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Podcast mit Unflat: Serdar Somuncu holte in einem Radioeins-Format sexistisch weit aus und möchte das als Satire verstanden wissen. Foto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa
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Serdar Somuncus sexistische Ausfälle Wo bleibt der „So etwas sagt man nicht“-Aufschrei?

In einem Podcast wurde Somuncu ausfällig. Denkt jemand darüber nach, was unsere Töchter denken und lernen, wenn sie so etwas immer wieder hören? Eine Kolumne.

Was ist eigentlich schon wieder mit den Männern los? Manche sind so hysterisch, als hätten sie lange keinen Sex mehr gehabt. Einigen bekommt es offenbar nicht, dass immer mehr Frauen mittlerweile in allen Bereichen locker an ihnen vorbeiziehen. Das muss wirklich schmerzhaft sein, wie sonst lässt sich erklären, dass sexuelle Beleidigung ihre letzte Chance ist, es uns Frauen so richtig zu zeigen.

Jedes Mal, wenn ich denke, jetzt kommen wir bei der Gleichberechtigung ein Stückchen weiter, kommt so ein Typ um die Ecke und hinterlässt ein Schlachtfeld voller Frauenhass und Sexismus. Diesmal war es Serdar Somuncu. Was genau er gesagt hat, will ich hier gar nicht wiederholen. Aber wo er es gesagt hat: im öffentlich-rechtlichen Radio, genauer in einem Podcast von Radioeins. Darin hetzte er in niederträchtiger Weise gegen Frauen und meinte auch noch, das sei Satire, und er wolle so der Gesellschaft den Spiegel vorhalten.

Wenn ich nicht eine gute Kinderstube gehabt hätte, würde ich ihm jetzt sagen: „F* dich, Somuncu. Verarschen kann ich mich selber.“ Und ich bin sicher nicht die einzige. Frauen sind zwar schön, aber nicht doof, und verstehen sehr gut, was hinter sexualisierten Worten steckt. Und auch Somuncu weiß vermutlich ganz genau, was der Unterschied zwischen Satire und dumpfem Sexismus ist.

Hier noch mal zur Erklärung: Satire verhöhnt nicht, Satire verletzt nicht, Satire beleidigt nicht, Satire ist Florett, nicht Kettensäge. Gern geschehen. Aber ich will Somuncu nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken, doch wenn ich es mir recht überlege, warum eigentlich nicht? Denn nicht zu reagieren, könnte ja bedeuten, ihm am Ende recht zu geben. Gott bewahre.

Wie sollen wir unseren Töchtern solche Grenzüberschreitungen erklären?

Mir geht es aber um etwas ganz anderes. Ich frage mich, wie wir Mütter und Väter unseren heranwachsenden Töchtern solche Grenzüberschreitungen erklären wollen?

Wofür gibt es denn die Girls Days, MINT-Programme und Kompetenz- und Empowermentkurse, wenn wir unseren Töchter erst mal beibringen müssen, wie sie sich gegen Neandertaler mit der Keule, der sie zurück in die Höhle schleppen will, wehren können? Wie wollen wir ihnen sagen, dass sie respektvoll, sozial und kompromissorientiert sein sollen, sich gleichzeitig aber gegen sexuelle Übergriffe verteidigen müssen?

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Wenn Männer gegenüber Frauen sexualisierte Sprache verwenden, geht es ihnen nie um Sex. Es geht ihnen um Macht, darum, uns Frauen in Angst und Schrecken zu versetzen. Sexualisierte Sprache ist eine sehr männliche Form von Gewaltphantasie. Mädchen und Frauen sind tagtäglich sexuellen Übergriffen ausgeliefert. Das war früher schon so, das ist heute immer noch so.

Es braucht jetzt einen Aufstand der Anständigen

Ich will zwar nicht altbacken klingen, aber nach der ganzen Debatte um Sexismus gegen Frauen, braucht es endlich einen Aufstand der Anständigen und einen „so etwas sagt man nicht“-Druck gegen jene Männer, die Sexismus immer noch als Kavaliersdelikt betrachten.

Wie wollen wir es schaffen, dass unsere Töchter ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper bekommen, wenn ständig ihre Optik vor ihre Intelligenz gestellt wird? Wir müssen als Gesellschaft endlich dafür sorgen, dass unsere Töchter sich niemals machtlos fühlen dürfen in Situationen, in denen Männer sie als sexuelle Projektionsfläche betrachten.

Ich weiß nicht, wieviel Türkisch Serdar Somuncu noch kann, aber vielleicht kennt er dieses Sprichwort: „Sakanin sonu kavgadir“: Was mit einem Witz beginnt, kann schnell in einem Streit enden.

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