Theodore Edgar McCarrick 2013, als er noch Kardinal war. Foto: AFP
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Sexueller Missbrauch Papst entlässt Ex-Erzbischof McCarrick

Papst Franziskus hat rechtzeitig vor dem Missbrauchsgipfel im Vatikan den früheren Washingtoner Erzbischof McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen.

Wenige Tage vor dem Vatikan-Gipfel zu Missbrauch hat Papst Franziskus den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen. Für Geistliche ist das die im Kirchenrecht vorgesehene Höchststrafe. Die Entscheidung gab der Vatikan am Samstag bekannt. McCarrick wurde des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch für schuldig befunden, zudem des Missbrauchs des Beichtsakraments. Der 88-Jährige ist der höchste katholische Würdenträger der Neuzeit, der aus dem Priesterstand entlassen wird. Im Juli 2018 hatte McCarrick bereits seine Kardinalswürde verloren.

Der ehemalige Erzbischof von Washington hatte zwischen 1970 und 1990 Priesteramtskandidaten zum Sex verführt und mindestens zwei Minderjährige missbraucht. Er lebt in einem Kapuzinerkloster im US-Bundesstaat Kansas und durfte sein Priesteramt nicht mehr ausüben, bis die Anschuldigungen in einem kirchenrechtlichen Prozess geklärt waren. Dieser Prozess ist nun abgeschlossen.

Papst wollte eine Klärung vor dem Missbrauchsgipfel

Die Behörde hatte ihr Urteil bereits am Montag gefällt. Ein Widerspruch McCarricks wurde zwei Tage später beraten und abgelehnt. Die Entscheidung wurde McCarrick am Freitag mitgeteilt, nachdem der Papst als letzte Autorität das Urteil bestätigte. Ein neuerlicher Widerspruch ist nicht zugelassen. Laut vatikanischen Kreisen wollte Franziskus den aufsehenerregenden Fall vor dem Anti-Missbrauchsgipfel am kommenden Donnerstag geklärt haben. Angeordnet hatte Franzikus die gründliche Untersuchung aller Akten zum Fall McCarrick im vergangenen Sommer.

Theodore McCarrick war wegen seines sozialen Engagements, seines diplomatischen Geschicks und seiner exzellenten Verbindungen zum Establishment bekannt. In seiner Zeit in Washington galt er als engagierter Kämpfer gegen den Missbrauch und hatte Anteil an der „Null-Toleranz“-Politik gegen übergriffige Priester.

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat mit Blick auf den Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan der These widersprochen, eine Ursache für sexuellen Missbrauch liege im Klerikalismus. Dafür gebe es keine empirischen Belege. Die Ursache liege im verdorbenen Charakter der Täter, sagte er dem „Spiegel“. „Allerdings gab es in der Vergangenheit Fälle, wo aus geistlicher Autorität politische Macht wurde.“ Zum Fall McCarrick bekräftigte Müller seine These von einem Zusammenhang von Missbrauch und Homosexualität.

Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher seien männlich. „Bei dem Missbrauchsgipfel aber sollen diese Daten unvernünftigerweise keine Rolle spielen“, kritisierte der Theologe. „Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird, wir werden geboren als Mann oder Frau.“ (KNA/dpa)

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