen: Nofretete. Foto: REUTERS Vergrößern
Schmuckstück der Berliner Museen: Nofretete. © REUTERS

Die Museen verkaufen sich schlecht

Was für ein Anachronismus: Unter dem Dach des Pergamonmuseums befinden sich große Teile der Antikensammlung, das Vorderasiatische Museum und das Museum für Islamische Kunst, ein jedes mit eigener Leitung.

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Dabei geht es um einen geografischen Raum, der politisch und kulturell aufs Engste zusammenhängt. Hier aber greifen noch die alten Aufteilungen der Kolonialmächte. Generell muss man leider sagen: Die Museen in Berlin verkaufen sich schlecht, sie verwalten mehr, als dass sie gestalten. An den Museen übt das Gutachten, das am Montag offiziell vorgestellt wird, auch die deutlichste Kritik.

Der Prozess der Veränderung braucht Zeit, aber hoffentlich nicht zu viel. Bund und Länder müssen neue Gesetze verabschieden, und es wird in jedem Fall mehr Geld benötigt. Hermann Parzinger, der Präsident, hat noch fünf Jahre im Amt. Ihm bietet sich die großartige Chance, den Umbau zu beschleunigen und Moderator der Veränderung zu sein. Perestroika für die Preußenstiftung!

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