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Vieles erinnert an die 1930er Jahre

Ein Aufkleber "Asyl-Wahn Stoppen - Nein zum Heim - Wutbürger" klebt am 23.06.2015 an einem Laternenmast in unmittelbarer Nähe des Leonardo-Hotel in Freital (Sachsen). Zur Erstaufnahme von Flüchtlingen nutzt Sachsen vorübergehend ein Hotel in Freital bei Dresden. Foto: dpa
Rechte Hassbürger und Meinungsfreiheit Eine Kapitulationserklärung

Mit der Aktion von letztem Samstag möchte offenbar jemand die Petition stoppen und/oder mich zum Schweigen bringen. Mein erster Reflex war, jetzt erst recht! Aber dann habe ich mir das noch einmal gründlich überlegt.
Als Bürger fühle ich eine Verantwortung für unsere Gesellschaft und für den Rechtsstaat, die ich mit meinen Kolumnen wahrzunehmen versucht habe. Schreiben, argumentieren und erklären ist nun mal das, was ich am Besten kann. Als Ehemann und Vater habe ich eine Verantwortung für das Wohlbefinden und die Sicherheit meiner Familie.

Kann der Wunsch, der Gesellschaft zu dienen wirklich wichtiger sein, als die Pflicht, die Familie vor Angriffen zu schützen? Ja, das hätte ich vielleicht sogar zugunsten der Gesellschaft und damit zugunsten meiner geliebten Autorentätigkeit entschieden, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass „die Gesellschaft“ selbst irgendwie mitzieht und allen extremistischen Bestrebungen ein klares STOPP entgegensetzt. Wenn es zu einer Allianz der Anständigen gegen die Hassbürger gekommen wäre oder wenigstens zu klaren Reaktionen aus der Politik. Dann wäre es vermutlich gar nicht erst zu irgendwelchen Einschüchterungsmaßnahmen gegen die Petition gekommen. Da passiert aber verhältnismäßig wenig bis gar nichts.

Schauen Sie sich zum Beispiel diese Petition an. Klar 55000 Unterzeichner sind gemessen an anderen Petitionen gar nicht übel, und ich bin jedem Einzelnen für diese Unterstützung von Herzen dankbar. Sie sind auf der richtigen Seite. Aber seien Sie mal ehrlich, was sind wir aufrechten 55.000 in einem 80-Millionenvolk. Wo sind die Prominenten, die sich mit uns schützend vor die Asylbewerber stellen? Udo Lindenberg hat es getan und die Petition via Twitter verbreitet, aber das ist ein einsamer Rufer in der Promiwüste. Til Schweiger hilft Flüchtlingen auf seine eigene Art und das ist auch okay.

Der Kämpfer wirft das Handtuch

Ganz spannend sind dann auch per persönlicher Nachricht übermittelte Absagen gegen eine Unterstützung, die meistens mit den Worten beginnen, „Lieber Heinrich, ich unterstütze Dein Anliegen und bin inhaltlich voll auf Deiner Seite, aber habe bitte Verständnis dafür, dass ich mich nicht mit dem Mob anlegen will.“ Nein, eigentlich hatte ich dafür kein Verständnis, weil es genau das ist, was den Mob gefährlich macht. Durch die Verbreitung von Angst und Schrecken, die ganz normalen Bürger davon abzuhalten, sich gegen ihn zu wenden.

Die Mehrzahl der Bevölkerung hat den Staat offenbar schon aufgegeben und begnügt sich damit, sich entspannt am Sack zu kratzen, während andere für sie die Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Nicht mal zur Wahl schleppen diese Staatsbürger im Wellnessmodus. Es sind ja auch nur die leeren Flüchtlingsheime die brennen, nicht unsere Häuser. Und wenn als nächstes die Flüchtlinge selbst brennen, dann geht uns das doch gar nichts an. Wir gucken lieber DSDS und außerdem fängt nächste Woche ja die Bundesliga wieder an. „Lass mich doch in Ruhe mit Deinem Politkram, uns tut doch niemand was. Übertreib doch nicht. Die Gefahr sind doch nicht die besorgten Bürger, die Gefahr ist der Islam, der Ami, der Jude, der Euro, der Fremde.“
Ja, mit Ausnahme von Euro, DSDS und Bundesliga, wird man Ähnliches in den 30er Jahren auch gehört haben.

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